Konjunkturklima: Langsame Konsolidierung in Sicht

Auch zu Jahresbeginn 2026 zeichnet sich für die Ostthüringer Wirtschaft keine echte konjunkturelle Trendwende ab. Das Konjunkturklima, gemessen von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostthüringen, verbessert sich zwar zum dritten Mal in Folge – von 89 auf 90 Punkte, bleibt aber weiterhin deutlich unter dem Mittel von 100 Punkten und signalisiert bestenfalls eine Konsolidierung.
„Die Zahlen zeigen eine Stabilisierung – aber auf niedrigem Niveau. Entscheidend ist jetzt, dass Unternehmen wieder Planungssicherheit und Spielräume für Investitionen bekommen. Dafür brauchen wir spürbare Entlastungen bei Kosten, weniger Bürokratie und schnellere Verfahren, damit aus Konsolidierung wieder Wachstum werden kann“, sagt Almut Weinert, Leiterin des Geschäftsbereichs Wirtschaft und Technologie der IHK Ostthüringen zu Gera.
Branchenbild: Industrie hofft, Handel leidet, Dienstleistungen stabilisieren
In der Industrie hellen sich Lage und Erwartungen zwar auf, die Salden bleiben jedoch im negativen Bereich. Viele Betriebe berichten weiterhin von zu geringen Auftragsbeständen. Hohe Arbeits- und Energiekosten sowie unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen prägen den Ausblick. Der Handel bleibt besonders stark unter Druck: Die Kauflaune ist schwach, viele Händler berichten von geringerer Ausgabefreudigkeit der Kunden. Positive Erwartungen sind hier selten. Demgegenüber tragen Dienstleister die regionale Konjunktur – allerdings trübt sich auch dort der Ausblick ein, was sich in zurückhaltenden Investitions- und Beschäftigungsplänen niederschlägt.
Klarer Befund: Standortkosten und Rahmenbedingungen sind die größten Bremsklötze
Die vorliegenden Daten zeigen eindeutig, was die Unternehmen am stärksten belastet: An der Spitze der Risiken stehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (71,0 Prozent), gefolgt von Arbeitskosten (64,4 Prozent) und Inlandsnachfrage (56,5 Prozent). Auch Energiepreise (45,4 Prozent) und Rohstoffpreise (40,1 Prozent) bleiben wesentliche Kostentreiber.
Damit ist die Diagnose aus Sicht der IHK Ostthüringen klar: Nicht ein einzelner Faktor, sondern die Kombination aus Kosten, Nachfrageflaute und Bürokratie verhindert, dass aus vorsichtigen Stimmungsaufhellungen echte Dynamik entsteht.
Wie funktioniert der IHK-Klimakonjunkturindex?
Der IHK-Klimakonjunkturindikator ist ein wichtiger Frühindikator, der die wirtschaftliche Verfassung und die Erwartungen von Unternehmen misst. Damit spiegelt er die Stimmung der Unternehmen wider, bevor sich dies in anderen Kennzahlen wie dem Bruttoinlandsprodukt zeigt. Er basiert auf Umfragen der Industrie- und Handelskammern und setzt sich aus der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sowie den Erwartungen zusammen. Er kann Werte zwischen Null und 200 annehmen. Werte über 100 signalisieren eine positive Entwicklung und Werte unter 100 eine negative Entwicklung. Die IHKs führen Konjunkturumfragen regelmäßig durch. Die Teilnahme ist freiwillig. An dieser Konjunkturumfrage haben sich 329 repräsentativ ausgewählte Ostthüringer IHK-Unternehmen mit insgesamt 12.900 Beschäftigten beteiligt.