Digitalisierung in Deutschland: Zwischen Effizienz und Bürokratie

Der DIHK führt jedes Jahr eine Umfrage zur Digitalisierung in den Unternehmen durch. Im Jahr 2026 zeigt sich, dass die Unternehmen trotz zahlreicher Herausforderungen weiter digitaler werden.

Zusammenfassung der Ergebnisse

"Der schleppende Netzausbau bremst die Digitalisierung der Unternehmen enorm aus," kommentiert Volker Treier, Mitglied der DIHK-Hauptgeschäftsführung, das Ergebnis der Umfrage. Im Schnitt reicht es nur für die Schulnote 2,8. An der Erhebung, die die Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation im Unternehmen abfragt, nahmen Ende 2025 mehr als 5.000 Betriebe teil.
Bei den Motiven für die Digitalisierung gaben die Unternehmen vor allem an, die Flexibilisierung der Arbeit (65 Prozent), die Kosteneinsparung (65 Prozent) oder die Qualitätsverbesserung (63 Prozent) im Blick zu haben. Bewältigung des Fachkräftemangels (31 Prozent) sind hingegen bei der Motivation für die Digitalisierung noch weniger im Fokus. Digitalisierung bleibt demnach, wie in den Jahren zuvor, eher ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung als ein Motor für Innovationen.

Zukunftsthema KI hält Einzug

Große Chancen sehen die Befragten dann auch in Zukunftstechnologien wie der künstlichen Intelligenz (KI). Der Anteil der Unternehmen, die KI einsetzen, hat sich im Vergleich zum Vorjahr noch einmal merkbar gesteigert (von 27 auf 38 Prozent). Ein weiteres Drittel (32 Prozent) plant den Einsatz von KI für die Zukunft. Das ist ein leichter Rückgang um 2 Prozentpunkte. Die KI ist ein Zukunftsthema für Deutschland, das große Chancen bietet und das noch mehr ins Blickfeld genommen werden sollte. Dafür ist aber auch die entsprechende Infrastruktur erforderlich.
Die verstärkte Nutzung von Cloud-Diensten und künstlicher Intelligenz lässt den Bedarf an leistungsfähigen, schnellen Verbindungen weiter steigen. Dennoch sind nur rund drei Viertel der Unternehmen mit der derzeitigen Geschwindigkeit und Verfügbarkeit des Internets an ihrem Standort zufrieden. Der Ausbau der Netze kommt vielerorts nur schleppend voran, unter anderem wegen hoher Baukosten, fehlender Fachkräfte und langwieriger Genehmigungsverfahren.
Im Auge behalten müssen die Unternehmen auch die Gefahr durch die stetig wachsende Cyberkriminalität. Allein innerhalb des letzten Jahres wurden vermutlich die hälfte der Unternehmen ab 1.000 Beschäftigte von mindestens einem erheblichen Cybersicherheitsvorfall betroffen.

Transformation bleibt ein Kraftakt

Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Umfrage, dass der digitale Transformationsprozess für die Unternehmen weiterhin ein Kraftakt ist und aufgrund von Zeit-, Komplexitäts- sowie Kostengründen an Grenzen stößt. Gerade von der Politik wünschen sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer daher klarere Regelungen.
Die DIHK betont, dass Digitalisierung nur dann Wirkung entfalten kann, wenn politische Entscheidungen konsequent umgesetzt werden. Dafür formuliert sie vier zentrale Erwartungen an die Politik: Erstens
  1. Es braucht es ein eigenständiges Digitalministerium, das digitale Themen bündelt und klar verantwortet.
  2. Glasfaser- und Mobilfunknetze müssen deutlich schneller ausgebaut werden.
  3. Weniger Bürokratie sowie eindeutige und praxistaugliche rechtliche Rahmenbedingungen.
  4. Eine gezielte Förderung von künstlicher Intelligenz und innovativen Technologien.
„Wir wollen Digitalisierungsweltmeister werden – nicht Regulierungsweltmeister“, bringt Treier die Forderungen auf den Punkt. Damit Deutschland international nicht weiter zurückfällt, müsse die Politik nun konkrete Schritte einleiten.
Einen Überblick über die Ergebnisse der Erhebung finden Sie hier oder auf der rechten Seite unter “Weitere Informationen”.