Pressemitteilung 19. Oktober 2026
Mehr Zuversicht, aber noch kein Aufschwung
IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2026: Industrie sorgt für Lichtblicke, Beschäftigungsaussichten bleiben trüb
Die Stimmung in der Wirtschaft der Region Stuttgart hellt sich auf. Nach dem Tief im Frühsommer blicken die Unternehmen zuversichtlicher nach vorne – von einem echten Aufschwung kann allerdings noch keine Rede sein. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart für den Herbst 2026, an der sich 823 Unternehmen beteiligt haben.
Gut 29 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut – im Frühsommer waren es noch 23 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der Betriebe, die ihre Lage als schlecht einschätzen, von 27 auf 24 Prozent gesunken. Auch der Blick nach vorne macht wieder mehr Hoffnung: im Frühsommer rechneten 18 Prozent mit besseren Geschäften, im Herbst blicken 23 Prozent positiv auf die nächsten 12 Monate. Ebenso viele befürchten eine Verschlechterung. Die Mehrheit bleibt allerdings abwartend: 54 Prozent erwarten, dass sich an ihrer Geschäftslage vorerst wenig ändert.
„Die Erholung wird derzeit vor allem von der Industrie getragen, die von besseren Exportaussichten und staatlichen Ausgaben profitiert“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Susanne Herre. „Doch die strukturellen Probleme am Standort sind nicht verschwunden. Die Nachfrage im Inland bleibt schwach, Energie und Arbeit sind teuer. Entscheidend ist jetzt, dass auch die privaten Investitionen wieder anspringen. Sonst bleibt die Erholung nur ein kurzes Zwischenhoch.“
Industrie schöpft Hoffnung – Arbeitsplätze bleiben unter Druck
Besonders in der Industrie geht es wieder etwas bergauf. Knapp jedes dritte Unternehmen bewertet seine Geschäftslage als gut – im Frühsommer war es nicht einmal jedes fünfte (18 Prozent). Vor allem der Maschinenbau blickt deutlich zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Rückenwind kommt auch aus dem Ausland: Die Exporterwartungen haben sich insbesondere für Europa und Nordamerika verbessert. Beim Geschäft mit China überwiegt dagegen weiterhin die Skepsis. Von der Entwicklung in der Industrie profitiert auch der eng mit ihr verflochtene Großhandel. Dort hat sich die Geschäftslage gegenüber dem Frühsommer ebenfalls erholt.
Auf dem Arbeitsmarkt ist die Erholung allerdings noch nicht angekommen. In der Industrie gibt es weiterhin deutlich mehr Unternehmen, die in den kommenden zwölf Monaten Stellen abbauen wollen, als solche, die zusätzliches Personal einstellen möchten. Auch im Handel und in vielen Dienstleistungsbereichen bleiben die Beschäftigungsaussichten verhalten.
Stellenabbau geplant – Fachkräftemangel bleibt Thema
Was auf den ersten Blick widersprüchlich klingt, beschäftigt viele Unternehmen gleichzeitig: Während sie beim Personal auf die Bremse treten, sehen wieder mehr Betriebe im Fachkräftemangel ein Risiko. Inzwischen sind es gut 30 Prozent, im Frühsommer waren es noch 28 Prozent. Besonders auffällig ist die Entwicklung in der Industrie: Hier ist der Anteil von 16 auf 25 Prozent gestiegen. In der Bauwirtschaft sehen sogar 44 Prozent darin ein Risiko.
„Der demografische Wandel macht keine Konjunkturpause“, betont Herre. „Dass Unternehmen Stellen abbauen und gleichzeitig Fachkräfte suchen, ist kein Widerspruch. Der Strukturwandel verändert die Anforderungen an die Beschäftigten. Deshalb dürfen wir gerade jetzt bei Ausbildung und Qualifizierung nicht nachlassen. Wer heute nicht ausbildet, dem fehlen morgen die Fachkräfte, wenn die Konjunktur wieder anzieht.“
Handel und Gastgewerbe warten auf bessere Zeiten
Während die Industrie wieder etwas Hoffnung schöpft, bleibt die Lage in den konsumnahen Branchen schwierig. Im Einzelhandel hat sich die Situation gegenüber dem Frühsommer zwar verbessert, doch die Kaufzurückhaltung der Verbraucher belastet die Geschäfte weiterhin.
Besonders angespannt ist die Situation im Gastgewerbe. Nur rund neun Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut, während 43 Prozent von einer schlechten Lage berichten. Auch für die kommenden zwölf Monate überwiegt die Skepsis.
Größte Sorge bleibt die schwache Inlandsnachfrage
Die größte Sorge der regionalen Wirtschaft bleibt die schwache Nachfrage im Inland. Knapp 65 Prozent der Unternehmen sehen darin ein Risiko für ihre weitere Entwicklung. Hinzu kommen hohe Arbeitskosten (55 Prozent) und Energiekosten (54 Prozent). Etwas Entspannung gibt es dagegen bei den Risiken aus dem Ausland: Geopolitische Spannungen bereiten noch 48 Prozent der Betriebe Sorgen, im Frühsommer waren es 54 Prozent. Auch Lieferengpässe werden seltener als Risiko genannt. Die Probleme am Standort selbst bleiben dagegen hartnäckig.
Die Unternehmen bleiben bei Investitionen zurückhaltend, doch die Aussichten haben sich etwas aufgehellt. Zwar wollen weiterhin mehr Betriebe ihre Investitionen zurückfahren als ausweiten. Gegenüber dem Frühsommer hat sich das Verhältnis jedoch verbessert: 26 Prozent der investierenden Unternehmen wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr investieren (Frühsommer knapp 23 Prozent). Zugleich planen etwas weniger Betriebe, ihre Investitionen zurückzufahren: Ihr Anteil ist von 32 auf 28 Prozent gesunken. Von einer Investitionsoffensive kann allerdings keine Rede sein. Wenn die Unternehmen investieren, dann vor allem, um bestehende Anlagen zu ersetzen oder ihre Betriebe zu digitalisieren.
„Staatliche Investitionen können die Konjunktur anschieben. Dauerhaftes Wachstum entsteht aber nur, wenn auch die Unternehmen wieder stärker investieren“, sagt Herre. „Dafür brauchen sie wettbewerbsfähige Energie- und Arbeitskosten, weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen. Die Politik muss jetzt dafür sorgen, dass sich Investitionen am Standort wieder lohnen.“
Hintergrund
An der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart für den Herbst 2026 haben sich 823 Unternehmen aus der Region Stuttgart beteiligt. Sie wurden zwischen dem 14. September und dem 2. Oktober 2026 befragt. Die Ergebnisse geben Einblick in die aktuelle Geschäftslage, die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate sowie die Investitions- und Beschäftigungspläne der Betriebe. Die Vergleichswerte stammen aus der IHK-Konjunkturumfrage vom Frühsommer 2026.