Iran-Krieg belastet Ostthüringer Konjunktur

IHK-Konjunkturklimaindikator sinkt auf 84,9 Punkte – Unternehmen blicken deutlich pessimistischer auf die kommenden Monate


Die Folgen des seit Februar andauernden Iran-Krieges haben der regionalen Konjunktur einen Rückschlag versetzt. Lieferkettenstörungen sowie erhebliche Preisanstiege bei Energie und anderen Rohstoffen sorgen bei den Ostthüringer Unternehmen für eine erneute Stimmungseintrübung. Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die Bewertungen der Geschäftslage und die Erwartungen der Unternehmen zusammenführt, sinkt um fünf Punkte auf nun 84,9 Punkte. Die Aussicht auf eine konjunkturelle Erholung rückt damit erneut in weite Ferne.
Diagramme zum IHK-Konjunkturbericht Frühjahr 2026

Erwartungen eingetrübt, Lage stabil

Die aktuelle Geschäftslage zeigt sich im Branchendurchschnitt zwar noch stabil und gegenüber der Vorumfrage nahezu unverändert. 27 Prozent der Ostthüringer Unternehmen melden eine gute Lage, ein Prozentpunkt weniger als zuvor. Weitere 45 Prozent bewerten ihre Geschäftslage als befriedigend beziehungsweise saisonüblich, vier Prozentpunkte mehr als in der Vorumfrage. 28 Prozent der Betriebe berichten von schlechten Geschäften, drei Prozentpunkte weniger als zuvor.
Deutlich eingetrübt haben sich dagegen die Erwartungen. Bereits vor den militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten war der Saldo klar negativ. Nun rechnen 40 Prozent der Firmen mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung, neun Prozentpunkte mehr als zuvor. Nur 13 Prozent der Befragten erwarten eine positive Entwicklung, ein Prozentpunkt weniger als in der Vorumfrage. Eine Rolle spielen dabei auch die schwachen gesamtwirtschaftlichen Perspektiven: Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 jüngst halbiert und rechnet inzwischen nur noch mit einem geringfügigen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent.
„Die aktuelle Lage der Unternehmen ist im Durchschnitt noch stabil, aber die Erwartungen haben sich deutlich verschlechtert. Lieferkettenstörungen, steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie fehlende Planbarkeit belasten die Betriebe erheblich. Unter diesen Bedingungen rückt eine konjunkturelle Erholung in Ostthüringen erneut in weite Ferne“, sagt Almut Weinert, Geschäftsbereichsleiterin Wirtschaft und Technologie der IHK Ostthüringen zu Gera.

Wirtschaftspolitik als größtes Risiko

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten zeigen sich besonders deutlich bei den Geschäftsrisiken. Die Sorge um die Entwicklung der Energiepreise nimmt spürbar zu: Für zwei Drittel der Umfrageteilnehmer sind die Preissprünge ein Risiko, zuvor waren es 45 Prozent. Auch steigende Rohstoffpreise erhöhen den Kostendruck. 54 Prozent der Betriebe sehen darin ein geschäftliches Hemmnis, ein Plus von 14 Prozentpunkten. Das größte Risiko bleiben jedoch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. 72 Prozent der Unternehmen nennen sie als Risiko. Geschäftliche Einschränkungen befürchten die Betriebe zudem mit Blick auf die Entwicklung der Arbeitskosten (58 Prozent) und der Inlandsnachfrage (54 Prozent).
Die fehlende Wachstumsperspektive, der hohe Kostendruck und die mangelnde Planbarkeit schlagen sich auch in den Investitionsplänen nieder. Der ohnehin geringe Anteil der Unternehmen mit steigenden oder konstanten Investitionsausgaben geht im Frühjahr erneut zurück: 47 Prozent planen steigende oder gleichbleibende Investitionen, nach 50 Prozent in der Vorumfrage. Gleichzeitig wollen 53 Prozent der Firmen in den kommenden zwölf Monaten weniger oder überhaupt nicht investieren, drei Prozentpunkte mehr als zuvor.

Wie funktioniert der IHK-Konjunkturklimaindikator?

Der IHK-Konjunkturklimaindikator ist ein wichtiger Frühindikator, der die wirtschaftliche Verfassung und die Erwartungen von Unternehmen misst. Damit spiegelt er die Stimmung der Unternehmen wider, bevor sich dies in anderen Kennzahlen wie dem Bruttoinlandsprodukt zeigt. Er basiert auf Umfragen der Industrie- und Handelskammern und setzt sich aus der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sowie den Erwartungen zusammen. Er kann Werte zwischen Null und 200 annehmen. Werte über 100 signalisieren eine positive Entwicklung und Werte unter 100 eine negative Entwicklung. Die IHKs führen Konjunkturumfragen regelmäßig durch. Die Teilnahme ist freiwillig. An dieser Konjunkturumfrage haben sich 335 repräsentativ ausgewählte Ostthüringer IHK-Unternehmen mit insgesamt 13.600 Beschäftigten beteiligt.
Den vollständigen Konjunkturbericht finden Sie unter www.gera.ihk.de/konjunktur