Industrie, Herbst 2026

Exporte und Staatskonsum beflügeln die Industrie

Die Industrie in Baden-Württemberg ist aus ihrer Talsohle heraus. Der Lageindikator steigt um 8 Punkte auf 9 Punkte, die Geschäftserwartungen klettern um 16 Punkte auf plus 13 Punkte. Im Vorjahresvergleich liegt die Lage um 22 Punkte höher.
Die Belebung ist jedoch auf ein starkes Auslandsgeschäft, Großprojekte und wenige Branchen konzentriert: Rechenzentren, Netze und Verteidigung füllen die Auftragsbücher in der Elektrotechnik oder dem Maschinenbau. Doch die Kapazitätsauslastung bleibt klar unter dem langjährigen Durchschnitt. Exportseitig gewinnt Europa an Bedeutung, und die Erwartungen für das US-Geschäft steigen deutlich. China dagegen fällt zurück. Am Arbeitsmarkt kommt die Erholung nicht an: Fast jedes dritte Industrieunternehmen plant weiteren Stellenabbau, der vor allem von großen Unternehmen des Automobilclusters ausgeht und strukturelle Gründe hat.
Knapp 31 Prozent der Industrieunternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut, knapp 22 Prozent als schlecht. Der Lageindikator steigt damit spürbar von 1 auf 9 Punkte. Noch deutlicher hellt sich der Blick nach vorn auf: 29 Prozent der Unternehmen erwarten bessere Geschäfte, nur 16 Prozent schlechtere. Der Erwartungsindikator klettert von minus 3 auf plus 13 Punkte. Die Ertragslage bleibt mit minus 3 Punkten leicht negativ, verbessert sich aber moderat um 6 Punkte. Auch wenn der Aufschwung auf dem Auslandsgeschäft und den Sondervermögen beruht, blicken mehr Unternehmen positiv als abwartend in die Zukunft.
An der Risikostruktur ändert sich die Rangfolge, kaum aber das Niveau. Deutlich wird, dass inländische Risikofaktoren nicht abnehmen, sich die Lage außerhalb des Landes aber etwas beruhigt und das Geschäft der exportorientierten Industrie aufleben lässt. Energiepreise und Inlandsnachfrage werden von jeweils 62 Prozent der Unternehmen genannt, die Arbeitskosten rücken mit 60 Prozent auf Rang drei vor. Deutlich seltener als im Frühsommer werden geopolitische Spannungen (57 Prozent, minus 9 Prozentpunkte), Lieferketten (32 Prozent, minus 9 Prozentpunkte) und Rohstoffpreise (55 Prozent, minus 6 Prozentpunkte) genannt. Und doch bleiben sie sehr präsent, von einer Entspannung ist noch keine Rede. Der Fachkräftemangel gewinnt mit 29 Prozent der Nennungen leicht an Bedeutung; es fällt mehr Unternehmen schwer, eine Stelle mit ausgebildetem Personal zu besetzen.
Die Tendenz der Auftragseingänge ist im Aufschwung. Der Indikator steigt von minus 1 auf plus 5 Punkte, im Inland von minus 11 auf minus 4 Punkte und im Ausland von 1 auf 8 Punkte. Hier zeigt sich klar, dass der Export die gute Lage der Industrie trägt. Die Breite der Branche profitiert davon aber nur begrenzt: Noch immer melden 28 Prozent der Unternehmen sinkende Inlandsaufträge. Die zusätzliche Nachfrage kommt zu einem großen Teil aus Großaufträgen. Fahrzeugbau und Maschinenbau profitieren vom Sondervermögen, sofern sie im Defense-Bereich aktiv sind. Auch die Elektrotechnik profitiert stark von aktuellen Entwicklungen.
Die Kapazitätsauslastung stagniert bei knapp 80 Prozent und liegt damit rund 3 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Die Aufträge kommen zurück, die Werke erreichen aber keine Vollauslastung. Entsprechend zurückhaltend sind die Investitionspläne. Der Investitionsindikator verbessert sich spürbar von minus 11 auf minus 2 Punkte, doch nur 22 Prozent der investierenden Unternehmen nennen eine Kapazitätserweiterung als Motiv. Häufiger geht es um Ersatzbedarf (66 Prozent), Digitalisierung (53 Prozent) und Rationalisierung (46 Prozent). Auch eine Verlagerung der Investitionen ins Ausland spielt bei zunehmend vielen Betrieben eine Rolle.
Die Beschäftigungspläne bleiben tief im negativen Bereich. Der Indikator verbessert sich moderat von minus 23 auf minus 18 Punkte; gut 30 Prozent der Unternehmen wollen Personal abbauen, nur 13 Prozent aufbauen. Der Personalabbau setzt sich fort, weil sich Teile des Geschäfts am Standort als nicht mehr wettbewerbsfähig erweisen. Eine bessere Lageeinschätzung bedeutet deshalb keine Beschäftigungswende. Das wird durch die Investitionspläne und die Risikofaktoren betont. Der baden-württembergische Standort setzt kaum Anreize zu investieren und Personal aufzubauen.
Der Maschinenbau gewinnt vor allem an Zuversicht. Der Erwartungsindikator klettert stark von minus 1 auf plus 23 Punkte, die Exporterwartungen von 6 auf 28 Punkte. Die aktuelle Lage verbessert sich dagegen nur moderat von minus 1 auf plus 5 Punkte, und die Beschäftigungspläne bleiben mit minus 14 Punkten negativ, wenn auch 12 Punkte besser als im Frühsommer. Belastend wirkt das China-Geschäft. Exporte in die Volksrepublik nehmen weiter ab. Gleichzeitig ist China auf Drittmärkten zum direkten Wettbewerber geworden.
In der Metallindustrie verbessert sich die Lage spürbar von minus 7 auf plus 6 Punkte, die Erwartungen steigen stark auf plus 11 Punkte; der Personalabbau setzt sich mit einem Beschäftigungsindikator von minus 21 Punkten fort. Hier existiert eine Sonderkonjunktur durch Rüstung und Verteidigung. Die staatliche Nachfrage wird aber kaum langfristig für einen Aufschwung in der Branche sorgen.
Die Elektrotechnik präsentiert sich als stärkste Industriebranche. Der Lageindikator steigt spürbar von 14 auf 24 Punkte, die Erwartungen klettern von 13 auf 27 Punkte. Getragen wird das von Großaufträgen der Informations- und Kommunikationstechnik, der Nachfrage nach Netz- und Energietechnik sowie vom KI-Boom und der Nachfrage nach Sensorik. Die Beschäftigungspläne bleiben dennoch mit minus 11 Punkten unverändert negativ.
Im Fahrzeugbau springt der Lageindikator von minus 12 auf plus 18 Punkte. Die Branche umfasst neben der Automobilindustrie auch den sonstigen Fahrzeugbau einschließlich Militärfahrzeugen. Auch ein Teil der Zulieferer hat sich aufgrund der staatlichen Sondervermögen auf Verteidigungsaufträge umgestellt. Für die Automobilindustrie selbst lässt sich daraus keine Erholung ablesen. Die Beschäftigungspläne gehören mit minus 28 Punkten zu den schwächsten der Industrie.
Die Chemie- und Pharmaindustrie bleibt mit einem Lageindikator von 27 Punkten auf gutem Niveau, gibt aber gegenüber dem Frühsommer moderat um 6 Punkte nach. Insbesondere die Chemieindustrie profitiert vom industriellen Umfeld der Region und dessen Auftragsplus. Viele Produkte landen unmittelbar in den Produktionsketten der Industrie.
Die Exporterwartungen der Industrie verbessern sich deutlich von 5 auf 19 Punkte. Die Hoffnung ist vor allem europäisch: Für die Eurozone steigt der Indikator von 3 auf 15 Punkte, für die übrige EU von 0 auf 6 Punkte. Bemerkenswert ist der Sprung bei den Erwartungen für die USA von 1 auf 17 Punkte. Hier scheint eine größere Planungssicherheit vorzuliegen als noch in der ersten Jahreshälfte. Für Asien steigen die Erwartungen leicht auf 8 Punkte. Spürbar eingetrübt hat sich dagegen das China-Geschäft: Der Indikator fällt von minus 2 auf minus 12 Punkte. Die deutschen Exporte nach China nehmen immer mehr ab, weil chinesische Unternehmen zunehmend auf heimische Wertschöpfung setzen. Zudem ist auch die chinesische Konjunktur nicht so hoch wie noch vor wenigen Jahren.