Pressemitteilung 14. Oktober 2026
Drei von vier Betrieben erwarten Vorteile durch Handyverbot an Schulen
IHK-Umfrage zeigt: Weniger Handynutzung, besserer Start in die Ausbildung
Rund 72 Prozent der Unternehmen der Region erwarten, dass ein Handyverbot an Schulen die Berufsstartkompetenzen junger Menschen verbessert. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der IHK Region Stuttgart, an der sich knapp 550 Unternehmen beteiligt haben. Aus Sicht der Unternehmen fehlt vielen Schulabgängerinnen und Schulabgängern die nötige Reife für einen guten Start in die Ausbildung. Besonders positive Auswirkungen durch ein Verbot von Handys erhoffen sich die Unternehmen auf Konzentration, Aufmerksamkeit, Selbstorganisation und soziale Interaktion.
„Viele Unternehmen erleben, dass junge Menschen beim Start in die Ausbildung häufiger Unterstützung brauchen als früher. Es geht dabei nicht nur um Lesen, Schreiben oder Rechnen. Oft können sie sich nicht ausreichend konzentrieren oder selbstorganisieren und geben schnell auf, wenn es nicht auf Anhieb klappt“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Susanne Herre. „Die Betriebe stemmen das zwar, aber viele stoßen dabei an ihre Grenzen. Das frustriert sowohl Ausbildungsverantwortliche als auch Auszubildende.“
Weniger Ablenkung, mehr Konzentration
Ein Handyverbot während des Unterrichts befürworten 38 Prozent der Unternehmen. Weitere 27 Prozent sprechen sich dafür aus, Smartphones während des gesamten Schultags einschließlich der Pausen zu verbieten.
Die Unternehmen sehen vor allem die Chance, dass Schülerinnen und Schüler im Unterricht weniger abgelenkt sind (79,1 Prozent) und sich besser konzentrieren können (76,9 Prozent). Viele erwarten außerdem, dass Jugendliche wieder mehr direkt miteinander sprechen (67 Prozent) und es seltener Streit wegen Fotos, Videos, sozialer Medien oder Cybermobbing gibt (50,7 Prozent). „Die Betriebe sagen uns ganz klar: Wer ständig aufs Handy schaut, lernt schlechter, sich zu konzentrieren, Verantwortung zu übernehmen und mit anderen zusammenzuarbeiten“, so Herre. „Genau diese Fähigkeiten brauchen junge Menschen später aber in der Ausbildung und im Berufsalltag.“
Konsequente Umsetzung ist die größte Herausforderung
Grundsätzliche Einwände gegen ein Handyverbot haben nur wenige Unternehmen. Die meisten sorgen sich um die praktische Umsetzung. Mehr als die Hälfte der Befragten befürchtet Probleme bei der Kontrolle und konsequenten Durchsetzung entsprechender Regeln.
„Was wir von jungen Menschen erwarten, sollten wir selbst konsequent vorleben. Auch in unseren Unternehmen sind wir gefordert, Vorbild zu sein. Wenn während Besprechungen ständig aufs Handy geschaut wird, fällt es schwer, von Auszubildenden volle Aufmerksamkeit und Konzentration einzufordern. Ein bewusster Umgang mit digitalen Medien beginnt deshalb bei uns selbst“, sagt Susanne Herre.
Weitere Bedenken betreffen die Aufbewahrung der Geräte (37,4 Prozent), den zusätzlichen Aufwand für Schulen und Lehrkräfte (35,3 Prozent) sowie die Frage, wie Smartphones weiterhin sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden können (28,8 Prozent). Auch Konflikte zwischen Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften werden als mögliches Problem genannt (25 Prozent).
Handyverbot an allen Schulen
Die große Mehrheit (71,2 Prozent) der Unternehmen wünscht sich einheitliche Regeln für alle Schulen. Besonders häufig sehen die Betriebe Handlungsbedarf an Grundschulen (26,6 Prozent) und weiterführenden allgemeinbildenden Schulen (21,2 Prozent).
Die Unternehmen machen zugleich deutlich, dass Smartphones nicht grundsätzlich aus dem Schulalltag verschwinden sollen. Gewünscht werden klare, altersgerechte Regeln mit Ausnahmen für den Unterricht und für Notfälle.
„Ein Handyverbot allein wird die Probleme nicht lösen und die Wirtschaft braucht junge Menschen, die digital fit sind“, sagt Herre. „Medienkompetenz bleibt deshalb ein Muss. Unser Ziel darf nicht die Verdrängung digitaler Medien sein, sondern ihr verantwortungsvoller und sinnvoller Einsatz im Unterricht.“