Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2026
Konjunkturwinter wird noch kälter
Die angespannte wirtschaftliche Lage im Main-Kinzig-Kreis verschärft sich weiter. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Zukunftserwartungen der Unternehmen haben sich erneut verschlechtert, es werden noch mehr Arbeitsplätze wegfallen, und Investitionen bleiben aus. Politische Unsicherheit und hohe Standortkosten erschweren eine Trendumkehr. Vor den anstehenden Wahlen quer durch Deutschland, beginnend am 15. März in Hessen, wächst damit der Handlungsdruck für die Politik von Bund, Länder und Gemeinden weiter.
Die angespannte wirtschaftliche Lage im Main-Kinzig-Kreis verschärft sich weiter. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Zukunftserwartungen der Unternehmen haben sich erneut verschlechtert, es werden noch mehr Arbeitsplätze wegfallen, und Investitionen bleiben aus. Politische Unsicherheit und hohe Standortkosten erschweren eine Trendumkehr. Vor den anstehenden Wahlen quer durch Deutschland, beginnend am 15. März in Hessen, wächst damit der Handlungsdruck für die Politik von Bund, Länder und Gemeinden weiter.
Die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage zeigen eine erneute Verschlechterung der wirtschaftlichen Stimmung im Main-Kinzig-Kreis. Der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen der aktuellen Geschäftslage liegt bei -11,9 und hat sich damit gegenüber der Herbstumfrage 2025 (-5,0) deutlich verschlechtert.
Nur noch jedes 7. Unternehmen (15,1 Prozent) bewertet seine aktuelle Geschäftslage als gut. Seit Beginn dieser Umfrage vor über 20 Jahren gab es nur in den Jahren der Weltfinanzkrise 2009 und auf dem Höhepunkt der Pandemie 2020 noch weniger Optimismus. 27 Prozent sprechen von einer schlechten wirtschaftlichen Situation, drei Prozentpunkte mehr als bei noch im Herbst.
Nur noch jedes 7. Unternehmen (15,1 Prozent) bewertet seine aktuelle Geschäftslage als gut. Seit Beginn dieser Umfrage vor über 20 Jahren gab es nur in den Jahren der Weltfinanzkrise 2009 und auf dem Höhepunkt der Pandemie 2020 noch weniger Optimismus. 27 Prozent sprechen von einer schlechten wirtschaftlichen Situation, drei Prozentpunkte mehr als bei noch im Herbst.
Skeptischer Blick in die Zukunft
Die Zukunftserwartungen der Unternehmen sprechen gegen eine kurzfristige Besserung. Der Saldo der Zukunftserwartungen hat sich nach einer leichten Verbesserung im Sommer wieder um 3,1 Punkte verschlechtert und liegt nun bei
-13,2. 17,9 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage, während 31,1 Prozent von einer weiteren Verschlechterung ausgehen. Winziger Lichtblick: die 17,9 Prozent der Optimisten sind der zweithöchste Wert der vergangenen vier Jahre.
Der IHK-Klimaindikator, der Lageeinschätzung und Erwartungen zusammenführt, liegt aktuell bei 87,5 Punkten. Gegenüber der jüngsten Umfrage entspricht dies einem erneuten Rückgang, diesmal um 4,9 Punkte. Damit sinkt der Indikator noch tiefer unter die 100 Punkte, die für eine ausgeglichene wirtschaftliche Stimmung stehen.
Handel: Geschäftslage- und Erwartungssaldo rutschen massiv ab
Ein Blick auf die einzelnen Branchen zeigt ein schwaches, aber differenziertes Bild. Besonders negativ entwickelt sich der Handel. Viele Unternehmer sind enttäuscht von der Sparsamkeit ihrer Kunden im für den Einzelhandel entscheidenden Weihnachtsgeschäft. Der aktuelle Geschäftslagesaldo liegt hier bei -27,1 und damit fast 20 Punkte unter dem Wert der Herbstumfrage (-7,6). Schlechter war die Lage nur auf dem Höhepunkt der Pandemie und in der Wirtschaftskrise 2002/2003. Noch gravierender ist die Entwicklung bei den Erwartungen: Der Erwartungssaldo ist auf -37,5 gefallen und hat sich damit mehr als halbiert (Herbst 2025 -15,3).
Besser dagegen die Industrie: trotz massiven Stellenabbaus zweitstärkster Wirtschaftszweig in Hanau und dem MKK , sendet erstmals seit längerer Zeit vorsichtig positive Signale. Zwar liegt der Geschäftslagesaldo weiterhin im negativen Bereich, er verbesserte sich jedoch spürbar von -27,7 auf -19,2. Die Zukunftsaussichten haben sich aufgehellt: Der Erwartungssaldo stieg von -5,5 auf 3,9 und ist damit seit fast zwei Jahren erstmals wieder positiv.
Industrie weiterhin strukturell unter Druck
Trotz dieser Verbesserungen bei Lage und Erwartungen hat die Wirtschaftskrise weiter Arbeitsplätze gekostet. Nach den aktuellen Zahlen vom Juni 2025 sinkt die Zahl der Industriearbeitsplätze in Hanau und dem MKK um rund 15 Prozent unter den Höchststand des Jahres 2018 auf nur noch 29.000 und damit mittlerweile 9.000 weniger als im öffentlichen Dienst, der – überwiegend aus der Steuerlast der Unternehmen und Beschäftigten finanzier – die Branche mit den meisten Beschäftigten ist.
„Dabei sind zahlreiche Fälle von Abfindungen und verlängerten Beschäftigungsverhältnissen – insbesondere in der Chemieindustrie – noch nicht vollständig abgebildet. In vielen Fällen bestehen die Arbeitsverhältnisse formal noch über mehrere Jahre fort, bevor die Arbeitsplätze offiziell wegfallen“, fügt Hauptgeschäftsführer Gunther Quidde hinzu.
Beschäftigungsabbau greift auf weitere Branchen über
Der Rückgang der Beschäftigung beschränkt sich nicht auf die Industrie. In der aktuellen Konjunkturumfrage geben fast 30 Prozent der Unternehmen an, eher Personal abbauen als neue Mitarbeiter einstellen zu wollen. Der Beschäftigungssaldo liegt bei -19,9, das ist der schlechteste Wert seit Beginn dieser Umfrage vor über 20 Jahren.
Auch deshalb waren im Januar 2026 im MKK 15.522 Personen arbeitslos gemeldet - 1.253 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr (Arbeitslosenquote: 6,5 Prozent). Gleichzeitig sank die Zahl der gemeldeten offenen Stellen auf 2.246. In Hanau waren im Januar 2026 5.396 Personen arbeitslos gemeldet, was einem Anstieg von 106 Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr entspricht (Arbeitslosenquote: 9,6 Prozent).
Anhaltende Investitionszurückhaltung
Die Investitionsneigung der Unternehmen bleibt sehr schwach. Der Saldo aus geplanten Mehr- und Minderinvestitionen beträgt -13,3 und ist seit elf Umfragen, also seit drei Jahren durchgängig negativ – so lange wie nie in diesem Jahrhundert und nach anderen Umfragen so lange wie nie seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland.
Glauben die Unternehmen nicht an einen Aufschwung, investieren sie nicht: Ihre Investitionen sind in Deutschland so niedrig wie seit fast zehn Jahren nicht mehr (s. Graphik). Diese geringe Investitionstätigkeit hemmt nicht nur die Modernisierung und Produktivitätssteigerung, sondern wirkt sich langfristig auch auf die Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in der Region aus.
Vor dem Hintergrund der im März anstehenden Kommunalwahlen gewinnt diese Entwicklung zusätzliche Bedeutung. Unternehmen erwarten auch auf kommunaler Ebene verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Entscheidungen zu Genehmigungsverfahren, Energieversorgung und kommunalen Abgaben beeinflussen die Investitionsbereitschaft der Betriebe unmittelbar. Bleiben hier spürbare Verbesserungen aus, drohen weitere Investitionsverschiebungen oder -streichungen mit entsprechenden Folgen für Beschäftigung und regionale Wertschöpfung.
Politische Rahmenbedingungen als zentrales Risiko
Wesentliche Ursache der ausbleibenden Investitionen sind die aus Sicht der Unternehmen schlechten Bedingungen des Standort Deutschlands. 68,2 Prozent halten diese für die größte Belastung (s. Graphik). Kritisiert werden insbesondere eine als unzuverlässig empfundene Politik, überbordende Bürokratie, die angespannte geopolitische Lage sowie hohe Abgabenbelastungen.
Ein Unternehmer fasst die Stimmung zusammen:
„Weiterhin ist keine Veränderung durch die neue Regierung spürbar. Es werden keine Anreize oder Impulse gesetzt, um die Wirtschaft nachhaltig zu beleben und zu fördern. Die Deindustrialisierung wird sehenden Auges vorangetrieben, ohne dem weiteren Personalabbau wirksam entgegenzuwirken.“
Nach den politischen Rahmenbedingungen werden die Arbeitskosten von 61,6 Prozent der Unternehmen als zweitgrößtes Risiko genannt. Es folgen die Inlandsnachfrage (58,9 Prozent), die Energie- und Rohstoffpreise (49,7 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (47,7 Prozent).
Gerade vor den Kommunalwahlen im März wird deutlich, dass die regionale Wirtschaft nicht nur Erwartungen an Bundes- und Landespolitik richtet. Auch die Kommunalpolitik steht in der Verantwortung, durch verlässliche Entscheidungen, effiziente und wirtschaftsorientierte Verwaltung zur Stabilisierung des Standorts beizutragen.
Ausblick: Wahlergebnis entscheidet über wirtschaftliche Zukunft
IHK-Hauptgeschäftsführer Gunther Quidde zieht ein ernüchterndes Fazit:
„Die Wirtschaft hofft fast schon verzweifelt auf eine Verbesserung der Standortbedingungen, insbesondere einen konsequenten Bürokratieabbau und sinkende Standortkosten. Auch wenn unsere IHK gut mit Hessens Entbürokratisierungsminister Pentz zusammenarbeitet: ob es das erste hessische Bürokratieabbaugesetz oder die ernsthaften Bemühungen von Bundesminister Wildberger sind – das bisherige Tempo und Ausmaß der Versuche, die Standortbedingungen zu verbessern, reichen bei weitem nicht aus, den Verlust weiterer Arbeitsplätze in der Wirtschaft zu verhindern. Schulden zu machen und als „Sondervermögen“ zu tarnen, fällt der Bundespolitik leichter als den Standort voranzubringen. Die Unternehmen brauchen endlich ein Signal, dass jeder, wirklich jeder Politiker und Beamte daran mitwirkt, Stimmung und Standortbedingungen zu verbessern. Leider zeigen unausgegorene Vorschläge zur Erbschaftsteuer und die Verleumdung der Deutschlands Wohlstand sichernden Unternehmerinnen und Unternehmer als ‘Gegner‘ in die völlig falsche Richtung und konjunkturell weiter nach unten.“
Wesentliche Ursache der ausbleibenden Investitionen sind die aus Sicht der Unternehmen schlechten Bedingungen des Standort Deutschlands. 68,2 Prozent halten diese für die größte Belastung (s. Graphik). Kritisiert werden insbesondere eine als unzuverlässig empfundene Politik, überbordende Bürokratie, die angespannte geopolitische Lage sowie hohe Abgabenbelastungen.
Ein Unternehmer fasst die Stimmung zusammen:
„Weiterhin ist keine Veränderung durch die neue Regierung spürbar. Es werden keine Anreize oder Impulse gesetzt, um die Wirtschaft nachhaltig zu beleben und zu fördern. Die Deindustrialisierung wird sehenden Auges vorangetrieben, ohne dem weiteren Personalabbau wirksam entgegenzuwirken.“
Nach den politischen Rahmenbedingungen werden die Arbeitskosten von 61,6 Prozent der Unternehmen als zweitgrößtes Risiko genannt. Es folgen die Inlandsnachfrage (58,9 Prozent), die Energie- und Rohstoffpreise (49,7 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (47,7 Prozent).
Gerade vor den Kommunalwahlen im März wird deutlich, dass die regionale Wirtschaft nicht nur Erwartungen an Bundes- und Landespolitik richtet. Auch die Kommunalpolitik steht in der Verantwortung, durch verlässliche Entscheidungen, effiziente und wirtschaftsorientierte Verwaltung zur Stabilisierung des Standorts beizutragen.
Ausblick: Wahlergebnis entscheidet über wirtschaftliche Zukunft
IHK-Hauptgeschäftsführer Gunther Quidde zieht ein ernüchterndes Fazit:
„Die Wirtschaft hofft fast schon verzweifelt auf eine Verbesserung der Standortbedingungen, insbesondere einen konsequenten Bürokratieabbau und sinkende Standortkosten. Auch wenn unsere IHK gut mit Hessens Entbürokratisierungsminister Pentz zusammenarbeitet: ob es das erste hessische Bürokratieabbaugesetz oder die ernsthaften Bemühungen von Bundesminister Wildberger sind – das bisherige Tempo und Ausmaß der Versuche, die Standortbedingungen zu verbessern, reichen bei weitem nicht aus, den Verlust weiterer Arbeitsplätze in der Wirtschaft zu verhindern. Schulden zu machen und als „Sondervermögen“ zu tarnen, fällt der Bundespolitik leichter als den Standort voranzubringen. Die Unternehmen brauchen endlich ein Signal, dass jeder, wirklich jeder Politiker und Beamte daran mitwirkt, Stimmung und Standortbedingungen zu verbessern. Leider zeigen unausgegorene Vorschläge zur Erbschaftsteuer und die Verleumdung der Deutschlands Wohlstand sichernden Unternehmerinnen und Unternehmer als ‘Gegner‘ in die völlig falsche Richtung und konjunkturell weiter nach unten.“
