die WIRTSCHAFT | Das Magazin
Nr. 6649834
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Fachartikel

Energiewende sichert Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand

Die Wirtschaft in Baden-Württemberg hat die Zeichen der Zeit erkannt: Die Energiewende ist für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in unserem Land lebenswichtig.
“Die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien ist zu einem der wichtigsten Standortfaktoren geworden.”
- Thekla Walker
Die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien ist zu einem der wichtigsten Standortfaktoren geworden. Das höre ich immer wieder bei meinen Besuchen vor Ort. Sei es bei einer Papierfabrik in Aalen, bei einem Maschinenbauer in Biberach oder einem Automobilzulieferer in Renningen. Die Unternehmen wollen nicht abhängig sein von der Endlichkeit oder den Versorgungsengpässen der fossilen Brenn-, Kraft- und Heizstoffe. Die durch internationale Krisen verursachten Preissteigerungen und -ausbrüche belasten sie. Unternehmen brauchen stattdessen eine günstige, verlässliche und unabhängige, weil regionale Energieversorgung. Das leisten nur erneuerbare Technologien. Aus diesem Grund hat die Landesregierung in Baden-Württemberg die entsprechenden Rahmenbedingungen gesetzt und das Tempo für den Ausbau erneuerbarer Energien deutlich erhöht.
Beim Solarausbau steigen unsere Zahlen rasant. Unser Ziel, die Photovoltaik 2023 um 1.150 Megawatt aufzustocken, haben wir bereits bis Ende September mit 1.340 Megawatt übererfüllt. Allein dieser Zuwachs entspricht der Nettoleistung des Atomkraftwerks Neckarwestheim II. Die Voraussetzungen hierfür haben wir unter anderem durch die Solarpflicht auf Dächern bei Neubauten und grundlegenden Dachsanierungen geschaffen. Großes Potenzial hat in naher Zukunft die „doppelte Ernte“ mit Agri-PV, also Solaranlagen über weiterhin landwirtschaftlich genutzten Flächen. Um den nötigen Ausbau der Windenergie zu beschleunigen, hat die Landesregierung eine Task Force mit dem Ziel eingerichtet, die Abläufe in den Behörden zu verkürzen. Diese hat die Grundlagen geschaffen, dass sich die Planungs- und Genehmigungsprozesse bei einer Windenergieanlage halbieren können. Als Land wollen wir nicht nur entbürokratisieren, wir wollen eine neue wirtschaftliche Dynamik entfalten: Ich bin optimistisch, dass wir im Windsektor bald einen starken Hochlauf sehen werden. Landesweit produzieren aktuell 769 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.750 Megawatt Strom. 132 Anlagen sind genehmigt, aber noch nicht in Betrieb. Für weitere 172 Anlagen laufen Verfahren, und 170 Anlagen sind als Projekt vorgestellt. Damit sind über 470 Anlagen in unterschiedlichen Planungsstadien auf den Weg gebracht.
Wir wollen noch mehr: Aufgrund der zunehmenden Elektrifizierung in den Sektoren Verkehr und Wärme werden wir in Zukunft weiteren grünen Strom benötigen. Deswegen sorgen wir dafür, dass mehr Flächen für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Baden- Württemberg zur Verfügung stehen. Im Rahmen der Regionalen Planungsoffensive sind gerade alle zwölf Regionalverbände dabei, so schnell wie möglich mindestens 2 Prozent der Landesfläche für erneuerbare Energien planerisch auszuweisen: 1,8 Prozent für die Windkraft und mindestens 0,2 Prozent für Freiflächenphotovoltaik.
Um all diese Ziele zu erreichen, brauchen wir als Gesellschaft Mut und Lust auf Veränderung. Hier haben wir noch eine weite Wegstrecke vor uns. Grundsätzlich ist eine große Mehrheit im Land für Umwelt- und Klimaschutz. Wenn es jedoch konkret wird und Konflikte entstehen, dann wird der Klimaschutz in der politischen Debatte oft hintenangestellt. Umso mehr brauchen wir vonseiten der Wirtschaft eine breite, öffentliche Unterstützung bei der Bewältigung unserer gemeinsamen Zukunftsaufgaben. Um die Bürgerinnen und Bürger auf diesem Transformationsweg mitzunehmen und nicht im fossilen Status Quo zu erstarren, brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens: Erneuerbare Energien sind die Grundlage für eine gute Zukunft. Eine erfolgreiche Energiewende sichert unseren Wohlstand.
Darüber hinaus schaffen Investitionen in erneuerbare Technologien im Gebäude-, Energie- und Mobilitätssektor neuen Wohlstand. Sie sind der Motor für eine grüne Industrialisierung. Die Investitionen in die erneuerbaren Energien in Deutschland steigen jedes Jahr. Von 2019 bis 2022 haben sie sich auf 20 Milliarden Euro verdoppelt. Erneuerbare Technologien können ein zentraler Wirtschaftszweig mit regionaler Wertschöpfung für unser Land werden. Gemäß dem Motto von US-Präsident Joe Biden: „When I hear climate, I think jobs.“
Ich bin überzeugt: Die Unternehmen in Baden-Württemberg und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind prädestiniert, diese Transformation massiv und schnell voranzubringen und Technologieführer auch in dieser Phase zu werden.
Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg
IHK Ulm
Olgastraße 95-101
89073 Ulm
Tel. 0731 173-0
E-Mail: info@ulm.ihk.de

Die Energiewende braucht Platz

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Helmut Hertle ist Geschäftsführer der TWS Netz GmbH, Ravensburg. Die TWS sind der zentrale Energieversorger in Ravensburg und betreiben sieben eigene Windparks mit 18 Windkraftanlagen in ganz Deutschland. Außerdem ist der Energiedienstleister an einem Windparkportfolio im Onshore-Bereich und an einem Offshore-Windpark beteiligt. Wir sprachen mit Helmut Hertle über Repowering, die Chancen des Wasserstoffs und darüber, was getan werden muss, um in der Bevölkerung Akzeptanz für die Energiewende zu schaffen.

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Im Zuge der Windkraftoffensive Baden-Württemberg haben die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm und die iTerra energy im Ausschreibungsverfahren des ForstBW den Zuschlag für potenzielle Windenergieflächen im Altdorfer Wald, einem Höhenzug im Landkreis Ravensburg, erhalten. Der Windpark Altdorfer Wald befindet sich derzeit aktiv in Planung, über das Projekt spricht Klaus Eder, Geschäftsführer der SWU, im Interview.

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Es ist wohl einer der größten Transformationsprozesse des Landes: Damit Baden-Württemberg bis 2040 klimaneutral werden kann, sollen 2 Prozent der Flächen für erneuerbare Energien genutzt werden, darunter 1,8 Prozent für Windkraft und mindestens 0,2 Prozent für Freiflächenphotovoltaik – das ist mehr als der Anteil der Industrie- und Gewerbeflächen in den IHK-Regionen Bodensee-Oberschwaben und Ulm. Investoren zeigen großes Interesse, auch kleine und mittelständische Unternehmen wollen sich einbringen. Wir haben nachgefragt: Wie läuft die Suche nach geeigneten Flächen bei den Regionalverbänden? Welche Herausforderungen sehen Unternehmen und Investoren? Und wo gibt es Hürden, wo bereits erste Erfolge?

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