Digitalisierung in der Praxis
Daniel Jeschonowski ist Geschäftsführer zweier Industrieunternehmen mit eigener Fertigung in Deutschland: des Werbeartikelherstellers Senator in Groß-Bieberau sowie der Porzellanmanufaktur Kahla in Thüringen. Wenn es um Digitalisierung geht, vertraut er einem einfachen Prinzip: “Einfach. Richtig. Machen.”
Text: Matthias Voigt
Geht es nach dem Geschäftsführer Daniel Jeschonowski, ist Digitalisierung kein bloßes Konzept. Er hat vielmehr die Erfahrung gemacht, dass Unternehmensprozesse dann wirksam digitalisiert werden können, wenn die Praxistauglichkeit immer gleich mitgedacht wird. Sein Credo: “Wir müssen keine Hypothesen liefern, sondern Ware.” Sein Prinzip, heruntergebrochen auf die drei Schlagworte einfach, richtig und machen, will er nicht als Slogan verstanden wissen, sondern als konkrete Handlungsanweisung. Digitalisierung solle nicht verwaltet, sondern gelebt werden.
Indem man drei Schritte befolgt:
- Einfach – Standard schlägt immer den Sonderweg
Jeschonowski hat die Erfahrung gemacht: “Wenn Digitalisierung in Unternehmen ins Stocken gerät, liegt das selten an der Technologie – aber fast immer an der Komplexität.” Er meint dabei die Sonderlösungen, die individuellen Prozesse, die allzu vielen Wahlmöglichkeiten, die man noch einbauen möchte, um auch wirklich jeden (Sonder-)Fall abzubilden. Man solle sich daher nicht an der Frage orientieren, was für das eigene Unternehmen ideal wäre. Sondern: “Was funktioniert am Markt – und wie passen wir uns dem an?” Dahinter steckt seine Erkenntnis: Bewährte Standardlösungen sind schneller, robuster, verständlicher – und dazu noch günstiger.Dinge einfach zu halten, sieht der Geschäftsführer nicht als Rückschritt, sondern vielmehr als Beschleunigung an. Man solle sich von übertriebenen Ansprüchen an Digitalisierungslösungen verabschieden. Alles exakt vorauszuberechnen sei schlicht nicht möglich. Oder in Jeschonowskis Worten: “Digitalisierung darf nicht versuchen, das Unplanbare zu optimieren. Sie muss das Planbare endlich stabil machen.”
- Richtig – funktionierende Prozesse erzeugen Wirkung
Auch in diesem Punkt rät er, weniger auf Komplexität und mehr auf Stabilität zu setzen. “Richtig heißt bei uns: Es funktioniert zuverlässig, und zwar vom Anfang bis zum Ende. Und nicht: Es ist vollständig ausgestattet mit 30 Funktionen.” Als Beispiel nennt Jeschonowski die Druckfreigabe in der Produktion. Bei Senator und Kahla gibt sie der Kunde digital. Diese löst direkt den Fertigungsprozess aus. Es gibt keinen Rückruf, keine Rückfragen und dadurch auch keinen ungeklärten Status. In den beiden Unternehmen hat Jeschonowski etabliert, dass eine Neuerung immer mit der kleinstmöglichen funktionierenden Version gestartet wird. Erst danach wird erweitert. Aber auch nur, wenn der Kernprozess sauber läuft. Außerdem werden die Lösungen nicht selbst entwickelt, aber jedes Projekt und jedes implementierte System muss voll und ganz verstanden werden. In seinen Worten: “Wir streben keine perfekte Welt an – sondern eine belastbare. Und wir wissen: Die beste Software nützt nichts, wenn keiner sie versteht.”
- Machen – Verantwortung übernehmen, Tempo halten
Digitalisierung sieht der Geschäftsführer weniger als IT-Frage, sondern versteht sie eher als Führungsaufgabe – im Sinne echten Engagements. Die Software Salesforce, mit der bei Senator und Kahla das Customer-Relationship-Management abgebildet wird, liegt beim Vertrieb. Personio wird zum Management des Personalwesens von der Fachabteilung betreut, SAP läuft vollständig intern, ohne Agentur, ohne externes Helpdesk. Weiteres Beispiel: Die Mitarbeiter-App Quiply, die als Intranet fungiert, wird im Haus gepflegt und erweitert – von den Personen, die sie nutzen.Daniel Jeschonowski hat vor der Implementierung jedes dieser Tools nach eigenen Angaben Nächte durchgearbeitet, SAP-Workflows konfiguriert, Salesforce-Felder definiert, Quiply-Strukturen gebaut. “Nicht, weil ich das besonders gut kann. Sondern weil ich davon überzeugt bin: Wenn ich es nicht verstehe, kann ich es nicht führen.” Wer sich dagegen digital abhängig mache, zahle doppelt und lerne nichts. Geschäftsführer sollten nicht nur Konzepte erarbeiten und vorgeben, sondern sich in Themen einarbeiten, sich die Hände schmutzig machen. Dazu die richtigen Fragen stellen und Prozesse erstellen. Das helfe außerdem dabei, die Belegschaft mitzunehmen und vom eigenen Weg zu überzeugen, erst recht, wenn es intern Widerstand gebe. Doch Vorsicht: “Die Organisation darf nicht denken, ich kann alles besser. Ich mache nicht ihre Arbeit. Aber ich nehme sie in Verantwortung, wenn wir gemeinsam einen Prozess aufgesetzt haben”, stellt Daniel Jeschonowski klar. Unter dem Schlagwort “Machen” versteht der Geschäftsführer zusammengefasst: entscheiden, einführen, betreiben, und zwar selbst.
Zur Person
Daniel Jeschonowski ist seit 2016 Geschäftsführer des Herstellers von Werbeartikeln Senator in Groß-Bieberau. Zudem ist der gelernte Diplom-Kaufmann seit 2020 geschäftsführender Gesellschafter der Porzellanmanufaktur Kahla in Thüringen. Senator beschäftigt derzeit rund 270 Personen, bei Kahla sind etwa 130 Personen tätig.
Daniel Jeschonowski ist seit 2016 Geschäftsführer des Herstellers von Werbeartikeln Senator in Groß-Bieberau. Zudem ist der gelernte Diplom-Kaufmann seit 2020 geschäftsführender Gesellschafter der Porzellanmanufaktur Kahla in Thüringen. Senator beschäftigt derzeit rund 270 Personen, bei Kahla sind etwa 130 Personen tätig.
Dieser Artikel ist erstmals erschienen im IHK-Magazin „Wirtschaftsdialoge”, Ausgabe 6/2025. Sie möchten das gesamte Heft lesen? Die „Wirtschaftsdialoge” können Sie auch online als PDF-Datei herunterladen.
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Matthias Voigt
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