Handel, Herbst 2026
Großhandel im Aufwind, Einzelhandel in der Flaute
Im Handel öffnet sich die Schere zwischen Groß- und Einzelhandel. Die Erholung der Industrie lässt auch den an sie angebundenen produktionsverbindenden Großhandel aufatmen. Lage, Umsatz und Bestelleingang verbessern sich spürbar bis stark, die Geschäftserwartungen drehen ins Positive.
Belastend wirkt zunehmend die Wirtschaftspolitik, die inzwischen fast jeder zweite Großhändler als Risiko nennt. Der Einzelhandel dagegen verharrt tief im negativen Bereich. Insgesamt steigt der Lageindikator im Handel von minus 12 auf minus 8 Punkte, die Erwartungen verbessern sich von minus 22 auf minus 10 Punkte.
Im Einzelhandel ändert sich die Lage kaum. Der Lageindikator verharrt mit minus 14 Punkten auf dem Niveau der Vorumfrage; nur 16 Prozent der Händler bewerten ihre Geschäftslage als gut, 30 Prozent als schlecht. Die Ertragslage bleibt mit minus 23 Punkten unverändert angespannt. Der Umsatzindikator verbessert sich zwar spürbar von minus 38 auf minus 27 Punkte, doch noch immer berichten 46 Prozent der Unternehmen von sinkenden Umsätzen. Grund dafür ist vor allem das Konsumverhalten. 73 Prozent der Einzelhändler bezeichnen dieses als zurückhaltend, nur ein einziges Prozent als kauffreudig. Die Schwäche trifft vor allem Händler langlebiger Güter wie Möbel, Textilien oder Unterhaltungselektronik, deren Kauf sich leicht verschieben lässt. Der Lebensmittelhandel ist dagegen weniger konjunkturabhängig, da der Grundbedarf kaum aufschiebbar ist.
Entsprechend nennen zwei Drittel der Einzelhändler die Inlandsnachfrage als Risiko. Doch noch etwas häufiger werden die Energiepreise genannt (68 Prozent). Auch die Arbeitskosten erwähnen sechs von zehn Händlern. Mit der geringen Nachfrage lassen sich die hohen Fixkosten nur schwer decken.
Die Geschäftserwartungen der Einzelhändler bewegen sich weiter tief im negativen Bereich und erreichen einen Saldo von minus 24 Punkten. Mehr als jeder dritte Händler rechnet mit schlechteren Geschäften. Die Beschäftigungspläne liegen mit minus 25 Punkten weiterhin deutlich im Minus. Auch die Investitionspläne bleiben mit minus 16 Punkten rückläufig.
Der Großhandel bewertet seine Lage dagegen spürbar besser. Der Lageindikator steigt von minus 9 auf minus 2 Punkte und nähert sich damit der Nulllinie. Kräftiger noch ziehen Umsatz und Auftragseingang an: Der Umsatzindikator dreht von minus 12 auf plus 4 Punkte ins Positive, der Auftragseingang klettert von minus 20 auf minus 4 Punkte. Für die Erholung ist der produktionsverbindende Großhandel maßgeblich, der eng an der Industrie hängt. Der Konsumgütergroßhandel kämpft dagegen weiter mit einer gedämpften Konsumstimmung. Hier nennen 80 Prozent die Inlandsnachfrage als Risiko, aber nur 16 Prozent das Auslandsgeschäft. Gerade deswegen kann sich die Lage dennoch verbessern. Die Ertragslage im Großhandel bleibt mit minus 13 Punkten angespannt.
Die Geschäftserwartungen der Großhändler verbessern sich stark von minus 13 auf plus 5 Punkte. Gut jedes vierte Unternehmen rechnet mit besseren Geschäften. Beim Personal bleibt der Großhandel dennoch zurückhaltend: Der Beschäftigungsindikator steigt zwar moderat auf minus 18 Punkte, doch fast 30 Prozent der Unternehmen planen einen weiteren Abbau. Die Investitionspläne verbessern sich spürbar auf minus 7 Punkte.
Bei den Risiken steht die Inlandsnachfrage mit 73 Prozent an erster Stelle, gefolgt von den Energiepreisen mit 60 Prozent und den Arbeitskosten mit 54 Prozent. Deutlich an Gewicht gewinnt die Wirtschaftspolitik: 45 Prozent der Großhändler sehen darin ein Risiko, 10 Prozentpunkte mehr als im Frühsommer
