Flexible Container – auch für die Truppe
Amtra aus Biebesheim vermietet modulare Raumsysteme für Baustellen, Büroräume oder Schulen. Diese Container sind schnell und vielseitig einsetzbar. Auch deswegen zählt die Bundeswehr mittlerweile zu den Kunden.
Flexible Sozial- und Sanitärräume für Baustellen, vorübergehende Büroräume für Unternehmen oder längerfristige Lösungen für Schulen, die oft mehrere Jahre lang saniert werden – das ist das Kerngeschäft von Amtra Mobilraum. Vor knapp drei Jahrzehnten begann das Familienunternehmen mit der Vermietung klassischer Lager- und Baustellencontainer. Mittlerweile sind diese klassischen Standards überholt. »Die heutigen Einheiten von Amtra setzen völlig neue Maßstäbe, sodass sie mit den Vorgänger-Produktlinien nicht mehr vergleichbar sind«, stellt Thomas Lautner, Niederlassungsleiter in Biebesheim, heraus.
Elektropakete, LED-Beleuchtung und Küchenelemente können bereits bei der Basisvariante der heutigen Container für den eher kurzfristigen Einsatz integriert werden. Auf der nächsthöheren Ausstattungsstufe sind auch barrierefreie Zugänge, Unterputz-Installationen oder optimierter Sonnenschutz möglich. Und die Premiumlösung, die sich vor allem an Schulen und Kitas richtet, bietet neben extra großen Fensterflächen auch Optionen wie Photovoltaik, Netzwerkanschlüsse und Whiteboards. Sogar als überdachte E-Bike-Ladestationen mit integrierten Ladesäulen lassen sich die Container nutzen.
Container sind innerhalb weniger Tage einsatzbereit
Niederlassungsleiter Thomas Lautner.
Amtra hat seine Zentrale in Dernbach im Westerwald, beschäftigt bundesweit rund 135 Mitarbeiter*innen. Die Niederlassung in Biebesheim ist der jüngste von drei Produktionsstandorten in Deutschland, wo derzeit knapp 30 Festangestellte arbeiten. Die regionale Verwurzelung ist dem Unternehmen wichtig. Mehr als 90 Prozent aller Partner und Lieferanten der Niederlassung kommen Lautner zufolge aus einem Umkreis von 25 Kilometern rund um Biebesheim.
Was die Lösungen von Amtra auch auszeichnet: Sie können ohne lange Vorlaufzeit genutzt werden. “Unsere Standardprodukte sind im Mietpark sofort verfügbar”, sagt Lautner. Bis zu 20 Container lassen sich in der Regel innerhalb weniger Tage liefern und aufbauen. So konnte das Unternehmen nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 innerhalb von rund zwei Wochen einen Ersatz für eine zerstörte Schule schaffen, der bis heute in Betrieb ist. Amtra betrachtet dies eher als ergänzendes Marktsegment. Durch die große Schnelligkeit und Flexibilität hat sich für das Unternehmen jedoch ein weiteres Kundensegment eröffnet: die Bundeswehr.
Mobile Räume auf Zeit
Der Operationsplan Deutschland, ein Verteidigungskonzept der Bundeswehr im Krisen- und Kriegsfall, sieht eine Erhöhung der Wehrtüchtigkeit und eine Sensibilisierung der Wirtschaft für dieses Thema vor. Es geht darum, einsatzbereit zu sein, wenn es darauf ankommt. Doch klassische Baumaßnahmen wie die Instandsetzung der vor zehn und mehr Jahren stillgelegten Kasernen sind langwierig. Mit dem Programm “Amtra Defense” unterstützt das Unternehmen die Landesverteidigung. Dabei kommen die mobilen Räume als Kasernen auf Zeit, Truppenkantinen, Unterkünfte, Verwaltungsräume oder auch Kommandostände zum Einsatz.
“Das Kerngeschäft verändert sich bei uns grundsätzlich nicht, aber natürlich geht die Nachfrage aus dem Operationsplan Deutschland hervor. Da können wir flexibel nach oben skalieren”, sagt Lautner. Vor dem Hintergrund, dass sich der Markt aber bewegt und bisherige Amtra-Partner etwa aus der Chemie- oder Pharmabranche den Fokus ihrer Produktion von Deutschland zunehmend auf das Ausland verschieben, eröffneten sich hier neue Möglichkeiten. In “Amtra Defense” sieht Lautner ein “wachsendes Zusatzgeschäft”.
Wir sind kein Rüstungsunternehmen, sondern sehen uns als Infrastrukturpartner.Thomas Lautner, Niederlassungsleiter von Amtra in Biebesheim
Zugleich stellt der Niederlassungsleiter jedoch entschieden klar: “Wir sind kein Rüstungsunternehmen. Wir stellen keine fronttauglichen oder durchschusssicheren Container her, sondern sehen uns als Infrastrukturpartner.” Grundsätzlich gehe es darum, im Krisenfall möglichst schnell Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. So arbeite man auch eng mit Feuerwehren, Polizeien oder dem Technischen Hilfswerk (THW) zusammen.
Langlebig und nachhaltig
Die Auftragsvergabe für die Kasernen erfolge nicht direkt über die Bundeswehr, sondern über Generalunternehmen der Baubranche im Rahmen übergeordneter Ausschreibungen. Geplant ist der Einsatz der Container bei der Bundeswehr für zwei bis drei Jahre. Nach Angaben Lautners deutet sich bereits an, dass die Nutzungsdauer in vielen Fällen verlängert werden könnte.
Die Module haben einen Stahlrahmen, verzinkte und bearbeitete Bleche bilden die Außenhülle und ermöglichen so eine Nutzung über lange Zeit. “Stahl und Blech verrotten nicht”, erklärt Lautner. “Vielleicht ist nach einigen Jahren ein neuer Außenanstrich fällig wie bei einem konventionellen Gebäude auch. Aber wenn die Module regelmäßig gewartet werden, können sie ohne Probleme zehn Jahre und länger stehen.”
Und sollte ein Modul doch einmal nicht mehr benötigt werden, ist das unter Nachhaltigkeitsaspekten auch kein Problem. “Wir haben eigene Instandhaltungs- und Aufbereitungsprozesse bei uns im Haus”, sagt Lautner. “Nahezu alle Stoffe sind für die Wiederverwendung konzipiert, werden aufbereitet oder recycelt.”
Dieser Artikel ist erstmals erschienen im IHK-Magazin “Wirtschaftsdialoge”, Ausgabe 4/2026. Sie möchten das gesamte Heft lesen?
Die “Wirtschaftsdialoge” können Sie auch online als PDF-Datei herunterladen.
Die “Wirtschaftsdialoge” können Sie auch online als PDF-Datei herunterladen.
Kontakt
Matthias Voigt
Bereich:
Kommunikation und Marketing
Themen: IHK-Magazin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit