Die schönen Dinge des Lebens

Britta Schmidt lebt vom Fernweh der Menschen und davon, ihnen schöne Urlaubsreisen zu verkaufen, zum Beispiel nach Mallorca. Ist es da dienlich für das Geschäft, dass sie ihren Kunden die mallorquinische Lebensart nun auch nach Hause bringt? Ja, und wie: Nicht nur ihrer Namen wegen bilden das Reisebüro „Reisen und Meer“ und der Concept Store „Vino und Meer“ ein sehr gutes Gespann – auch das Angebot und die Ausrichtung der beiden Läden fügen sich hervorragend zusammen.
Unter den Corona-Beschränkungen hat die Reisebranche besonders gelitten und somit auch Britta Schmidt. In Lebenstedt ist ihr Reisebüro eine Institution, seit 20 Jahren vermittelt sie Reisen in aller Herren Länder. In der Regel seien die Reiseanbieter ja krisenerprobt, erzählt die 55-Jährige; zuletzt habe die Insolvenz von Thomas Cook die Branche ordentlich durchgeschüttelt. Nun hätten die Auswirkungen der Pandemie und der plötzliche Stillstand des Tourismus alles übertroffen. „Als Corona kam, standen wir vor dem Nichts“, betont Britta Schmidt, „von einem Tag auf den nächsten kam kein Geld mehr herein.“

Nachhaltige Produkte mit dem gewissen Etwas

Nun ist es nicht ihre Sache nicht, einfach nur auszuharren und darauf zu warten, dass die Urlaubssonne über die Reisebranche von Neuem aufgeht. „Ich kann nicht nur zu Hause sitzen, das ist mir zu langweilig.“ Also schmiedete sie gemeinsam mit ihrem Mann Martin Schmidt den Plan, Lebenstedt um ein besonderes Angebot zu bereichern und zugleich das Reisebüro zu neuen Taten zu beflügeln. Das Unternehmerpaar eröffnete einen Laden, in dem Mallorca, Nachhaltigkeit und Produkte mit dem gewissen Etwas die großen Themen sind und die Regale nicht nur bloße Ausstellungsflächen, sondern kleine Galerien. Kurzum: Seit August vergangenen Jahres leiten die beiden ihren eigenen Concept Store.
Dass die Schmidts die liebste Urlaubsinsel der Deutschen zum inhaltlichen Mittelpunkt ihres Concept Stores gemacht haben, kommt nicht von ungefähr. Sie selbst sind gern gesehene Gäste auf Mallorca, mehrmals im Jahr reisen die beiden nach Spanien. So wissen sie, wo ihrer Meinung nach in Palma, Valldemossa oder Sóller der leckerste Wein abgefüllt, der am meisten charakteristische Gin destilliert und das beste Olivenöl gepresst wird. Fast alle der Produkte aus ihrem Sortiment „gibt es nur auf den Balearen“, sagt Martin Schmidt, der die Geschicke von Vino und Meer lenkt.

Ortstermine sichern die Kontaktpflege

Die Kontaktpflege mit den mallorquinischen Produzenten und Händlern sei seine schönste Aufgabe, erzählt er. Wenn er auf der Insel sei, habe er in der Regel immer zwei, drei Ortstermine, um Geschäftsbeziehungen aufrechtzuerhalten und neue zu gewinnen. Ein kleines Weingut in Augenschein nehmen zu dürfen oder eine traditionelle Ölmühle, „macht mir am meisten Spaß“. Ihm sei zugutegekommen, dass in der Pandemie die Ansprüche von Zulieferern bescheidener geworden seien und auch kleine Abnahmekontingente akzeptiert würden. „Angefangen haben wir mit ganz geringen Mengen. Doch kam unser Angebot so gut bei den Kunden an, dass wir im Prinzip jede Woche nachbestellt haben.“ Wichtig ist ihm, dass seine Produkte fair gehandelt sind und einer nachhaltigen Wirtschaftsweise entstammen, also bei Vertrieb und Produktion soziale und ökologische Kriterien eingehalten werden.

Zentrale Lage als Standortvorteil

Wie das Reisebüro ist auch der Concept Store zentral am Markt beheimatet, beide liegen lediglich einen Steinwurf voneinander entfernt – ein wichtiger Standortvorteil. Wer in dem einen Laden eine Reise in sein liebstes Urlaubsland erwirbt, schaut im Anschluss gerne im Vino und Meer vorbei. „Um mit einem Espresso oder Glas Wein auf seine Reise anzustoßen“, sagt Martin Schmidt, „oder auch, um sich mit T-Shirt, kurzer Hose und veganer Sonnencreme einzudecken.“ Der Look im Store sorgt für Vorfreude. Der 52-Jährige selbst hat Hand angelegt, um mit dem passenden Interieur und den richtigen Farben der 35 Quadratmeter großen Verkaufsfläche „mediterranen Touch zu verleihen und Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen“.
Im Reisebüro baut Britta Schmidt darauf, dass die Sehnsucht ihrer Kunden nach fremden Ländern und tollen Urlaubserlebnissen nie vergeht. „Die Menschen werden immer reisen wollen“, sagt sie – auch in Corona-Zeiten. Als touristische Touren wieder erlaubt waren, „haben viele sehr viel hochwertiger gebucht“, so ihre Erfahrung. „In der Pandemie konnten sie lange sparen und leisten sich jetzt das Ziel, das sie immer schon einmal besuchen wollten.“
Was haben sie aus den vergangenen zwei Pandemie-Jahren gelernt? ­Martin Schmidt sagt, dass sie die Einsicht gewonnen hätten, auch mit wenigen Möglichkeiten viel erreichen zu können. „Aus der Krise heraus haben wir ein neues Geschäft etabliert.“ Seine Frau ergänzt: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass nur wir selbst uns helfen können.“
Unser Angebot kam so gut an, dass wir jede Woche nachbestellt haben.

„Unsere Idee hat funktioniert“

Und dann ist da noch die Erkenntnis, eine Menge Wegbegleiter eines Besseren belehrt zu haben. Als die beiden vor gut einem halben Jahr verkündeten, einen Laden für die schönen Dinge des Lebens zu eröffnen und auf den gehobenen Kundengeschmack zu setzen, war der Tenor: In Braunschweig könnte eure Idee von Erfolg gekrönt sein – in Salzgitter aber nicht. Diese Vorhersage hat sich als Trugschluss erwiesen. „Unsere Idee hat funktioniert“, sagt Britta Schmidt, „viele Leute sind total glücklich, dass es uns gibt.“        
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