Wirtschaftspolitische Position der IHK Region Stuttgart

Europa als Bildungsstandort festigen und zum Lernraum ausbauen

Positionen:
  • Berufliche Aus- und Weiterbildung muss europaweit verbessert werden. Die EU sollte über Zielmarken einen Wettbewerb um bildungspolitische Erfolge in Gang bringen. Dies gilt insbesondere bei Schulabbrechern und Jugendlichen ohne Ausbildung. Berichts- und Dokumentationspflichten sollen dabei modernen digitalen Anforderungen entsprechen.

  • Bei der beruflichen Bildung müssen aus Sicht der Wirtschaft Praxisnähe und Attraktivität europaweit verbessert werden. Berufliche Weiterbildung sollte EU-weit konsequent praktiziert werden. Wirtschaft und Sozialpartner sind aufgefordert, das Bewusstsein für Weiterbildung zu stärken und gemeinsam berufliche Bildung als gleichwertige Alternative zur Hochschulbildung zu etablieren. Die Politik sollte berufliche Weiterbildung durch bessere rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen unterstützen.

  • Die Wirtschaft fordert, bei der nationalen Umsetzung des Europäischen Qualifikationsrahmens müssen – analog zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) – auch hochwertige Abschlüsse der Berufsbildung in die oberen Niveaustufen der nationalen Qualifikationsrahmen eingeordnet werden. Ziel muss sein, die berufliche Bildung als gleichwertige Alternative zur Hochschulbildung zu etablieren.

  • Um das Studieren im europäischen Ausland weiter zu erhöhen, schlägt die Wirtschaft flexible Möglichkeiten der Anrechnung von Studienleistungen vor. National und europäisch sollte die Anrechnung von Studienleistungen transparent ausgestaltet werden und klaren Kriterien folgen.

  • Die EU-Bildungsprogramme sollten sich auf die Förderung von Auslandsaufenthalten, insbesondere in Betrieben, konzentrieren und mit mehr Finanzmitteln ausgestattet werden und den Verwaltungsaufwand zu Lasten der Unternehmen auf ein Mindestmaß reduzieren.



Hintergrund:

Die Arbeitslosigkeit der jungen Menschen liegt in der EU bei 19 Prozent. Jeder achte 18- bis 24-Jährige hat entweder keinen Schulabschluss oder ist ohne abgeschlossene Berufsausbildung nach der Sekundarstufe I. Ein zu großer Teil ist somit ungenügend für die Anforderungen des Arbeitsmarktes qualifiziert. Nur etwa jeder dritte junge Europäer zwischen 30 und 34 Jahren hat einen Hochschul- bzw. Fachhochschulabschluss oder einen gleichwertigen Fachwirt- bzw. Meisterabschluss. Als Lern- und Arbeitsraum steht die EU noch am Anfang. Zwar lassen sich durch den Bologna-Prozess sowie das Studenten-Austauschprogramm ERASMUS erste Erfolge erkennen, allerdings absolvieren bisher nur rund zehn Prozent der Studenten Auslandssemester und nur ca. vier Prozent der Auszubildenden und Fachkräfte einen Auslandsaufenthalt. Für die sehr stark international ausgerichtete Wirtschaft wäre es vorteilhaft, wenn ihre Fachkräfte Erfahrungen mit anderen Ländern und Kulturen einbringen könnten, die u. a. im Rahmen von Auslandssemestern oder Aufenthalten bei Unternehmen im Ausland gewonnen worden sind.