Pressemitteilung vom 1. April 2026

Handelshemmnisse erreichen neue Dimension – Südwesten stärker belastet als der Bund

BWIHK-Vize Claus Paal: „Der Handlungsdruck wird weiter unterschätzt“

Die Hürden im internationalen Geschäft nehmen weiter zu: 77 Prozent der baden-württembergischen Unternehmen berichten in der DIHK-Umfrage Going International 2026 von wachsenden Handelsbarrieren im Ausland – so viele wie nie zuvor. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei 32 Prozent.
„Der Südwesten ist Exportland Nummer eins – und genau deshalb treffen uns neue Handelshemmnisse und Unsicherheiten besonders hart“, sagt Claus Paal, Vizepräsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK). Bundesweit beklagen 69 Prozent der Unternehmen steigende Handelshemmnisse – auch hier ein Allzeithoch.
Die Politik muss gegensteuern, fordert Paal. „Europa kommt bei Handelsabkommen endlich voran, man fragt sich nur warum erst jetzt.“ Allerdings wachse auf der anderen Seite die Bürokratie aus Bund und Europa unverändert weiter. „Für unsere Unternehmen zählt, was sie tatsächlich belastet. Und das nimmt mit hoher Taktung immer noch weiter zu. Der Handlungsdruck wird fahrlässig unterschätzt.“

Handelshemmnisse erreichen neue Dimension

Die Hürden im internationalen Geschäft nehmen weiter zu: 77 Prozent der baden-württembergischen Unternehmen berichten von wachsenden Handelsbarrieren im Ausland – so viele wie nie zuvor. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei 32 Prozent.
Besonders ins Gewicht fallen:
  • steigende Zölle (78 Prozent)
  • lokale Zertifizierungspflichten (49 Prozent)
  • verschärfte Exportkontrollen (43 Prozent)
Gleichzeitig wächst auch der Druck im Inland: 86 Prozent der Unternehmen sehen sich mit zusätzlichen Hürden aus Deutschland oder der EU konfrontiert, das sind acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. „Unsere Unternehmen stehen doppelt unter Druck: durch zunehmenden Protektionismus und Unsicherheiten weltweit und immer komplexere Regeln hier vor Ort. Das ist ein massives Standortproblem“, so Paal.

Bürokratie wird zum zentralen Bremsklotz

Besonders kritisch bewerten die Unternehmen den steigenden administrativen Aufwand.
  • 51 Prozent klagen über komplexe Genehmigungsverfahren, Exportkontrollen und Dokumentationspflichten
  • 46 Prozent über umfangreiche Berichtspflichten entlang der Lieferketten
  • 35 Prozent über neue Verpackungsvorgaben
„Unsere Betriebe wollen Märkte erschließen – stattdessen kämpfen sie sich durch Formulare und Genehmigungen. Das kostet Zeit, Geld – und im Zweifel Aufträge“, sagt Paal.

Weltmärkte bleiben schwierig – Indien gewinnt an Bedeutung

  • 35 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Situation als ungünstig
  • nur 21 Prozent berichten von guten Geschäften
  • 22 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung
  • 15 Prozent mit einer Verbesserung
Vor allem der US-Markt bereitet zunehmend Sorgen. In Nordamerika überwiegt der Pessimismus deutlich, auch in Süd- und Mittelamerika bleibt die Lage schwierig.
Europa zeigt sich stabiler, jedoch ohne nennenswerte Dynamik – insbesondere im Vereinigten Königreich sowie in Ost- und Südosteuropa dominieren negative Einschätzungen.
Asien setzt dagegen positive Impulse: Indien entwickelt sich für viele Unternehmen zum Hoffnungsträger mit deutlich optimistischeren Erwartungen. China bleibt hingegen ein herausforderndes Umfeld mit gemischten Perspektiven.

Informationen zur Umfrage:

Im Rahmen der DIHK-Umfrage Going International 2026 wurden vom 2. bis zum 13. Februar 2026 bundesweit 2.400 auslandsaktive Unternehmen befragt. Aus Baden-Württemberg beteiligten sich davon 241 Unternehmen.
Claus Paal ist Vize-Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages und Präsident der IHK Region Stuttgart, die im BWIHK für das Thema Außenwirtschaft federführend ist.