Der Baden-Württembergische Industrie und Handelskammertag (BWIHK) hat ein zwölfseitiges Grundsatzpapier mit dem Titel „Möglichkeiten zur Schaffung von Wohnraum“ verabschiedet. Darin wird deutlich, dass ausreichend verfügbarer und bezahlbarer Wohnraum zu einem zentralen Erfolgsfaktor für Baden-Württemberg als Lebens- und Arbeitsstandort geworden ist. Ohne passende Wohnungen lasse sich der Bedarf an Fach- und Arbeitskräften vor Ort eben[1]so wenig decken wie die Zuwanderung qualifizierter Beschäftigter aus dem In- und Ausland, so die IHKs. Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg, sieht in der Wohnraumknappheit ein ernstzunehmendes Problem. Fehlende und teure Wohnungen verschärften den Fachkräftemangel, hemmten die Zuwanderung von Talenten und bremsten Innovationen sowie Investitionen. „Das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit Baden-Württembergs zusätzlich, die ohnehin mit vielen strukturellen Nachteilen im internationalen Vergleich zu kämpfen hat“, betont Rentschler. Innerhalb des BWIHKs ist die IHK Ostwürttemberg federführend für die Themen Wohnen und Bauen. Zusätzlichen Druck erzeugen laut BWIHK die rückläufige Bautätigkeit und schwierige Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft. Mit Blick auf die neue Landesregierung nach der Wahl im März 2026 fordern die IHKs verlässliche und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen, um den Wohnungsbau wieder anzukurbeln und kostengünstiger zu machen. Mehr Wohnraum dürfe jedoch nicht zulasten dringend benötigter Gewerbeflächen entstehen.
Handlungsfelder für Politik und Kommunen
Das Grundsatzpapier bündelt deshalb zentrale Handlungsfelder: schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, strategische Flächenentwicklung, Bürokratieabbau und angepasste Baustandards, die digitale Transformation der Bauwirtschaft sowie stärkere Investitionsanreize. Auch Verbesserungen bei Förderinstrumenten wie AfA, der Grunderwerbsteuer und der Finanzierung seien notwendig. Rentschler warnt: „Wir müssen schneller und wir müssen mehr bauen – sonst entwickelt sich Mangel an Wohnräumen zum nächsten strukturellen Standortrisiko.“
WAB