die WIRTSCHAFT | Das Magazin
Nr. 6985354
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IHK Ulm

NIS-2 und KRITIS bringen Chancen für die Resilienzsteigerung

Was ist ein BCM und für was sind Sie im Unternehmen zuständig?

Business Continuity Management, oder BCM, ist ein systematischer Ansatz, mit dem sichergestellt werden kann, dass ein Unternehmen auch in Krisensituationen nach einem unerwarteten Ereignis wie Naturkatastrophen, Cyberangriffen oder anderen erheblichen Störungen weiterhin funktionsfähig bleibt – und der Normalbetrieb zügig wiederhergestellt wird. Es geht darum, Risiken zu identifizieren, die den Geschäftsbetrieb gefährden könnten, und Strategien zu entwickeln, um diese Risiken zu minimieren und die Kontinuität der Geschäftsprozesse im Schadensfall zu gewährleisten. Ein effektives BCM schützt die Unternehmensressourcen und -werte und stärkt das Vertrauen von Kunden, Partnern und Mitarbeitenden. Als Business Continuity Manager verantworte ich die Konzeption und Umsetzung des BCM für die HENSOLDT Gruppe weltweit.

Was konkret verbirgt sich hinter KRITIS und NIS-2?

NIS-2 ist die zweite Version der EU-Richtlinie über die Sicherheit von Netz- und Informationssystemen und ist durch die EU-Staaten in nationale Gesetze umzusetzen. NIS-2 zielt darauf ab, die Sicherheitsstandards für Netz- und Informationssysteme zu verbessern und legt fest, dass Unternehmen bestimmte Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen, um ihre Netzwerke und Systeme vor Cyberbedrohungen zu schützen.

Das KRITIS-Dachgesetz wird – sobald beschlossen – die Regelungen von NIS-2 ergänzen. Der Begriff KRITIS fasst Unternehmen und Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur zusammen. Unternehmen, die in diesen Sektoren tätig sind und dabei mehr als 500.000 Personen versorgen, werden als essenziell für die Gesamtversorgung in Deutschland betrachtet.

Jeder Betreiber muss in Zukunft auf die spezifischen Risiken mit passgenauen Maßnahmen reagieren – dies können beispielsweise die Bildung von Notfallteams, Schulungen für Beschäftigte, Objektschutz und Maßnahmen zur Sicherstellung der Kommunikation, Notstromversorgung oder Maßnahmen zur Ausfallsicherheit und Ersatzversorgung sein.

Welche Pflichten haben betroffene Unternehmen?

Ist man als Unternehmen betroffen, so besteht eine Pflicht zur Registrierung beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) im Falle des KRITIS Dachgesetzes und beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), wenn ein Unternehmen in den Gültigkeitsbereich von NIS- 2 fällt. Es entstehen neue Meldepflichten gegenüber den beiden Behörden für sicherheitsrelevante Vorfälle.

Des Weiteren sind Risikoanalysen und Risikobewertungen durchzuführen, Notfallpläne aufzustellen und diese regelmäßig zu üben.

Wie geht man dabei vor?

Nach der Feststellung der Betroffenheit ist ein erster Schritt die Registrierung des Unternehmens und eine Prüfung der Anforderungen gegenüber bereits etablierten Verfahren und Einrichtungen im Unternehmen. Diese Analyse hilft, notwendige Verbesserungen zu erkennen und daraus einen Maßnahmenplan abzuleiten, um die Gesetzesanforderungen erfüllen zu können. Insbesondere beim NIS-2- Gesetz sind ein ausgeprägtes Krisenmanagement sowie IT Service Continuity Management (ITSCM) und IT-Sicherheitsmanagement (ITS) gefragt. Abgerundet wird dies durch ein Business Continuity Management (BCM).

Wie bewerten Sie die Gesetze?

Die NIS-2-Richtlinie stellt einerseits eine erhebliche Herausforderung für Unternehmen dar, bietet aber gleichzeitig die Möglichkeit, die eigene Cyber-Resilienz zu stärken und sich besser gegen die zunehmenden Bedrohungen im digitalen Raum zu wappnen. Auf der anderen Seite haben viele Unternehmen ohnehin bereits Anforderungen aus den Gesetzen im Eigeninteresse und im Rahmen einer IT-Roadmap etabliert. Der Anschlag auf das Stromnetz im Süden Berlins nach dem Jahreswechsel zeigt, wie verletzbar unsere Infrastruktur ist und wie wichtig eine gute Vorsorge für Krisenfälle sowohl für Unternehmen als auch für Privatpersonen ist, um handlungsfähig bleiben zu können. Ein resilientes und gut geschütztes Unternehmen schützt automatisch auch Kunden und Lieferanten und ist somit ein Stützpfeiler einer robusten Lieferkette.
IHK Ulm
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