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„Ich hatte immer das Ziel, Arbeit zu finden.“
Svitlana Rybalka floh aus Charkiw nach Altenburg. Heute arbeitet die gelernte Buchhalterin bei der Wohnungsverwaltung Schmölln – dank Qualifizierung, Einsatz und Unterstützung im Betrieb. Jetzt hofft sie auf eine permanente Zukunft in Deutschland.
Svitlana Rybalka sitzt konzentriert an ihrem Arbeitsplatz in der Wohnungsverwaltung Schmölln GmbH. Die 39-jährige Ukrainerin ist gelernte Buchhalterin. Als 2022 der Krieg in ihrer ostukrainischen Heimat Charkiw ausbricht, flüchtet Svitlana Rybalka mit ihrem Mann und den zwei Kindern nach Altenburg. Für die Familie beginnt das Leben in einem neuen Land, dessen Sprache für sie noch vollkommen fremd ist. Und trotzdem habe Rybalka schnell gemerkt, dass Deutschland ein „Land der Möglichkeiten“ sei, wie sie selbst sagt. Jetzt, rund vier Jahre später, hat sie einen Job in der Schmöllner Wohnungsverwaltung.
Bereitschaft und Engagement
Svitlana Rybalka und Kristian Blum sprechen über die Wohnmarktsituation in Schmölln.
Das kommunale Wohnungsunternehmen aus der Knopfstadt im Altenburger Land hat Anfang 2025 eine neue Buchhalterin gesucht. Wie für so viele Firmen sei die Fachkräftegewinnung dabei eine Herausforderung gewesen, erklärt Geschäftsführer Kristian Blum: „Der demografische Wandel geht auch an uns in der Wohnungsbranche nicht vorbei. Deshalb war für uns schnell klar, dass wir auch in der Gruppe der Geflüchteten nach geeigneten Kandidaten suchen werden.“ Über einen Kontakt zur Agentur für Arbeit habe die Wohnungsverwaltung schließlich drei passende Kandidatinnen finden können, die sich auf die Stelle beworben haben. Eine davon war Svitlana Rybalka: „Ich hatte immer das Ziel, Arbeit zu finden. Als meine Vermittlerin beim Jobcenter mich auf die Stelle aufmerksam gemacht hat, habe ich mich sofort beworben.“
Und Svitlana Rybalka konnte überzeugen. „Frau Rybalka hatte bereits gute Deutschkenntnisse, brachte die fachliche Eignung mit und war motiviert. Wir haben im Bewerbungsgespräch gleich gemerkt, dass das passen könnte“, sagt Kristian Blum. In einem zweiwöchigen Praktikum habe sich der Eindruck aus dem Bewerbungsprozess bestätigt, so der Geschäftsführer weiter. „Frau Rybalka hat wirklich Einsatz gezeigt und sich auch durch die zähen Aufgaben der deutschen Buchhaltung, wie zum Beispiel die Müllgebühren, durchgekämpft.“ Es folgte ein beruflicher Qualifizierungsplan für Sprache und Wohnungswirtschaft inklusive Einarbeitung beim zukünftigen Arbeitgeber. Die Lehrgänge hat die Ukrainerin dann mit einer „sehr guten“ Abschlussnote beendet.
Ich wusste, dass ich viel lernen und mich anstrengen muss. Ich bin froh, dass alles gut geklappt hat.Svitlana Rybalka, Buchhalterin Wohnungsverwaltung Schmölln GmbH
Auf die Zusammenarbeit kommt es an
Seit Januar 2026 arbeitet Svitlana Rybalka nun fest in der Wohnungsverwaltung. „Hier sind alle wie eine Familie. Wenn ich eine Frage habe, gibt es keinen, der nicht helfen würde. Ich fühle mich sehr wohl“, sagt die Ukrainerin. Arbeitseinsatz, fachliches Wissen und der menschliche Umgang würden perfekt zum Unternehmen mit insgesamt 15 Mitarbeitern passen, meint Geschäftsführer Blum. „Ich bin sehr stolz auf unsere Kollegen. Es gab keine Vorbehalte gegen Frau Rybalka, sondern immer Unterstützung. Es hat sich gelohnt, dass sie auch im Qualifizierungsprozess hier vor Ort war und praktisch lernen konnte.“
Kristian Blum hebt vor allem die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit positiv hervor. Von der Bewerbung über die Qualifizierung bis hin zum Arbeitsvertrag wurden alle Schritte mit der Behörde geplant und umgesetzt – inklusive finanzieller Unterstützung. Die Förderung für die Qualifizierung und der Eingliederungszuschuss seien sicherlich wirksame Anreize, so Blum, aber vielmehr habe die Wohnungsverwaltung durch die Kooperation eine Top-Fachkraft gewonnen. „Geflüchtete in Arbeit zu bringen, ist die beste Integration. Das muss das Ziel sein“, sagt der Geschäftsführer. Dafür wünscht sich Blum vor allem schnellere und unkompliziertere Prozesse. Immer wieder habe die Wohnungsverwaltung selbst bei Behörden nachhaken müssen, weil Verfahren lange andauerten. „Da ist teilweise fast sportlicher Ehrgeiz gefragt. Ich kann schon verstehen, wenn gerade kleinere Firmen da an ihre Grenzen stoßen“, so Blum weiter.
Zukunft in Deutschland?
Trotzdem habe es sich gelohnt, Zeit in die Integration von Svitlana Rybalka zu stecken, berichtet der Geschäftsführer. „Wenn die Motivation der internationalen Fachkraft stimmt, dann kann es nur ein Gewinn für das eigene Unternehmen sein. Die Leute bringen neue Perspektiven und auch Fähigkeiten ein. Frau Rybalka kann zum Beispiel problemlos mit unseren ukrainischen Mietern kommunizieren“, so Blum weiter.
Svitlana Rybalka selbst möchte in Deutschland bleiben, auch nach dem Krieg. Sie und ihre Familie fühlen sich wohl im Altenburger Land. Allerdings müssen auch dafür einige bürokratische Hürden überwunden werden. Rybalka steht wie viele andere ukrainische Kriegsflüchtlinge aktuell unter einem besonderen Schutzstatus der Europäischen Union. Falle dieser weg, müssen die Ukrainerin und ihre Familie zurück in ihr Heimatland, erklärt Kristian Blum. „Der Schutzstatus kann von einem auf den anderen Tag weg sein.“ Deshalb arbeitet Svitlana Rybalka aktuell an einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung. „Der erste Schritt ist für mich, das Sprachniveau B2 in Deutsch zu erreichen“, sagt Rybalka. Ob Altenburg für sie und ihre Familie dauerhaft ein Zuhause bleibt, hängt nun auch davon ab, wie schnell aus Schutz eine sichere Perspektive werden kann.
IHK: Thüringen für Fachkräfte attraktiv machen
Um gut ausgebildete Fachkräfte im Land zu halten, sind sowohl das Land, die Kommunen als auch die Unternehmen in der Verantwortung und müssen sich im Wettbewerb um Fachkräfte behaupten. Das Umfeld muss stimmen – von Wohnraum über Infrastruktur bis hin zu Kultur und Image der Region. Die beruflichen Chancen müssen stimmen – von Wertschätzung über Bezahlung bis zu Karriereperspektiven. Gleiches gilt auch für die Gewinnung von ausländischen Fachkräften. Hinzu kommt, dass die Region eine wirkliche Willkommenskultur braucht: menschlich, aber auch mit unbürokratischen und schnellen Entscheidungen. Die IHK Ostthüringen unterstützt Unternehmen bei der Integration und Qualifizierung von internationalen Fachkräften.
Mehr dazu finden Sie hier:
ihk.de/gera
Um gut ausgebildete Fachkräfte im Land zu halten, sind sowohl das Land, die Kommunen als auch die Unternehmen in der Verantwortung und müssen sich im Wettbewerb um Fachkräfte behaupten. Das Umfeld muss stimmen – von Wohnraum über Infrastruktur bis hin zu Kultur und Image der Region. Die beruflichen Chancen müssen stimmen – von Wertschätzung über Bezahlung bis zu Karriereperspektiven. Gleiches gilt auch für die Gewinnung von ausländischen Fachkräften. Hinzu kommt, dass die Region eine wirkliche Willkommenskultur braucht: menschlich, aber auch mit unbürokratischen und schnellen Entscheidungen. Die IHK Ostthüringen unterstützt Unternehmen bei der Integration und Qualifizierung von internationalen Fachkräften.
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