Hotels und Gaststätten, Herbst 2026
Die Saison hellt die Lage auf, die Kosten drücken
Das Gastgewerbe in Baden-Württemberg blickt auf eine deutlich bessere Sommersaison zurück. Der Lageindikator steigt stark von minus 16 auf plus 4 Punkte und liegt damit auch 18 Punkte über dem Vorjahreswert.
Die Erholung ist jedoch ungleich verteilt: Die Hotellerie steht besser da als die Gastronomie, Privatgäste kehren zurück, Geschäftsreisende bleiben aus. Auf der Kostenseite ändert sich wenig. Arbeitskosten und Energiepreise belasten jeweils mehr als vier von fünf Betrieben, und mit den Gaspreisen steigt in der kommenden Heizperiode der größte Kostenblock nach dem Personal. Zunehmend als Belastung wahrgenommen wird die Wirtschaftspolitik. Die Geschäftserwartungen bleiben tief im negativen Bereich.
Gut 27 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut, 23 Prozent als schlecht. Ein Teil der Verbesserung ist saisonal, denn der Herbst erfasst die Sommersaison. Der deutliche Abstand zum Vorjahr zeigt aber, dass die Saison besser verlaufen ist als 2025. Der Umsatzindikator springt von minus 31 auf minus 6 Punkte, in der Hotellerie von minus 29 auf plus 3 Punkte und in der Gastronomie von minus 36 auf minus 25 Punkte. Die Zimmerauslastung verbessert sich von minus 44 auf minus 15 Punkte.
Die Hotellerie dreht mit einem Lageindikator von 7 Punkten ins Positive, die Gastronomie bleibt mit minus 3 Punkten knapp im negativen Bereich. Die Gastronomie ist geprägt von vielen kleinen Betrieben mit geringen Margen, die zusätzliche Kosten kaum an preissensible Gäste weitergeben können. Das zeigt sich in der Ertragslage, die in der Gastronomie mit minus 18 Punkten deutlich schwächer ausfällt als in der Hotellerie mit minus 10 Punkten. Auch auf Kundenseite gibt es Unterschiede: Der Umsatz mit Privatgästen erholt sich kräftig, während der Umsatz mit Geschäftskunden sich leicht auf minus 47 Punkte verschlechtert. Geschäftsreisen hängen an der Lage und den Kosten der Unternehmen; bei hoher Kostenbelastung wird hier früh gespart.
Die Erträge bleiben trotz besserer Umsätze unter Druck. Der Ertragsindikator im Gastgewerbe verbessert sich zwar stark von minus 29 auf minus 12 Punkte, liegt aber weiter klar im Minus. Preiserhöhungen decken die gestiegenen Personal- und Energiekosten nicht; bereits 2025 schlossen bundesweit so viele Betriebe wie lange nicht. Die Arbeitskosten führen die Risiken mit 84 Prozent an, die Energiepreise folgen mit 83 Prozent. Besonders Hotels haben einen hohen Personal- und Energiekostenanteil für Reinigung, Heizung und Warmwasser.
Deutlich an Bedeutung gewinnt die Wirtschaftspolitik, die 42 Prozent der Betriebe als Risiko nennen, 11 Prozentpunkte mehr als im Frühsommer. Die Branche sieht sich von mehreren politischen Vorhaben zugleich betroffen, darunter eine geplante Zuckersteuer, eine mögliche Verteuerung der Minijobs und neue EU-Vorgaben für Nachhaltigkeitsaussagen. Für personal- und minijobintensive Betriebe sind gerade die Minijob-Pläne von großer Tragweite. Als einmaliger Niveaueffekt wird die Senkung der Umsatzsteuer auf Speisen zunehmend von steigenden Kosten aufgezehrt.
Entsprechend bleibt der Ausblick eingetrübt. Der Erwartungsindikator verbessert sich moderat von minus 28 auf minus 20 Punkte; 29 Prozent der Betriebe rechnen mit schlechteren Geschäften, nur 9 Prozent mit besseren. In der Gastronomie verharren die Geschäftserwartungen mit minus 33 Punkten auf sehr niedrigem Niveau. Die Beschäftigungspläne bleiben im Gastgewerbe mit minus 30 Punkten die schwächsten aller Hauptbranchen. Die Investitionspläne drehen dagegen leicht ins Positive auf 2 Punkte.
