Konjunkturbericht Frühjahr 2026 – Neue Krisen bremsen regionale Wirtschaft
Wiesbaden, 3. Februar 2026 – Die kurze Hoffnung aus dem Herbst hat sich nicht bestätigt: Die Wirtschaft im IHK-Bezirk Wiesbaden kommt zum Jahresbeginn 2026 nicht vom Fleck. Der Geschäftsklimaindex fällt mit 96 Punkten unter die Wachstumsschwelle von 100. Zwar gab es im Jahresvergleich leichte Verbesserungen, die Unternehmen senden aber weiterhin ein klares Signal der Verunsicherung. Der erhoffte Aufschwung bleibt aus.
Zum Jahreswechsel traten erste Entlastungs- und Investitionsmaßnahmen der Bundesregierung in Kraft, doch sie reichen bislang nicht aus, um das Vertrauen der Wirtschaft zurückzugewinnen. Sinkende Energiepreise, steuerliche Impulse und angekündigte Investitionen schlagen sich in der betrieblichen Realität kaum nieder. Statt Aufbruch dominiert Zurückhaltung – die Unternehmen bleiben vorsichtig bei Investitionen und Personalplanungen.
Neue geopolitische Risiken verschärfen die Lage. Die jüngsten zollpolitischen Drohungen der USA im Zuge der Eskalation um Grönland belasten insbesondere exportorientierte Betriebe. Die weltwirtschaftliche Unsicherheit prägt die Erwartungen spürbar, das zeigen zahlreiche Freitextantworten in der Konjunkturumfrage der IHK Wiesbaden.
Dauerkrisen treffen auf neue Probleme
„Unsere Wirtschaft steht von zwei Seiten unter Druck: alte Dauerprobleme und neuer internationale Krisen“, sagt IHK-Präsident Jörg Brömer. „Viele Betriebe wollen nach vorne schauen, blicken dabei aber in eine unsichere Zukunft. Gerade jetzt braucht es Verlässlichkeit und Berechenbarkeit, damit Unternehmen wieder Vertrauen fassen und wirtschaftliche Perspektiven entwickeln können.“
Im Branchenvergleich bleiben die Unterschiede deutlich. Die Dienstleistungsbranche ist mit einem Geschäftsklimaindex von 107 Punkten weiterhin Stabilitätsanker der regionalen Wirtschaft, verliert jedoch spürbar an Dynamik. Industrie und Einzelhandel bilden mit jeweils 81 Punkten erneut die Schlusslichter. Der Großhandel zeigt sich mit 95 Punkten etwas stabiler, bleibt aber ebenfalls unter der Wachstumsschwelle.
Die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung bleiben hoch. Erstmals steht die schwache Inlandsnachfrage mit 66 Prozent an der Spitze der Geschäftsrisiken, dicht gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Auch steigende Arbeitskosten gewinnen an Bedeutung. Bürokratie, fehlende Planungssicherheit und globale Unsicherheiten prägen weiterhin die Sorgen der Betriebe.
Investitionen sind dringend nötig – Vertrauen aber auch
Auch im Investitionsverhalten der Unternehmen zeigen sich die geopolitischen Unsicherheiten. Eine Sonderauswertung zu den Auslandsinvestitionen zeigt eine Verschiebung der Zielmärkte. Besonders deutlich: der Rückgang bei Investitionen in Nordamerika. Der Anteil der Unternehmen mit entsprechenden Plänen hat sich gegenüber Jahresbeginn 2025 von 17 auf 8 Prozent mehr als halbiert. Vor dem Hintergrund der US-Politik der vergangenen zwölf Monate, insbesondere im Bereich der Zollpolitik, liegt ein Zusammenhang nahe. Gleichzeitig gewinnt die Eurozone weiter an Bedeutung: 77 Prozent der Unternehmen planen ihre Auslandsinvestitionen dort, nach 69 Prozent im Vorjahr.
„Investitionen entstehen nicht aus Ankündigungen, sondern aus Vertrauen“, betont Fabian Lauer, Leiter Wirtschaftspolitik der IHK Wiesbaden. „Wenn Unternehmen protektionistische Tendenzen, neue Zölle und unsichere Rahmenbedingungen einkalkulieren müssen, verschieben sie Investitionen oder lassen sie ganz. Verlässliche Regeln, Fairness im internationalen Handel und Planungssicherheit sind entscheidend, damit Betriebe wieder investieren und Wachstum ermöglichen.“
Die anhaltende Zurückhaltung der Unternehmen zeigt sich zunehmend auch am Arbeitsmarkt. Die Beschäftigungserwartungen fallen weiter, insbesondere in der Industrie und im Einzelhandel. Zwar präsentiert sich der regionale Arbeitsmarkt bislang noch stabil, doch die Zurückhaltung der Unternehmen bei Neueinstellungen ist ein deutliches Warnsignal.
Zum Konjunkturbericht der IHK Wiesbaden
Der IHK-Konjunkturbericht enthält umfassende Analysen und grafische Darstellungen zur konjunkturellen Lage im Wirtschaftsraum Wiesbaden. Kostenfrei abrufbar ist er unter www.ihk.de/wiesbaden/konjunkturbericht. Für regionale Unternehmen findet sich hier zudem die Möglichkeit, sich zur drei Mal im Jahr stattfindenden Befragung anzumelden.
Der IHK-Konjunkturbericht enthält umfassende Analysen und grafische Darstellungen zur konjunkturellen Lage im Wirtschaftsraum Wiesbaden. Kostenfrei abrufbar ist er unter www.ihk.de/wiesbaden/konjunkturbericht. Für regionale Unternehmen findet sich hier zudem die Möglichkeit, sich zur drei Mal im Jahr stattfindenden Befragung anzumelden.
IHK-Ansprechpartner für fachliche Fragen:
Fabian Lauer
Stv. Geschäftsführer und Leiter Wirtschaftspolitik
+49 611 1500-126
f.lauer@wiesbaden.ihk.de
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