IHK-Jahresbericht 2025
Nr. 6792126
7 min Lesezeit
Zwei Frauen mit Bauhelmen stehen im Werk SKW Piesteritz und sprechen miteinander

Wettbewerbsfähigkeit stärken: Energie und Klima

Deutschlands energie- und klimapolitischer Sonderweg ist gekennzeichnet von einer Verknappung des Energieangebots, einer hohen Abgabenlast sowie einer belastenden Regulierungsdichte. Im Zuge dessen sind die Energiekosten erheblich gestiegen, was insbesondere die energieintensiven Unternehmen am Standort belastet. Um wieder international konkurrenzfähig zu sein, bedarf es kurzfristig einer Senkung der staatlichen Abgabenanteile an den Energiekosten und mittel- bis langfristig eines substanziellen Ausbaus des Energieangebots, und zwar bedarfsorientiert und technologieoffen.

Handeln angemahnt: Energiewendebarometer 2025 legt Finger in die Wunde

Viele Unternehmer aus dem IHK-Bezirk Halle-Dessau beteiligten sich am diesjährigen DIHK-Energiewendebarometer. Die am 29. Juli 2025 veröffentlichten Ergebnisse legen erneut den Finger in die Wunde. Zu viel Bürokratie, fehlende Planbarkeit in der Energiepolitik, zu hohe Energiekosten bleiben ein Produktions- und Investitionshemmnis. Das setzt die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der Industrie aufs Spiel.
Inzwischen denkt mehr als die Hälfte der Industrieunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten über das Einschränken oder Verlagern ihrer Produktion nach. Die DIHK richtet an die Adresse der Politik acht Handlungsvorschläge für schnelle Verbesserungswege. Sie gehen konform mit den klimapolitischen Grundsatzpositionen der IHK Halle-Dessau. Zum kompletten DIHK-Energiewendebarometer

Schwerpunkt: Unternehmerisches Handeln und klimapolitische Verantwortung sind nicht mehr voneinander zu trennen

In der Debatte um das Wiedererlangen von Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft kommen “Energie und Klima” eine Schlüsselstellung zu.
Ausgehend von IHK-Positionen, insbesondere den Klimapolitische Grundsatzpositionen (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 1004 KB) und damit korrespondierenden Forderungen zur Bundestagswahl 2025, beleuchtete der Schwerpunkt der “Mitteldeutschen Wirtschaft” in der Juli-August-Ausgabe, welche Akzente im neuen Koalitionsvertrag dazu gesetzt werden, mit welchen Entwicklungen in den nächsten Monaten zu rechnen ist und was das für Unternehmen im südlichen Sachsen-Anhalt bedeutet.
Das Entstehen der klimapolitischen Grundsatzpositionen wurde dabei stark getrieben von den Unternehmern im Kammerbezirk.
Thies Schröder, Geschäftsführer der Ferropolis Stiftung Industriekultur gGmbH und Vizepräsident der IHK Halle-Dessau war einer von ihnen.
Im Interview erklärte er auf die Frage, was Auslöser für die klimapolitische Positionierung war:
Unternehmerisches Handeln und klimapolitische Verantwortung sind nicht mehr voneinander zu trennen. Deshalb ist heute praktisch jedes Unternehmen von der Transformation betroffen, unabhängig von Branche und Größe. Die Fragen danach, wie Veränderung gelingt, wo Investitionen sinnvoll und erfolgversprechend sind, werden alltäglich. Vor diesem Hintergrund war es nötig, sich zu all dem konzentriert zu verständigen, Erfahrungen auszutauschen und sie übereinander zu legen, um gemeinsam über mehr gute Lösungsideen zu verfügen – für viele nutzbar. Als IHK im mitteldeutschen Revier war es zudem wichtig, die Interessen der Wirtschaft in der öffentlichen Debatte zum Strukturwandel zu bündeln.
Weitere Fragen und Antworten finden Sie im Interview mit Thies Schröder.

Gelingt der Turnaround? Woran der Wandel krankt

Deutschland will auch in der Transformation Industrieland bleiben. Der Denkansatz dabei entspricht dem Prinzip der Nachhaltigkeit: Klimaschutz, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und soziale Ausgewogenheit sollen gemeinsam in Balance gebracht werden.
Ob und wie können Traditionsunternehmen im Süden Sachsen-Anhalts diesen Ansatz in ihrem Veränderungsprozess umsetzen? Was behindert sie?
Der Standort steht unter wachsendem Druck: Energiekosten, Bürokratie, Regulatorik und globaler Wettbewerb vernichten Arbeitsplätze und gefährden weitere. Allein in den letzten zwölf Monaten verlor die Industrie über 108.000 Arbeitsplätze.
Besonders betroffen sich neben der Automobilindustrie Maschinenbau, Textilien und Metall, am stärksten kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten. Setzt sich dieser Trend fort, hätte das erhebliche Folgen für die Regionalentwicklung. Mit ihrem Sofortprogramm will die Bundesregierung jetzt gegensteuern.
Viele Unternehmer bleiben skeptisch. Laut aktuellem Transformationsbarometer des ostdeutschen Wirtschaftsforums glauben allerdings 58 Prozent nicht, dass es der neuen Bunderegierung gelingen wird, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um Wachstumsimpulse für die deutsche Wirtschaft zu nutzen. Nur 38 Prozent sind optimistisch.
  • Als größter Ammoniak- und Harnstoffproduzent Deutschlands ist das Unternehmen auch der größte industrielle Gasverbraucher im Land. “Die inländische Produktion war immer schon teurer als die vieler internationaler Wettbewerber”, sagte Geschäftsführerin Antje Bittner. Dem trete man mit innovativen Produkten ebenso entgegen wie konsequentem Umbau in Richtung Nachhaltigkeit. So sei es im Vergleich zu 1990 beispielsweise gelungen, den CO2-Fußabdruck um die Hälfte zu mindern.
    Momentan leidet das Unternehmen vor allem unter den hohen Energiekosten. Dazu gehört nicht nur ein Gaspreis, der aktuell immer noch 150 Prozent höher als in Vor-Energiekrise-Jahren ist, so Bittner, sondern vor allem die zusätzliche Gasspeicherumlage. Für sie musste das Unternehmen bisher 40 Millionen Euro zusätzlich aufwenden. Eine Summe, die inzwischen jede Luft zum Investieren nimmt. Nach der Sommerpause soll das Thema ins Bundeskabinett. Nicht nur Antje Bittner hofft, dass die Gasspeicherumlage dann endlich abgeschafft wird.
  • Die weltweite Nachfrage nach Montan- und Spezialwachsen steigt, die Qualität der ROMONTA-Produkte wird überall geschätzt. Das macht sie auch im harten internationalen Wettbewerb weniger austauschbar. Hinzu kommt, das Unternehmen investiert in die Verbesserung der Produkteigenschaften von Wachsen aus nachwachsenden Rohstoffen und verbessert seit Jahren seinen ökologischen Fußabdruck.
    Trotz allem sagt Geschäftsführer Christian Jäschke: “Wenn wir nicht einen so starken Gesellschafter wie die GETEC-Gruppe hätten, könnten wir die Transformation nicht überleben.”
    Was läuft schief läuft, macht Jäschke an drei Punkten fest: einer unklaren Gesamtstrategie der Politik, die zudem Bestandunternehmen nicht im Blick hat. Außerdem eine zunehmend unkalkulierbare Regulatorik verbunden mit Bürokratie, die wuchert und sich im Alltag zunehmend gegenseitig blockiert.
    In Summe schmälere all das den unternehmerischen Handlungsspielraum und stelle Geschäftsmodelle in Frage, statt Kräfte freizusetzen, die für den Wandel existenziell sind.
Sie möchten noch mehr erfahren? In Ausgabe 4 der MiWi mit dem Schwerpunkt Energie zukunftsfähig machen (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 7264 KB) finden Sie viele weitere spannende Beiträge.

Best Practise: Nachhaltig wachsen

Mit nachhaltigem Wirtschaften wachsen? Die Mitteldeutsche Wirtschaft Ausgabe 4 suchte Beispiele, wie das in und mit der Industrie geht – und fand in Bernburg ein gutes Beispiel dafür: die Befesa Aluminium Germany GmbH.
Wachsen und investieren mitten in der deutschen Stagnation? “Ja”, sagt Manager Dr. Georg Matthies, der das Werk seit zehn Jahren leitet. Die nun geplante Erweiterung der Produktion sei zwar antizyklisch, letztlich aber getrieben vom Markt. Und der frage zunehmend nach Alternativen zu Primäraluminium mit seinen negativen Umweltauswirkungen. Befesa setzt dagegen mit energieeffizienter Wiederverwertung, Rückgewinnung und Verwertung von industriellen Aluminiumabfällen. Alles auf das Ziel ausgerichtet, weltweit führend in der Bewirtschaftung und im Recycling von gefährlichen Rückständen in der Stahl- und Aluminiumindustrie zu sein.
Befesa zeigt, wie erfolgsversprechend nachhaltiges Wirtschaften sein kann, wenn es gelingt, Ökonomie, Ökologie und Soziales miteinander zu verbinden. Voraussichtlich ab Sommer 2026 wird Befesa mit der neuen Produktionshalle die aktuelle Kapazität verdoppeln können. In der strukturschwachen Region sorgt das nach Erweiterung zusätzlich zu den bestehenden 90 Arbeitsplätzen auch noch für 40 neue Arbeitsplätze. Mehr dazu im MiWi-Beitrag Mit nachhaltigem Wirtschaften wachsen? (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 7264 KB).

Sanierung abgeschlossen: Rundum erneuert und barrierefrei

Nach reichlich zwei Jahren Bauzeit wurde die IHK-Hauptgeschäftsstelle in der Halleschen Franckestraße mit dem Preisträgerkonzert Jugend musiziert im Juni 2025 für die Öffentlichkeit wiedereröffnet. Effizienter Energieeinsatz war eines der Anliegen der Sanierung.
Schon Ende 2017 hatte die IHK-Vollversammlung den Beschluss gefasst, das denkmalgeschützte historische Hauptgebäude instand zu setzen und zu modernisieren. Nach umfänglichen Erkundungen von Substanz und Denkmalschutz sowie europaweiter Architektenausschreibung begann das Hallesche Architektenbüro Dietzsch & Weber 2020 mit den Planungen. Nach Vorlage der Baugenehmigung ging es dann im Januar 2023 los.
Mit der jetzt beendeten Modernisierung ist eine moderne und zukunftsfeste Hauptgeschäftsstelle “aus einem Guss” entstanden. Dank vollständiger Barrierefreiheit verbessern sich auch Besucherkontakt und Arbeitsbedingungen, verbunden mit einem effizienten Betrieb und Verlängerung der Nutzungsdauer aller Gebäudeteile.
IHK-Präsident Sascha Gläßer bedankte sich zur Wiedereröffnung bei wichtigen Wegbereitern und handelnden Akteuren. Allen zusammen sei es erfolgreich gelungen, ein anspruchsvolles Modernisierungsvorhaben termingerecht und im Kostenrahmen umzusetzen.