IHK-Jahresbericht 2025
Nr. 6827010
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IHK-Arbeitskreise

Arbeitskreis Bildung: Handlungsbedarf in Schule und Ausbildung realisiert

Nach dem erfolgreich erarbeiteten und bereits im Dezember 2024 beschlossenen Fachkräftepositionspapier durch die IHK-Vollversammlung wurde im Jahr 2025 der leicht rückläufige Ausbildungsmarkt bei gleichzeitigem Anstieg ausländischer Auszubildender zu einem der zentralen Themen im Arbeitskreis Bildung. Eine Umfrage zur Berufs- und Studienorientierung an den Schulen im IHK-Bezirk offenbarte zudem Handlungsbedarf, insbesondere an Gymnasien. Der Arbeitskreis leitete daraus Empfehlungen ab, um sie der Vollversammlung zur Beschlussfassung zu unterbreiten.
Auch die neuen regional umgesetzten Inhalte und Entwicklungen der Azubi-Bundeskampagne “Jetzt #könnenlernen” rückten ins Blickfeld und führten zu einer intensiven Diskussion. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Stärkung der MINT-Bildung: Hierzu wurden Handlungsempfehlungen zur Stärkung der MINT-Bildung erarbeitet und von einem Expertengremium finalisiert.
Unter dem Gesichtspunkt einer Steigerung der Ausbildungsattraktivität nahm der Arbeitskreis Bildung die Ergebnisse des Wettbewerbes Top-Ausbildungsbetrieb in Augenschein. Nicht zuletzt entstanden fruchtbare Debatten zur Einordnung bildungspolitischer Entwicklungen wie zum Digitalpakt 2.0, zur Fachkräfteeinwanderung (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 4667 KB) und Novellierung des Schulgesetzes. Als positiven Anreiz für Aufstiegsfortbildungen bewerteten die Mitglieder die Einführung des neuen Förderinstrumentes Meisterbonus Plus in Sachsen-Anhalt.

Arbeitskreis Innovation und Technologietransfer: Förderung praxisnäher gestaltet, Herausforderungen thematisiert

Der Arbeitskreis Innovation und Technologietransfer widmete sich 2025 dem Wissenstransfer über regionale Innovationsnetzwerke und einer Bewertung der im Rahmen der Strukturwandelförderung unterstützten Initiativen. Dabei standen Projekte im Mittelpunkt, die den Strukturwandel mit konkreten Technologien und Kooperationen voranbringen, wie zum Beispiel KompetenzGrün zur Entwicklung grüner Infrastrukturen, der Fasa e. V. als Förderverein des Maschinenbaus, das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft, das Kohlenstoffnetzwerk Forum Rathenau e. V., das Pflege- und Gesundheitsnetzwerk TPG sowie das 3D-Druck-Netzwerk AddiQ.
Bei einem besonders intensiven Erfahrungsaustausch im Industriepark ValuePark Schkopau diskutierten die Mitglieder des Arbeitskreises insbesondere die Herausforderungen und Chancen der Chemieindustrie. Die Bedeutung regionaler Innovationsnetzwerke für den Strukturwandel trat an dieser Stelle in den Vordergrund. Mit diesem Austausch sowie durch die Vernetzung und Sichtbarmachung innovativer Projekte stärkte der Arbeitskreis die Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft, setzte Impulse für eine praxisnahe Innovationsförderung und brachte Ideen zum Bürokratieabbau ein, die im nächsten Schritt mit dem Wirtschaftsministerium und der Investitionsbank Sachsen-Anhalt besprochen werden sollen.

Arbeitskreis Außenwirtschaft: Bürokratiebelastung für exportierende Unternehmen aufgezeigt

Die zunehmende Verunsicherung exportorientierter Unternehmen durch steigende Berichtspflichten, Sanktionen und geopolitische Risiken führte dazu, dass der Arbeitskreis Außenwirtschaft sich auch 2025 im Schwerpunkt mit Handelshemmnissen auseinandersetzte.
Gleich in der ersten Sitzung ging es gemeinsam mit dem Außenwirtschaftsausschuss der IHK zu Leipzig um Herausforderungen bei der Entsendung von Mitarbeitern. Was in einem gemeinsamen Binnenmarkt unkompliziert sein sollte, entpuppte sich in der Realität zunehmend als enormer bürokratischer Aufwand für die entsendenden Unternehmen. Hinzu kam, dass das ursprünglich als einheitlich geplante neue Meldeportal der EU-Kommission in seiner Umsetzung für die Länder überraschend als freiwillig statt verpflichtend deklariert wurde.
Da dies weiterhin Einzellösungen und damit parallele Portale mit unterschiedlichen Sprachen und Zugangsvoraussetzungen zur Folge haben könnte, erarbeiteten die Arbeitskreise eine gemeinsame Resolution mit dem Titel: “Mitarbeiterentsendung in der EU endlich einheitlich umsetzen!”. In dieser werden unter anderem eine verpflichtende Teilnahme, ein abgespecktes Standardformular und die Integration der A1-Bescheinigung gefordert. Über die DIHK in Brüssel konnte der Lösungsvorschlag erfolgreich in die gemeinsamen wirtschaftspolitischen Positionen der IHK-Organisationen eingehen.

Arbeitskreis Betrieblicher Umweltschutz: Umweltschutzstandards auf Entbürokratisierung geprüft

Im Schwerpunkt mit den Themen Bürokratieabbau und Beschleunigung von Planungs- sowie Genehmigungsverfahren befasste sich der Arbeitskreis Betrieblicher Umweltschutz im Jahr 2025. Dazu gehörten unter anderem zahlreiche Neuerungen im Umweltrecht und ihre Auswirkungen auf die betriebliche Praxis. Die Mitglieder diskutierten insbesondere die zunehmende Regulierungsdichte auf EU-Ebene, etwa durch neue Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, zu entwaldungsfreien Lieferketten oder zur Industrieemissionsrichtlinie. Zudem forderten sie praxistaugliche Lösungen zur erfolgreichen Bewältigung bei der nationalen Umsetzung dieser Vorgaben.
Angesichts wachsender Komplexität wurde außerdem eine Vereinfachung der Nachweis- und Berichtspflichten sowie eine stärker anwendungsorientierte Ausgestaltung der Umweltschutzstandards gefordert. In diesem Zusammenhang betrachtete der Arbeitskreis den fortschreitenden Aufbau der neuen Datenbank des Bundes für Umwelt- und Naturschutzinformationen beim Umweltbundesamt und wies auf die Notwendigkeit einer Einbindung aller verfügbaren Daten sowie eine besonders einfache und nutzerfreundliche Bereitstellung dieser hin.
Die EU-Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie zur Wiederherstellung der Natur und ihre Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt werden den Arbeitskreis auch nach 2025 weiterhin beschäftigen.

Energiepolitischer Arbeitskreis: Technologievielfalt und Kostensenkung gefordert

Der Arbeitskreis Energiepolitik konzentrierte sich 2025 darauf, wie sich energiepolitische Maßnahmen auf die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Betriebe auswirken. Diskutiert wurden die Umsetzungsvorhaben aus dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung sowie energiepolitische Initiativen auf EU-Ebene.
Schwerpunkte bildeten die Entlastung durch Abschaffung der Gasspeicherumlage, Senkung der Netzentgelte und Energiesteuern sowie die langfristige Stärkung von Innovationspotenzialen.
Zudem setzte sich der Arbeitskreis mit den Ergebnissen des Energiewendebarometers – einer DIHK-Studie zur Neuausrichtung der Energiewende – auseinander, die Reformbedarf bei Effizienz und Kostenstrukturen aufzeigte. Aufbauend auf den Ergebnissen erörterte der Arbeitskreis Handlungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Rahmenbedingungen im Dialog mit Politik und Wirtschaft.
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Darüber hinaus beteiligte er sich an der Entstehung des Landespositionspapiers zu den neuen CCU- und CCS-Technologien (siehe auch Jahresthema Infrastruktur), die für zahlreiche Betriebe im Süden Sachsen-Anhalts grundlegende Möglichkeiten zur CO²-Abscheidung und Speicherung schaffen könnten, um die Energiewende erfolgreich zu bewältigen.
Auch bei der Entstehung des klimapolitischen IHK-Positionspapiers konnte sich der Arbeitskreis mit innovativen Ansätzen und entscheidenden neuen Perspektiven maßgeblich einbringen.

Ausschuss für Finanzdienstleistungen: Stabilere Investitionsbedingungen angemahnt

Die Auswertung wirtschaftlicher Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Finanzierung und Absicherung von Unternehmen beschäftigte den Ausschuss für Finanzdienstleistungen 2025 in besonderem Maße. Schwerpunkte der Diskussionen bildeten die anhaltende Wachstumsschwäche der regionalen Wirtschaft, die Situation der Industrie sowie Handlungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Investitionsbedingungen.
Neben der allgemeinen Konjunkturentwicklung, die anhand der quartalsweise stattfindenden Konjunkturanalysen regelmäßig Thema ist, wurde vor allem der Einfluss der Energiewende auf die regionale Industrie bewertet. Im Ergebnis forderte der Ausschuss weitere politische Reformen, damit der Standort nicht noch mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit verliert.
Mit ihrer Einschätzung der regionalen Finanzierungs- und Wirtschaftstrends trugen die Ausschussmitglieder auch zur wirtschaftspolitischen Positionsbildung der IHK Halle-Dessau bei. Darauf aufbauend sollen im kommenden Jahr insbesondere das Investitionsgeschehen in der Region in Bezug auf die Entwicklung der Geld- und Finanzpolitik bei der anstehenden Rekordverschuldung in Deutschland sowie die Entwicklung des Immobilienmarktes im Mittelpunkt der Ausschussarbeit stehen.
Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau
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