Geglückte Nachfolge sorgt für frischen Wind

Gut Ding will ja bekanntlich Weile haben, und im Besonderen gilt das für den Generationenwechsel in Unternehmen. Wer sein Geschäft für die Zukunft sichern will, sucht besser nicht über kurz, sondern über lang einen Nachfolger. Ein gutes Beispiel dafür, wie man es macht, ist die Goy & Balke Maschinenbau GmbH. Nicht nur, dass die Peiner den Stabwechsel so gut wie geschafft haben. Sie haben auch die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, im Zuge der Nachfolge neue Ideen und Technologien ins Unternehmen zu holen und so einen großen Sprung nach vorne zu machen.
Das im Gewerbegebiet Peine-Ost beheimatete Unternehmen ist ein klassischer Sondermaschinenbauer, der Anlagen nach spezifischem Kundenwunsch herstellt. Goy & Balke bietet das volle Programm: Kern-Know-how ist nicht nur die Konstruktion und die Fertigung, sondern auch die Programmierung der mit automatisierten Prozessen versehenen Anlagen. Die Hälfte der 25 Mitarbeiter sind Techniker und Ingenieure, die in der Entwicklung beschäftigt sind und auf der 900 Quadratmeter großen Betriebsfläche auch Roboter- und Kameratechnik in die Anlagen integrieren. „Wir sind sehr kopflastig. Für Unternehmen unserer Größe ist das eher ungewöhnlich“, sagt Geschäftsführer Simon Goy.

Keine Maschine ist wie die andere

Von der Konsumgüter- über die Automobil- bis zur chemischen Industrie: Der Kundenkreis setzt sich aus dem kompletten produzierenden Gewerbe zusammen. Ein typisches Beispiel für eine Anlage aus Produktion von Goy & Balke ist die vielarmige Roboterzelle, die Bauteile formpresst oder zusammenschweißt. Im Prinzip fertigt das Unternehmen immer wieder neue Maschinen, keine sieht wie die andere aus. „Wir machen Hightech, insbesondere im Bereich der Automatisierungstechnik“, betont Simon Goy, der an der Universität Kassel promoviert hat, dort weiterhin als Dozent tätig ist und Studierende über die simulationsgestützte Steuerung vernetzter Systeme unterrichtet. „Die Automation und die industrielle Vernetzung sind es, die die Innovationen im Maschinenbau ermöglichen.“
Gut also, dass Goy & Balke in jüngster Zeit einen großen Entwicklungssprung in der Automatisierungstechnik gemacht hat. Verantwortlich dafür sind zwei Mitarbeiter, die erst seit ein paar Jahren für die Peiner arbeiten – nämlich Simon Goy selbst und Ho-Man Lau. Die beiden haben sich an der Uni kennengelernt und sind gemeinsam mit Unternehmensgründer Karl-Heinz Goy die Protagonisten des Generationenwechsels. „Als die zwei sich entschieden, Goy & Balke weiterzuführen, sind sie in mein Unternehmen eingestiegen“, sagt der 67-Jährige. „Seit fast fünf Jahren sind wir jetzt dabei, die Unternehmensnachfolge zu gestalten.“
Karl-Heinz Goy hat sich frühzeitig mit der Planung der Nachfolgeregelung beschäftigt, und sein Sohn spielt in den Überlegungen die zentrale Rolle – auch deswegen, weil Simon Goy gemeinsam mit Ho-Man Lau seinem Unternehmen einen kräftigen Schub gibt. „Immer auf der Höhe der Zeit zu sein, ist für Goy & Balke von großer Bedeutung. Die beiden haben frischen Wind und die komplette Automatisierungstechnik ins Haus gebracht“, betont Karl-Heinz Goy.
„Wir machen Hightech, insbesondere im Bereich der Automatisierungstechnik“

Simon Goy

Die Zahlen stimmen

Automatisierung, Schaltschrankbau, SPS- und Roboterprogrammierung: Was Goy & Balke unlängst noch von Drittanbietern machen und in die Anlagenprojekte einfließen ließ, gehört mittlerweile zum eigenen Kompetenzbereich. Fünf Mitarbeiter kümmern sich heute darum, die technischen Vorgänge in den Anlagen zu automatisieren. Seit dem Eintritt von Simon Goy und Ho-Man Lau hat sich die Mitarbeiterzahl verdoppelt, und auch der Umsatz hat ein gutes Wachstum hingelegt.
Mit eigenem Sachverstand dem Unternehmen zu einem Riesenschritt zu verhelfen, ist das eine. Dieses Unternehmen ohne Wenn und Aber ein ganzes Arbeitsleben führen zu wollen und sich dazu auch fachlich und persönlich in der Lage zu fühlen, ist das andere. „Es hat nicht umsonst fünf Jahre gedauert, bis wir nun endlich so weit sind, Goy & Balke zum Ende des Jahres zu übernehmen“, sagt Ho-Man Lau, der zurzeit Prokurist ist und bald mit Simon Goy das Gesellschafter- und Geschäftsführer-Duo bilden wird. „Dass ein 35 Jahre altes Unternehmen wie Goy & Balke gut aufgestellt ist, liest man nicht nur aus der Bilanz heraus. All seine Einheiten und Expertisen kennenzulernen und das Tagesgeschäft zu verstehen – das dauert einfach“, sagt der 31-Jährige.
Sein Noch-Chef Karl-Heinz Goy, der Goy & Balke in Kürze an seine beiden Nachfolger verkaufen wird, sieht das genauso. In seinen Augen scheitern Nachfolgeregelungen „an einem zu engen Zeitfenster, in vielen Fällen reichen eineinhalb Jahre einfach nicht aus. Junge Unternehmer brauchen mehr Zeit, um das gute Gefühl entwickeln zu können, dass sich das Unternehmen wirklich trägt.“

Mit den Abläufen vertraut

Sein Sohn ist längst mit allen Abläufen und jedem Winkel des Unternehmens vertraut – und nicht nur das. Simon Goy hat auch die Sicherheit gewonnen, die richtige Einstellung für die Unternehmensführung mitzubringen. In den vergangenen Jahren hatte er eine Doppelaufgabe zu bewältigen: auf der einen Seite die täglichen Routinen, das Projektgeschäft und die Zusammenarbeit mit den Kunden; und auf der anderen Seite die Planung und Umsetzung der Unternehmensnachfolge mit allem, was dazugehört – Unternehmensbewertung und Finanzierung, Vertragsgestaltung und Bankgespräche. Das alles habe an jedem Arbeitstag und auch an den Wochenenden viel Energie gekostet, sagt Simon Goy. „Und doch hat die Arbeit Spaß gemacht, ansonsten täte man sich die vielen stressigen Tage nicht an. Wenn man sich entschließt, ein Unternehmen zu leiten, dann muss man darauf brennen.“
boy