Pressemitteilung 30. September 2026
IHK-Jubiläumsstiftung ermöglicht internationale Erfahrungen
Claus Paal: „Wer Fachkräfte für die Zukunft will, muss ihnen die Welt öffnen“
Vier junge Fachkräfte aus der Region Stuttgart erhalten in diesem Jahr die Chance, mit Unterstützung der IHK-Jubiläumsstiftung internationale Berufserfahrung zu sammeln. Die Stiftung vergibt jährlich Stipendien von bis zu 6.000 Euro für einen zwei- bis sechsmonatigen Auslandsaufenthalt an besonders qualifizierte Absolventinnen und Absolventen einer Berufsausbildung. „Internationale Erfahrungen sind kein nettes Extra, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil für Unternehmen und junge Fachkräfte. Junge Menschen, die mutig sind und sich berufliches Wissen im Ausland aneignen, sind ein Gewinn für jedes Unternehmen“, sagt Claus Paal, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. „Hier können sie nicht nur andere Arbeitsweisen und Technologien kennenlernen und ihre Sprachkenntnisse vertiefen, sondern auch persönlich wachsen.“
Paal betont, dass Auslandsaufenthalte auch ein wichtiges Signal im Wettbewerb um Fachkräfte seien: „Unternehmen, die solche Erfahrungen ermöglichen, zeigen Vertrauen und Zukunftsorientierung. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels macht das einen entscheidenden Unterschied bei der Gewinnung und Bindung qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“
„Ich will von den Besten lernen!“
Fynn Abraham hat genaue Vorstellungen, was ihm sein Auslandsaufenthalt bringen soll: Persönlichkeitsentwicklung und neue Technologien kennenlernen und in seiner Firma anwenden.Vielleicht ist das der Grund, warum ihn sein Arbeitgeber EEW Energy from Waste beim Vorhaben „Ab ins Ausland“ unterstützt und ihm beim Schreiben der Bewerbungen unter die Arme greift. Direkt, nachdem er die Zusage fürs Stipendium bekommen hat, wurden die ersten fünf verschickt. Am meisten reizt den jungen Industriemechaniker mit Zusatzqualifikation Elektrofachkraft ein Müllheizkraftwerk in Skandinavien. „Die sind weltmarktführend und ich will von den Besten lernen“, sagt Fynn Abraham. Losgehen soll es im Frühjahr 2027. Abraham sieht es nicht als selbstverständlich an, dass seine Firma ihn so unterstützt und für den Aufenthalt freistellen will. „Alles, was ich lerne, möchte ich später auch bei meinem Arbeitgeber einbringen. Außerdem reizt mich die Herausforderung in einem fremden Land allein zurecht zu kommen und daran persönlich zu wachsen.“
Prozesse optimieren und Sprachkennntisse verbessern
Etwas weiter weg zieht es Nicole Neumann. Die gelernte Kauffrau im Gesundheitswesen möchte ihr Stipendium für einen Einsatz in Australien nutzen. Ihr Arbeitgeber DAK-Gesundheit steht hinter ihr, auch wenn das mit der Freistellung in einem Konzern mit mehreren Standorten nicht so einfach ist. Aber sie hat grünes Licht bekommen und jetzt muss nur noch der passende Termin und ein Unternehmen gefunden werden. „Ich möchte mir ein Bild davon machen, wie sich das Gesundheitswesen in anderen Ländern gestaltet. Und ich denke, dass ich diese Erfahrungen gerne in einem englischsprachigen Land weiter vertiefen würde. Besonders interessant finde ich deshalb Australien, aber auch England kann ich mir für meinen Auslandsaufenthalt sehr gut vorstellen “, sagt Nicole Neumann. Sie will ihre Sprachkenntnisse optimieren und sich anschauen, wie Prozesse in anderen Ländern funktionieren und diese Erkenntnis mit nach Deutschland zurücknehmen. Schon während ihrer Schulzeit konnte die 19-Jährige Auslandserfahrung in den USA und in Frankreich sammeln. Hier wurden ihre Freude und Neugier am Austausch mit anderen Kulturen geweckt.
Anderen Blickwinkel durch kulturelle Unterschiede bekommen
Für Ana Jagarinec steht nicht so sehr das Land des Aufenthalts im Vordergrund, sondern die Agentur, die es dann letztlich wird. Sie würde sich aber sehr darüber freuen, wenn diese ihren Sitz in Belgien hätte. „Das internationale und mehrsprachige Umfeld in Belgien spricht mich besonders an“, sagt die junge Mediengestalterin mit Schwerpunkt Desingkonzeption. Sie erhofft sich, kreative Herangehensweisen und andere Sichtweisen auf Gestaltung und Kommunikation kennenzulernen und diese mit in ihren deutschen Arbeitsalltag mitnehmen zu können. „Ich möchte die Zeit meines Auslandsaufenthalts optimal nutzen und gern auch Verantwortung für ein kleines Projekt übernehmen“, sagt Ana Jagarinec. Ihr Arbeitgeber Branda – Agentur für Marken steht voll hinter ihr und hat die Bewerbung für das Stipendium mit einem sehr guten Empfehlungsschreiben unterstützt. Los gehen soll es allerdings erst im nächsten Jahr. Jetzt werden passende Agenturen gesucht und Bewerbungen geschrieben.
Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft sichern
„Unsere Wirtschaft lebt von Menschen, die neugierig sind, Verantwortung übernehmen und über den Tellerrand hinausblicken. Deshalb wünsche ich mir, dass noch mehr Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen den Schritt ins Ausland wagen“, sagt Claus Paal. „Mein Appell richtet sich aber ausdrücklich auch an die Unternehmen: Geben Sie Ihren Nachwuchskräften diese Chance. Wer einen jungen Menschen für einige Monate ziehen lässt, verliert keine Fachkraft, sondern gewinnt eine. Sie kommen mit neuen Ideen, wertvollen Kontakten, frischen Perspektiven und einem deutlich größeren Erfahrungsschatz zurück. Genau solche Mitarbeitende brauchen wir, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft zu sichern.“
Hintergrundinformationen
Die Jubiläumsstiftung wurde 1980 zum 125-jährigen Bestehen der IHK Region Stuttgart ins Leben gerufen. Seither wurden 191 Stipendien vergeben. Die beliebtesten Ziele sind die USA (47), Großbritannien (19) und Kanada (9). Aber auch das europäische Ausland sowie Israel, Costa Rica, Japan, Peru oder Singapur wurden schon von Stipendiaten und Stipendiatinnen zur beruflichen Kurzheimat. Die Durchschnittsdauer des Aufenthalts beträgt vier Monate. Die Kosten pro Auslandseinsatz liegen bei durchschnittlich 5900 Euro und werden somit gut durch das Stipendium abgedeckt.
Für die Förderung ausgewählt werden besonders begabte Absolventinnen und Absolventen einer Berufsausbildung, deren Abschluss weniger als zwei Jahre zurückliegt. Voraussetzungen sind hervorragende Prüfungsleistungen (mindestens 92 Punkte, entspricht der Note 1,4), Fremdsprachenkenntnisse, ein Motivationsschreiben und die Empfehlung des Ausbildungsbetriebes oder des derzeitigen Arbeitgebers. Die Auswahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten trifft das IHK-Präsidium.