Titel - Ausgabe 08/09|2022

Oberfränkische Wirtschaft erheblich unter Druck

Blitzumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zu Corona, Lieferketten und Gas

Alles blickt gebannt auf die Gaslieferungen aus Russland. Aber welche Herausforderungen haben eigentlich Corona, Lieferengpässe und drastische Preissteigerungen auf die oberfränkische Wirtschaft? Enorme, wie eine Blitzumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt.
Aktuell hat man in der öffentlichen Wahrnehmung den Eindruck, dass Corona ein Thema ist, das nur nebenherläuft,

so Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.

Tatsächlich ist Corona aber mitten unter uns, wie die meisten Unternehmen an den Personalausfällen spürbar merken.
Bei nicht weniger als 74 Prozent der befragten Unternehmen sind aktuell die Betriebsabläufe von coronabedingten Personalausfällen beeinträchtigt. Bei der Industrie liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent, gefolgt vom Bereich Handel/Tourismus (72 Prozent) und den Dienstleistungen (69 Prozent).

Teilweise erhebliche coronabedingte Ausfälle in Unternehmen

Die Auswirkungen von Corona reichen so weit, dass ein Viertel aller Unternehmen zum Zeitpunkt der Umfrage gezwungen ist, sogar organisatorische Einheiten stillzulegen. Hier sind Dienstleistungsbetriebe leicht überproportional betroffen.
Diese Ausfälle machen unseren Unternehmen schwer zu schaffen,

betont der IHK-Präsident.

Produkte, die nicht hergestellt werden, Filialen oder inhabergeführte Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe, die geschlossen bleiben, Lkw und Busse, die auf dem Hof stehen bleiben, sind die Konsequenz.
Gerade einmal 13 Prozent der Befragten verzeichnen keine nennenswerten coronabedingten Ausfälle. 20 Prozent der Unternehmen beklagen eine Ausfallquote von bis zu 5 Prozent, weitere 46 Prozent eine Ausfallquote von bis zu 15 Prozent. Bei 16 Prozent der Befragten liegt die Ausfallquote sogar zwischen 15 und 25 Prozent, bei weiteren fünf Prozent der Unternehmen fällt aktuell mehr als ein Viertel der Beschäftigten aus.
Für den kommenden Herbst erwarten wir wieder stärkere Einschränkungen durch Maßnahmen der Politik,

so Dr. Waasner.

Diese sollten aber nicht nach dem inzwischen bekannten Schema erfolgen, dass dienstags Verordnungen angekündigt, in der Nacht von Freitag auf Samstag in Kraft treten und bereits Montag früh von den Unternehmen umzusetzen sind.

Viele Unternehmen beklagen unterbrochene Lieferketten

Immer mehr Unternehmen sind erheblich von unterbrochenen Lieferketten oder Rohstoffmangel betroffen. Dies betrifft längst praktisch alle Branchen, vor allem die Industrie, aber auch Handel und Tourismus.

Dr. Waasner:

Immer häufiger stehen deswegen Bänder still, bleiben Regale leer oder ist die Speisekarte ausgedünnt.
In sehr vielen Fällen muss für Rohstoffe und Vorprodukte auch mehr bezahlt werden.

Dr. Waasner:

Oft sogar spürbar mehr. Für Volumenartikel im Stahlbereich das Zwei- bis Dreifache, für Halbleiterchips auch mal weit darüber.
62 Prozent aller Unternehmen sind von Preissteigerungen erheblich betroffen, weitere 31 Prozent zumindest teilweise. Besonders in der Industrie, aber auch im Handel und Tourismus, haben Unternehmen mit Preissteigerungen erheblich zu kämpfen, hier liegt der Anteil bei 78 und 70 Prozent.

Nicht überraschend, dass sich vier von fünf Unternehmen nach Alternativen bei Lieferketten und Bezugsquellen umschauen. Allerdings sieht die Hälfte davon keine realistische Möglichkeit, kurzfristig neue Lieferketten aufzubauen.

Gasknappheit: Auswirkungen auf Geschäftstätigkeit befürchtet

Zu coronabedingten Ausfällen, unterbrochenen Lieferketten und drastisch steigenden Preisen kommt noch eine drohende Gasknappheit dazu. 67 Prozent der Unternehmen rechnen hier mit Beeinträchtigungen, darunter 27 Prozent mit erheblichen Beeinträchtigungen. Weitere sieben Prozent befürchten sogar, ihre Geschäftstätigkeit in den kommenden Monaten komplett einstellen zu müssen.

In der Industrie liegt der Anteil der Unternehmen, die mit erheblichen Einschnitten rechnet, sogar bei 40 Prozent. Hier sind es außerdem sieben Prozent, die einen vollständigen Produktionsstopp nicht ausschließen.

Viele Unternehmen arbeiten an Absicherungsstrategien für den Fall einer Gasknappheit, etwa einem „fuel switch“, also der Nutzung von Kohle oder Öl als Gasersatz, und prüfen Energieeinsparungen oder andere Maßnahmen. 40 Prozent der Befragten erarbeiten bereits Absicherungsstrategien. Weitere 35 Prozent haben ihre Optionen geprüft, sehen aber keine realistischen Umsetzungsmöglichkeiten.

Hier sei die Politik gefordert, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Energiespeicher zu füllen sowie Gas zur Stromproduktion bis auf weiteres durch Kohle oder Atomkraft zu ersetzen.
Wenn Unternehmen in dieser Krisensituation Gas kurzfristig durch Öl oder Kohle ersetzen wollen, dürfen ihnen keine Steine in den Weg gelegt werden. Bei Erteilung nötiger immissionsschutzrechtlicher Genehmigungen muss die aktuelle Notlage berücksichtigt werden. Wir verteidigen uns in einem Wirtschaftskrieg,

fordert Dr. Waasner.

Aktuell gebe es viele Herausforderungen für die Unternehmen.
Lassen Sie uns diese lösen, indem wir unsere Chancen unbürokratisch nutzen,

appelliert Dr. Waasner an Politik und Verwaltung.

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