Dienstleistungen, Herbst 2026
Dämpfer für die IT, Beratungstätigkeit läuft gut
Die Dienstleister in Baden-Württemberg bleiben ein Stabilitätsanker der Konjunktur. Der Lageindikator verharrt mit 20 Punkten auf gutem Niveau, die Geschäftserwartungen steigen spürbar von minus 12 auf 0 Punkte. Das Bild innerhalb des Sektors ist allerdings heterogen.
Finanzdienstleister und Beratungsunternehmen melden eine sehr gute bis gute Lage, die Planungsbüros profitieren von öffentlicher Nachfrage. Die IT-Dienstleister melden dagegen einen deutlichen Dämpfer bei der Lage, blicken aber wieder etwas zuversichtlicher nach vorn.
Knapp 35 Prozent der Dienstleister bewerten ihre Geschäftslage als gut, 15 Prozent als schlecht. Der Lageindikator bleibt damit bei 20 Punkten, die Ertragslage mit 9 Punkten im positiven Bereich. Der Erwartungsindikator verbessert sich um 11 Punkte auf 0 Punkte, positive und negative Erwartungen halten sich nun die Waage. Die Investitionspläne drehen leicht ins Positive auf 5 Punkte, die Beschäftigungspläne bleiben mit minus 6 Punkten unverändert. Unter den Risiken steht die Inlandsnachfrage mit 54 Prozent vorn, gefolgt von den Arbeitskosten (49 Prozent) und den Energiepreisen (46 Prozent).
Einen deutlichen Rückschlag erleben die ITK-Dienstleister. Ihr Lageindikator fällt um 13 Punkte auf 14 Punkte, die Beschäftigungspläne sinken von plus 5 auf minus 9 Punkte. Viele Industrieunternehmen priorisieren ihre IT- und Digitalisierungsbudgets derzeit stärker. Investitionen mit unmittelbar erkennbarem Nutzen für Produktivität, Automatisierung oder Kostenreduktion werden bevorzugt, während weniger dringliche Projekte häufiger verschoben werden. Zudem verändert der zunehmende Einsatz von KI-Werkzeugen die Nachfrage nach IT-Dienstleistungen, da einfache und standardisierte Aufgaben teilweise automatisiert werden können. Die Erwartungen verbessern sich dennoch von minus 4 auf plus 7 Punkte. Das steht wiederum im Einklang mit der insgesamt bundesweit gesteigerten Wertschöpfung im Bereich Information und Kommunikation, getragen vor allem von Software-, Cloud- und KI-Anwendungen.
Die Architektur- und Ingenieurbüros bleiben mit einem Lageindikator von 34 Punkten auf gutem Niveau. Ihre Erwartungen verbessern sich spürbar von minus 12 auf minus 2 Punkte, die Beschäftigungspläne liegen mit 11 Punkten im Plus. Als Planungsdienstleister gehören sie zu den Profiteuren der öffentlichen Infrastrukturausgaben. Auch die kaufmännische und rechtliche Beratung präsentiert sich robust: Die Lage verbessert sich leicht auf 31 Punkte, die Erwartungen steigen spürbar von minus 4 auf plus 8 Punkte.
Die Finanzdienstleister melden mit einem Lageindikator von 48 Punkten unverändert eine ausgezeichnete Lage, die Erwartungen bleiben mit 17 Punkten deutlich positiv. Der Zinsanstieg dürfte die Margen der Institute stützen. Die Kreditnachfrage der Unternehmen im Land zeigt sich stabil, bleibt angesichts der verhaltenen Investitionstätigkeit jedoch ohne größere Dynamik. Zusätzlichen Rückenwind erhält die Branche von der anhaltenden Nachfrage nach Beratungs-, Anlage- und Vermögensverwaltungsleistungen.
In der Immobilienwirtschaft gibt die Lage moderat von 10 auf 5 Punkte nach; das weiterhin erhöhte Zinsniveau bremst insbesondere fremdfinanzierte Projekte. Die Erwartungen verbessern sich jedoch spürbar auf minus 3 Punkte. Bei den überwiegend personenbezogenen Dienstleistern sinkt die Lage leicht auf 9 Punkte, während die Erwartungen stark von minus 31 auf minus 14 Punkte steigen; der schwache Inlandsabsatz sowie hohe Energiepreise und Arbeitskosten bleiben hier ein belastender Hintergrund. Die Gesundheitswirtschaft zeigt sich mit einem Lageindikator von 26 Punkten stabil, weil die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen konjunkturunabhängig ist. Die Werbebranche erlebt einen weiteren Dämpfer: Ihr Lageindikator sinkt moderat auf minus 11 Punkte, die Erwartungen bleiben mit minus 24 Punkten trotz Verbesserung deutlich negativ.
