Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung (TDG)

Die TDG (Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung) ist ein regionales Innovationsökosystem für digitalisierte Gesundheitsversorgung mit den Schwerpunkten pflegerische Versorgung und Autonomieerhalt im Alter. Durch das Bündnis werden neue Konzepte und Lösungen für die Zukunft der Gesundheit und Pflege mit Hilfe des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und neue Netzwerke geknüpft. 
Das TDG, gefördert im Rahmen des BMBF-Förderprogramms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“, hat zum Ziel, im Bündnis aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft die Innovationskraft unserer Region zu stärken. Der Innovationsprozess ist ein offener co-kreativer Prozess, der durch die Beteiligung von verschieden regionalen und überregionalen Bündnispartnern aus Pflegebedürftigen, deren Angehörigen, professionell Pflegenden, Medizinern aber auch Unternehmen der IT/IKT, Gesundheitswirtschaft und Kreativwirtschaft sowie Forschung und Entwicklung (hochschulisch/außerhochschulisch) getragen wird.
Durch die konzeptionelle Einbindung von Industrie, Wissenschaft, Gesundheitswirtschaft und Gesellschaft soll eine hohe Marktakzeptanz (Fit-to-Market) erreicht und das Risiko von Fehlentwicklungen minimiert werden. Der Prozess erstreckt sich vom begleiteten Identifizieren von Bedarfen und Bedürfnissen in der Gesundheitsversorgung mit dem Fokus auf Pflege und Digitalisierung.

Region

Die TDG-Region ist das südliche Sachsen-Anhalt und die angrenzenden Bundesländer Sachsen und Thüringen. Hier sind die Menschen im Schnitt deutlich älter als in anderen Teilen Europas. Die Herausforderungen, die Menschen in der Pflege und im hohen Alter haben, sind hier heute schon Realität. Mit der TDG sollen diese Herausforderung aktiv angegangen werden. Mit innovativen Ideen soll die Pflege in der Region erleichtert werden. Es sollen Pilotprojekte initiiert werden, von denen Menschen auch in anderen Ländern lernen und profitieren können.

Wachsender Bedarf in der Gesundheitsversorgung

Während die demografische Entwicklung in der gesamten Bundesrepublik zu einer Zunahme der Pflegebedürftigkeit führt, sind einige Regionen schon heute stärker davon betroffen als andere. Im europaweiten Vergleich ist die Situation im Land Sachsen-Anhalt besonders weit vorangeschritten. Hier machen die über 65-Jährigen bereits einen Bevölkerungsanteil von 25 Prozent aus, der bis zum Jahr 2030 auf mehr als 30 Prozent ansteigen wird.
Das Durchschnittsalter sowie der Anteil der über 65-Jährigen rangieren in der Region weit über den gesamtdeutschen Mittelwerten. In der Stadt Halle (saale), dem bevölkerungsreichsten Gebiet der TDG, übersteigt zudem der Anteil der Alleinlebenden unter den über 65-Jährigen deutlich den Bundesdurchschnitt. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Sachsen-Anhalt und Thüringen liegt seit Jahren erheblich über dem Bundesdurchschnitt und steigt auch stärker. Dies spiegelt sich schließlich in einer überdurchschnittlich hohen Pflegequote wider.
Damit ist die TDG eine ideale Modellregion zur Entwicklung und Erprobung innovativer Konzepte und neuer Lösungsansätze, die ihrerseits ein entsprechendes Übertragbarkeitspotenzial auf andere Regionen bieten.

Partner

Das TDG-Bündnis vereint im Kern Experten der Gesundheitsfachberufe, pflegende Angehörige und Betroffene mit Informatikern, Designern und Innovationsmanagern. Komplementär dazu engagieren sich eine Vielzahl von Akteuren aus weiteren Bereichen und Branchen der Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels verbindet alle Akteure der Wille die Zukunft der Gesundheitsversorgung aktiv mitzugestalten. Die Umsetzung dessen erfolgt anhand eines umfassenden Innovationsprozesses. Der Prozess reicht dabei von der Problemstellung über die Lösungsidee bis zum Pilottest und darüber hinaus zur Entwicklung angepasster Geschäftsmodelle sowie Gründungen in der TDG-Region. Das TDG-Bündnis ermöglicht es, die verschiedenen Akteure als „Gestaltende“ von innovativen Lösungen in der Pflegeversorgung zu bündeln und somit zur Potenzialentfaltung beizutragen. Als Bündnispartner besteht somit die Möglichkeit, sich jederzeit aktiv einzubringen. Sowohl Institutionen als auch Einzelpersonen innerhalb und außerhalb der TDG-Region können Bündnispartner werden.

INNOVATION LAB

Zur Stärkung des regionalen Innovationsökosystems baut die TDG, gefördert durch den BMBF, für alle TDG-Bündnismitglieder ein Innovationslabor auf. Es wird damit die Möglichkeit geschaffen, aktuelle Technologien auszuprobieren und für den eigenen Anwendungsfall weiterzuentwickeln.
Durch die enge Bindung an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg kann die TDG darüber hinaus auf eine vorhandene Infrastruktur des Erxleben Digital HealthCare Hub verweisen. Der HUB bündelt in verschiedenen Labstrukturen neueste, innovative Technologien. Das Innovation Lab für digital unterstützte Gesundheitsversorgung bietet eine realitätsnahe Simulationsumgebung, bestehend aus Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer und Bad, in der zukunftsweisende digitale und assistive Technologien erprobt, Bedarfe reflektiert und lösungsorientierte Innovationsprozesse umgesetzt werden können. Im Future Care Lab ist eine Umgebung geschaffen worden, in dem zukünftige technologiebasierte Produkte und Assistenztechniken für den Gesundheitsmarkt in praxisnahen Szenarien und Weiterbildungsangeboten erlebbar gemacht werden. Es befinden sich neben diversen niederschwelligen Technologien, auch Assistenz- und Emotionsrobotik (Pepper, Paro, Pleo, Tiago), VR-Technologien und Telepräsenzrobotik. Komplettiert wird der Hub durch das Scidea Lab „Virtuelle Medizin“. Ausgestattet mit u.a. Augmented- und Virtual-Reality-Technologien, sowie einem Motion-Capturing-System, kann man Simulationsumgebungen erschaffen, die eine Erprobung von innovativen Konzepten und Lösungen im Gesundheitssektor ermöglichen.

Themenschwerpunkte

  • Digitale wohnortnahe Versorgungskonzepte
Das sind IT-gestützte, digitale Versorgungskonzepte im direkten Wohnumfeld, die dazu beitragen, dass pflegebedürftige Menschen länger selbst bestimmt in ihrem vertrauten Wohnumfeld leben können. Dazu zählen Lösungen die durch digitales vernetzen verschiedenster Akteure die Pflege zu Hause unterstützen.
  • Digitalisierte Wohnformen bei Pflegebedürftigkeit
Darunter sind moderne, digitale Anwendungen und assistive Systeme im Wohnraum zu verstehen, die dazu führen, dass pflegebedürftige Menschen länger in ihrem Zuhause leben und am Alltag teilhaben können. 
  • Digitale Angebote für Pflegende
Dieses Innovationsfeld fasst digitale Qualifizierungsangebote für Pflegefachkräfte und pflegende Angehörige zusammen. Es handelt sich um digitale Bildungskonzepte, die für den Umgang mit digitalen Anwendungen und assistiven Systemen sensibilisieren und qualifizieren.  

Meilenstein für Strukturwandel: TDG-Bündnis unter Leitung der Universitätsmedizin Halle wird mit sieben Millionen Euro weitergefördert 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bestätigt die „Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung (TDG)“ als Zentrum für digitale Pflegeinnovation und fördert das Bündnis unter Leitung der Universitätsmedizin Halle mit weiteren sieben Millionen Euro bis 2025. Genutzt werden soll das Geld zur Umsetzung von etwa zehn bis zwölf zusätzlichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten, die die gesundheitliche und pflegerische Versorgungssituation in Deutschland mittels digitaler Lösungen verbessern. Das Besondere dabei: Eingereicht werden können Projekte unter anderem von Vereinen und Verbänden, Firmen, Krankenkassen oder anderen Hochschulen, das heißt aus Wirtschaft und Gesellschaft. Koordiniert werden die Projekte von der Universitätsmedizin Halle. Insgesamt werden bis Ende 2025 auch mit Beteiligung der Unternehmen rund 25 Millionen Euro für innovative Forschungsvorhaben – vor allem im südlichen Sachsen-Anhalt - investiert.
„Die Entscheidung des BMBF zeigt, dass die Universitätsmedizin Halle mit der TDG bereits in der ersten Umsetzungsphase überzeugen konnte. Die Weiterförderung bestätigt den erfolgreichen Kurs der Medizinischen Fakultät Halle, im Themenfeld der digitalisierten Gesundheitsversorgung mit wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Innovationen den Strukturwandel in der Region aktiv zu gestalten“, sagt Prof. Dr. Michael Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät Halle.
Das Bündnismanagement unter Leitung von Dr. Karsten Schwarz von der Universitätsmedizin Halle hat in den vergangenen zwei Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft entwickelt, die alle Teilschritte von der kreativen Idee bis zur Verhandlung mit Krankenkassen hinsichtlich der Finanzierung einer Innovation in der Anwendung abdeckt. „Das hat die Gutachterinnen und Gutachter überzeugt. Die positive Evaluation seitens des BMBF und der zusätzliche finanzielle Spielraum machen unser Bündnis der Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung mit mehr als 100 regionalen Forschungs- und Entwicklungspartnern zum bundesweiten Anführer im Bereich Pflegeinnovationen“, sagt Pflegeforscher und TDG-Projektleiter Prof. Dr. Patrick Jahn von der Universitätsmedizin Halle nicht ohne Stolz. Die Vision der TDG sei es, eine Region, die durch die demografische Entwicklung besonders herausgefordert sei, zum Innovationsmotor für eine digitalisierte Gesundheitsversorgung– vor allem im Bereich der pflegerischen Versorgung – in Deutschland zu machen.
Schwerpunktmäßig sind in den vergangenen zwei Jahren 21 praxisorientierte Forschungs- und Entwicklungsvorhaben angestoßen worden, an denen 41 Partnerinnen und Partner aus Wirtschaft, Wissen und Gesellschaft in enger Zusammenarbeit beteiligt sind. Ziel ist es, dass diese Vorhaben zu neuen Produkten und Dienstleistungen führen, die die Versorgungs- und Lebenssituation beispielsweise von älteren oder beeinträchtigten Menschen verbessern, so dass diese möglichst lange möglichst autonom in ihrem gewohnten Umfeld leben können. So wurden zum Beispiel Projekte zur Medikamentenlieferung per Drohne (Projekt „ADApp“), eine digitale Lösung zur Atemtherapie nach überstandener COVID-19-Erkrankung (Projekt „DigiVID19“), für virtuelle Lehr- und Lernszenarien in der Pflegeausbildung (Projekt „DigiCare“) oder zur Überleitung ins eigene Wohnumfeld im Rahmen einer Rehabilitation mithilfe einer virtuellen Begehung der Wohnung (Projekt „RehaTransHome“) umgesetzt.
Insgesamt 12,6 Millionen Euro sind über die TDG in die Projekte geflossen, davon waren gut acht Millionen Euro Fördermittel der TDG. Die Projektverantwortlichen der TDG begleiten eng durch die Förderlandschaft, das spiegelt sich darin wieder, dass 83 Prozent der Mitwirkenden Erstantragsteller in Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sind und des Weiteren rund 78 Prozent Start-Up-Beteiligung zu verzeichnen ist. Wichtige Kriterien für die Auswahl der Projekte sind, dass diese gute Erfolgsaussichten für eine praktische Umsetzung haben und konkrete gesellschaftliche Probleme in der Versorgungslandschaft angehen. Welche Projekte zur Umsetzung empfohlen werden, entscheidet ein unabhängiger Beirat. „Ich engagiere mich für die TDG, weil Digitalisierung im Gesundheits- und Sozialwesen in Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird. Und dabei geht es nicht mehr um das ‚Ob‘, sondern um das ‚Wie‘. Die TDG bietet tolle Chancen, Digitalisierung im Interesse der Menschen in dieser Region zu gestalten und dafür, dass die Innovationen in der Praxis echte Probleme lösen“, sagt Sarah Theune, Beiratsvorsitzende der TDG und Vorständin des Verbandes für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft.
Das Bündnis „Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung“ war im April 2019 im Rahmen der Pilotrunde des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierten Programmes „WIR! - Wandel durch Innovationen in der Region“ für die Umsetzung aus etwa 100 Bewerbungen ausgewählt worden.