Wirtschaftspolitische Position der IHK Region Stuttgart

Logistikflächen sichern

Positionen:
  • Besondere Bedeutung hat die langfristige Sicherung von Flächen für die logistischen Knoten in der Region. Unter anderen sind dies insbesondere die öffentlichen Häfen Plochingen und Stuttgart. In vielerlei Hinsicht günstig erscheint zudem der Logistikknoten in Kornwestheim mit dem dort vorhandenen Umschlagbahnhof für den kombinierten Verkehr Straße/Schiene. Darüber hinaus hat die regionale Wirtschaft nicht zuletzt aufgrund ihrer ausgeprägten Exportorientierung ein grundsätzliches Interesse, dass derartige Infrastrukturen und Flächen letztlich auch überregional bestehen, aufrechterhalten, ausgebaut oder erstellt werden.
  • Dezentrale Terminals des kombinierten Verkehrs außerhalb der Kernregion bzw. in angrenzenden Räumen außerhalb der Region Stuttgart können eine Ergänzung der bestehenden logistischen Knoten darstellen. Sie sollten fallweise im Hinblick auf Kriterien wie Nachfrage, Erreichbarkeit und Investitionsbedarf geprüft und ggf. unterstützt werden.
  • Auch bei Konversionsflächen bietet es sich grundsätzlich an zu prüfen, ob diese primär oder in Teilen einer logistischen Nutzung zugeführt werden können.
  • Da die Planung und der Bau neuer Terminals erhebliche Widerstände in der Bevölkerung auslösen kann (z.B. Bürgerentscheid zum Terminal Eutingen im Gäu im Jahr 2015), wäre es der Wunsch der Wirtschaft, dass die Landesregierung in den Fällen, in denen Standorte konkretisiert werden, ihr Interesse an einer Stärkung des kombinierten Verkehrs und der damit einhergehenden Infrastruktur auch in der Öffentlichkeit zum Ausdruck bringt.
  • Nicht-gewerbliche oder nicht kompatible Nutzungen in logistikaffinen Gebieten verstärken im Zuge der bestehenden Flächenknappheit den Druck auf bereits ansässige oder ansiedlungswillige Unternehmen und sind ein weiterer Grund, weshalb mehr und mehr Logistikansiedlungen fernab der (Wertschöpfungs-)Zentren entstehen. Da es aber meist jene Zentren sind, die Güterverkehre erzeugen und / oder anziehen, wirken Ansiedlungen im „erweiterten Speckgürtel“ unter Umständen emissionserhöhend. Um Konfliktpotenziale gar nicht erst aufkommen zu lassen und die Effizienz der Logistik zu steigern, sollten derartige Nutzungen sehr kritisch hinterfragt werden.
  • Gewerbegebiete und logistische Flächen sind in starkem Maße von einer guten verkehrlichen Anbindung abhängig. Auch bei bereits bestehenden Ansiedlungen sollte die Erschließung überprüft und gegebenenfalls verbessert werden, z.B. beim Gewerbegebiet Tränke in Stuttgart Degerloch, wo der bestehende Halbanschluss (Auf- und Abfahrt jeweils nur in oder aus einer Richtung) an die B27 zu Umwegverkehren und damit zur einer erhöhten verkehrlichen Belastung anderer umliegender Gebiete gegenüber einem Vollanschluss führen dürfte. Ein anderes Beispiel für eine optimierungsfähige Verkehrsanbindung ist der Stuttgarter Synergie Park (Gewerbegebiet Vaihingen / Möhringen) mit der Nord-Süd-Straße, die den verkehrlichen Bedürfnissen nicht gerecht wird.
  • Auf kommunaler Ebene sollten die kommunikativen Anstrengungen gegenüber den Entscheidungsträgern und Verantwortlichen sowie den Bürgern zur Verbesserung des Images der Logistikdienstleister vorangetrieben werden. Politik und Verwaltung sollten den Erhalt und wo notwendig, auch den Ausbau der Infrastruktur ermöglichen und in der Raumplanung bzw. Flächennutzungsplanung berücksichtigen. Dass die bestehende Limitierung der Straßeninfrastruktur in einigen Bereichen einen wesentlichen Anteil daran hat, dass es zu Staus kommt, belegt das IHK-Gutachten zu Stauursachen in der Region Stuttgart aus dem Jahr 2017.
  • Auf kommunaler Ebene sollte zum einen die Ausweisung geeigneter Flächen für Park- und Rastanlagen, zum anderen die Bereitstellung sicherer Lkw-Abstellflächen und, wo sinnvoll und möglich, von Autohöfen, gefördert werden. Potenzial besteht auch darin, Parkflächen in autobahnnahen Gewerbe- und Industriegebieten auszuweisen.
  • Auch im innerstädtischen Bereich zeichnet sich ab, dass unter anderem zur Verkehrs- und Emissionsreduzierung neue Lieferkonzepte Anwendung finden werden. Damit sind in aller Regel kleinere Liefergefäße verbunden, die aus größeren mobilen oder dezentralen ortsfesten Gefäßen oder Einrichtungen „befüllt“ werden. Je nach dem, welches System umgesetzt wird, sind dann zusätzliche Flächen für den Umschlag der Güter auf diese kleineren Gefäße notwendig. Diese Flächen lassen sich im öffentlichen Raum finden, gleichfalls können private Flächen einer logistischen Nutzung zugeführt werden. Auf regional- und kommunalpolitischer Ebene sollte dieser Aspekt insbesondere in Flächennutzungsplänen und bei konkreten Neu- oder Umbaumaßnahmen von Wohn- und/oder Gewerbequartieren berücksichtigt werden. Grundsätzlich erscheint es erstrebenswert, Liefervorgänge nicht vom öffentlichen Straßenraum aus geschehen zu lassen sondern dafür auf privatem Grund Ladezonen oder -rampen einzurichten.
  • Es zeichnet sich eine zunehmende „Paketisierung“ ab - sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich. Wenn dem privaten wie auch dem gewerblichen Empfänger immer mehr Güter in Paketen zugestellt werden, sollte nach Möglichkeit an zentralen Punkten, an denen z.B. verschiedene Mobilitätsformen zusammentreffen, eine Flächenvorsorge stattfinden, die es akut oder auch zu einem späteren Zeitpunkt erlaubt, dort „Übergabepunkte“ einzurichten (z.B. im Sinne einer barrierefreien und für alle Transportdienstleiter und Empfänger nutzbaren „Paketstation“, Stichwort „Urban Hub“). Um diese Aufgabe erfüllen zu können, sollten diese Flächen aus Gründen der Effizienz auch mit größeren Fahrzeugen angefahren werden können.
  • Bei (größeren) Neu- oder Umbaumaßnahmen von Wohn und / oder Gewerbegebieten sollten die grundlegenden Richtlinien der Gebietskörperschaften bzw. die Bebauungspläne verstärkt berücksichtigen bzw. im Sinne eines Basiskonzeptes auch Vorgaben dazu machen, wie diese Gebiete bzw. die dort ansässigen Unternehmen und Bürger logistisch ver- und entsorgt werden. Dazu gehört auch die zu diesen Quartieren hin oder wegführende Verkehrsinfrastruktur im weiteren Umfeld (Stichworte: Erreichbarkeit einerseits und Durchlässigkeit für die notwendigen Gefäße/Fahrzeuggrößen andererseits). Liefer- und Ladezonen bzw. -rampen, die die logistischen Aktivitäten aus dem öffentlichen Raum herausnehmen und dem privaten Raum zuschlagen, erscheinen grundsätzlich angezeigt. Den Folgen der oben angesprochenen Paketisierung sollten auch hier möglichst proaktiv begegnet werden um (späteren) negativen Auswirkungen entgegenzuwirken.


Hintergrund:

Die Logistikdienstleister leiden wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig unter einem schlechten öffentlichen Image. Logistik wird insbesondere auf kommunaler Ebene überwiegend mit Lärm, Abgasen und hohem Flächenverbrauch bei geringer Arbeitsplatzdichte in Verbindung gebracht. Das wird den Realitäten und der Bedeutung der Logistik grundsätzlich nicht gerecht und verkennt den elementaren Beitrag der Logistiker für die Bedürfnisse der Unternehmen und der Bürger. Ohne durchgetaktete und innovative Logistikleistungen würden große Teile der Wirtschaft zum Erliegen kommen. Nahezu alle Unternehmen sind auf funktionierende Lieferketten angewiesen, rund zwei Drittel der Betriebe in der Region sind stark exportorientiert. Deshalb ist es für unseren Wirtschaftsraum von besonderer Bedeutung, über eine leistungsfähige Logistikinfrastruktur und eine Anbindung an alle Verkehrsträger zu verfügen. Damit sind unweigerlich Flächenverbräuche für Straßen, Schienenwege, Binnenwasserstraßen, Flughäfen, Umschlaganlagen bzw. -flächen und andere Logistikimmobilien und -Einrichtungen verbunden.