Bauwirtschaft, Herbst 2026
Infrastrukturpaket kommt nur langsam an, Wohnungsbau zögert
Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg tritt auf der Stelle. Der Lageindikator verharrt mit 4 Punkten auf dem Niveau des Frühsommers und liegt 9 Punkte unter dem Vorjahreswert. Die Auftragseingänge sind weiterhin rückläufig, wenn auch nicht mehr so stark wie im Frühjahr.
Das Geld aus dem Infrastrukturpaket kommt im Straßen- und Tiefbau nur langsam an, der Wohnungsbau erholt sich trotz kräftig steigender Baugenehmigungen nur langsam. Gestiegene Zinsen, hohe Baukosten und eine ungeklärte Neubauförderung halten Bauherren zurück; Investitions- und Beschäftigungspläne verschlechtern sich innerhalb der Branche.
Knapp 22 Prozent der Bauunternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut, 18 Prozent als schlecht. Der Lageindikator bleibt damit mit 4 Punkten nahezu unverändert. Die Ertragslage verbessert sich leicht von minus 19 auf minus 16 Punkte und bleibt im negativen Bereich. Die Geschäftserwartungen verharren bei minus 22 Punkten. Dies zeigt, dass die Betriebe keine baldige Wende erwarten. Einen Bau-Turbo sieht die baden-württembergische Baubranche nicht kommen.
Die derzeitige Tendenz der Auftragseingänge in der Baubranche ist weiterhin fallend. Der Indikator steigt von minus 23 auf minus 18 Punkte. Im Straßen- und Tiefbau verbessert sich der Indikator von minus 31 auf minus 24 Punkte, im öffentlichen Hochbau von minus 42 auf minus 32 Punkte. Öffentliche Mittel fließen in Straße, Schiene und Leitungen und greifen diesen Sparten unter die Arme, doch nicht so sehr wie erhofft. Aufträge nehmen nicht zu. Auch im privaten Sektor schafft die Baubranche nicht die Flucht aus dem Tal. Der gewerbliche Hochbau verbucht einen Anstieg von minus 42 auf minus 22 Punkte. Der Auftragseingang im Wohnungsbau steht bei minus 27 Punkten. Der Abschwung ist nur leicht abgebremst, ein Aufleben der Baubranche scheint weit entfernt.
Dabei geben die Baugenehmigungen Anlass zur Hoffnung. Nach Angaben des Statistischen Landesamts wurden im ersten Halbjahr 2026 in Baden-Württemberg knapp 14.800 Wohnungen zum Bau freigegeben, 34 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bis aus Genehmigungen Aufträge werden, vergeht jedoch Zeit, zumal Zinsen und Förderung derzeit schwer kalkulierbar sind. Die erneute Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank verteuert die Finanzierung. Bauträger stellen Projekte deshalb zurück. Entsprechend nennen 34 Prozent der Bauunternehmen die Finanzierung als Risiko, ein im Branchenvergleich hoher Wert.
Die Kostenrisiken betreffen immer noch die Mehrheit der Bauwirtschaft. Die hohen Energiepreise werden von 70 Prozent der Unternehmen genannt, 9 Prozentpunkte weniger als im Frühsommer, die Rohstoffpreise von 64 Prozent, 10 Prozentpunkte weniger. Die Baupreise ziehen dennoch wieder an: Die Preise für Wohnungsneubau lagen im Mai rund 5 Prozent über dem Vorjahr. Die aus den Kosten resultierende geringe Inlandsnachfrage wird von 60 Prozent als Geschäftsrisiko genannt. Es folgen Arbeitskosten mit 54 Prozent und der Fachkräftemangel, den jedes zweite Bauunternehmen nennt.
Investitions- und Beschäftigungspläne geben moderat nach. Der Investitionsindikator sinkt von minus 18 auf minus 23 Punkte, nur 10 Prozent der Unternehmen wollen mehr investieren. Der Beschäftigungsindikator fällt von minus 11 auf minus 17 Punkte; mehr als jedes vierte Bauunternehmen rechnet mit einem Rückgang der Belegschaft. Gleichzeitig fehlen der Branche strukturell bedingt Fachkräfte. 51 Prozent geben an, dass sie keine Stellen besetzen können, weil die Fachkräfte nicht gefunden werden. Dieser Mangel kommt außerhalb der derzeitigen konjunkturellen Flaute noch stärker zum Tragen.
