IHKmagazin
Nr. 7129480
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Aus Tradition verpflichtet, auf Zukunft gerichtet

H. Seybold GmbH & Co. KG vergrößert Standort zum 150. Geburtstag

Egal, wie umfangreich das Sortiment auch sein mag, wasserdichte Wagen und Pferdedecken finden sich im Lager der H. Seybold GmbH & Co. KG schon lange nicht mehr. 1876 ging es genau damit los. 150 Jahre später ist das traditionsreiche Dürener Familienunternehmen überwiegend in den Geschäftsbereichen Dichtungstechnik, Arbeitsschutz und Industrietechnik unterwegs.
“Aus Tradition verpflichtet, auf Zukunft gerichtet – das war immer ein Leitsatz meines Vaters”, sagt Oliver Seybold, der Anfang 2022 die Leitung des Unternehmens mit 35 Mitarbeitenden und rund zehn Millionen Euro Umsatz übernahm. Im Jubiläumsjahr wird der Standort vergrößert, die 300 Quadratmeter große Halle steht kurz vor der Vollendung. Bereits im Betrieb ist der neue Wasserstrahlschneider in der Produktion, die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte. “Wir haben in den letzten drei Jahren mehr investiert als in den Jahrzehnten zuvor”, sagt Oliver Seybold nicht ohne Stolz.

Zusätzliche Ausbildungsplätze

Ist es nicht ein Risiko, in Zeiten geopolitischer Verwerfungen zu investieren? “Ich bin ein positiv denkender Mensch. Gerade in diesen Zeiten sollte man investieren, damit wir bereit sind, wenn die Wirtschaft wieder anzieht”, sagt der Inhaber und Geschäftsführer. Das Unternehmen habe die Möglichkeiten und er den Willen, in die Firma zu investieren. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht in die Zeit passt. “Es geht wieder nach oben, auch weltwirtschaftlich. Dann ist alles ausgebaut, wir sind mit voller Kapazität da, besser aufgestellt als je zuvor”, erklärt Oliver Seybold. Es habe zudem auch Vorteile, in konjunkturell schwächeren Zeiten zu investieren: Förderprogramme, vergünstigte Darlehen – und mit Blick auf die bereits abgeschlossenen und noch anstehenden Bauarbeiten sei alles “etwas günstiger, etwas pünktlicher”. Nicht ohne Grund hat das Unternehmen auch zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen, um sich rechtzeitig auf die Erweiterung der Produktion und die Sicherung von wichtigen Fachkräften zu wappnen. Denn gute Mitarbeitende als Maschinen- und Anlagenführer und Fachkräfte für Lagerlogistik sind das Rückgrat des Unternehmens. Parallel dazu investiert Seybold im Bereich der Auftragserfassung und Finanzbuchhaltung in KI-Tools.
Ein junger Mann steht im Lager zwischen zwei Regalwänden.
Vom Praktikanten zum Auszubildenden: Lukas Lausberg hat seinen Weg ins Berufsleben beim Dürener Traditionsunternehmen gestartet. © IHK Aachen / Stephan Johnen

Weiterentwicklung zum produzierenden Gewerbe

Traditionell hatte das Dürener Familienunternehmen schon immer zwei Standbeine: Handel und Produktion. “Seybold war einmal eine Gummihandlung, die zum produzierenden Gewerbe übergegangen ist”, bilanziert Produktionsleiter Martin Niesig. Seit 30 Jahren entwickelt und produziert das Unternehmen Dichtungen, die weltweit in Industrie und Maschinenbau im Einsatz sind: Flachdichtungen aus verschiedensten Dichtungswerkstoffen, stoßvulkanisierte Rundschnurringe, Sonderdichtungen nach Kundenvorgabe, O-Ringe, metallische Dichtungen wie beispielsweise Spiral- und Kammprofildichtungen, PTFE-Bänder, dynamische Dichtungen wie Radial-Wellendichtringe und vieles mehr. “Das Spektrum ist extrem weit gefasst, der Markt ist sehr dynamisch”, sagt Martin Niesig. Seitdem Oliver Seybold das Steuer übernommen hat, wird genau dieser Teil des Unternehmens weiter ausgebaut. “Der Begriff des ‚technischen Händlers‘ passt nicht mehr ganz, wir entwickeln uns davon weg, werden immer mehr zum Fertigungs- und Produktionsbetrieb”, sagt der Unternehmer.

Europäische Produktion in Konkurrenz zu China

Diese Entwicklung bedeutet aber nicht, dass die Bereiche Arbeitsschutz und Industrietechnik aufgegeben werden. Im Gegenteil. Nach wie vor ist das Lager prall gefüllt mit Tausenden Artikeln: Arbeitskleidung und Schutzausrüstung, Schlauchtechnik, Hebe- und Zurr-Technik, Befestigungstechnik, Betriebsausrüstung, Zellstoffware, Hygienepapiere, Schrauben, Büromöbel, Werkzeuge, Schmierstoffe, kurzum: alles, was benötigt wird, um einen Betrieb am Laufen zu halten. “Wir haben unheimlich viel auf Lager, können schnell liefern – das macht die Kunden glücklich”, sagt Oliver Seybold augenzwinkernd. Eine weitere Dienstleistung des Unternehmens ist die Erstellung von Konzepten sowie Beratungsdienstleistungen. Viele Mitarbeitende sind dafür im Außendienst unterwegs.
Mit Blick in die Zukunft wünscht sich Unternehmer Oliver Seybold auch im Sinne seiner Mitarbeitenden mehr Stabilität für Europa – und mehr Unterstützung gerade des Mittelstandes aus der Politik. “Ich meine, dass vielen Menschen langsam bewusst wird, dass wir nicht alles einfach aus China holen können. Wir brauchen eine europäische Produktion, brauchen Zusammenhalt in Europa”, sagt er. Wenn es richtig gut läuft, gebe es auch noch “ein bisschen Reserve hinter den Gebäuden”. Angst vor Investitionen hat Oliver Seybold im 150. Jahr des Firmenbestehens nicht.
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