Pressemitteilung 20. Mai 2026
EU-USA-Handelsdeal: Wirtschaft braucht Verlässlichkeit und klare Perspektiven
IHK-Präsident Claus Paal: „EU bleibt gesprächsbereit, setzt aber klare Leitplanken“
„Die Verständigung zwischen EU-Parlament und Mitgliedstaaten über die Umsetzung des EU-US-Handelsdeals ist ein wichtiges Signal für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen. Unsere Unternehmen brauchen gerade in der aktuellen geopolitischen Lage stabile und verlässliche Rahmenbedingungen für Handel und Investitionen. Das Abkommen ist für die EU-Wirtschaft zwar mit Belastungen verbunden, kann aber zu mehr Planbarkeit beitragen – vorausgesetzt, die USA stimmen zu und halten sich dann dauerhaft an die Vereinbarungen“, sagt Claus Paal, Präsident der IHK Region Stuttgart.
Die Einigung sieht vor, Zölle auf US-Importe zu senken oder abzuschaffen. Gleichzeitig werden diese Zollpräferenzen an klare Bedingungen geknüpft und zunächst bis Ende 2029 befristet. Zudem erhält die EU-Kommission die Möglichkeit, die Zollsenkungen ganz oder teilweise auszusetzen, falls die USA ihre Verpflichtungen nicht einhalten oder neue Handelshemmnisse schaffen. Wichtig ist, dass die weiterhin hohen US-Zölle auf Produkte mit signifikanten Stahl- und Aluminiumkomponenten gemäß der Vereinbarung wieder reduziert werden. Sollte Washington die bestehenden Belastungen nicht abbauen, kann die EU Gegenmaßnahmen ergreifen. „Europa zeigt mit dieser Einigung Augenmaß und wirtschaftspolitische Stärke zugleich. Die EU bleibt gesprächsbereit, setzt aber klare Leitplanken. Das ist ein sinnvoller und verantwortungsvoller Weg.“
Für die exportorientierte Wirtschaft in Baden-Württemberg sei entscheidend, dass eine weitere Eskalation im Handelsstreit verhindert werde. Viele Unternehmen der Region seien eng in internationale Lieferketten eingebunden und auf offene Märkte angewiesen. Paal: „Es ist richtig, auf Deeskalation und verlässliche Regeln zu setzen. Allerdings hat auch diese Einigung innerhalb der EU wieder zu lange gedauert. Dass sie jetzt auch auf Druck durch den US-Präsidenten vorankam, ist kein starkes Signal.“
Wie angespannt die Lage für die Südwestindustrie bleibt, zeigt die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage: Mit Blick auf das US-Geschäft rechnen 31 Prozent der Betriebe in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Ausfuhren, nahezu ebenso viele Unternehmen – 30 Prozent – gehen jedoch von rückläufigen Exporten aus. Dieses nahezu ausgeglichene Verhältnis macht deutlich, wie groß die Unsicherheit im US-Geschäft weiterhin ist. „Die Zahlen aus unserer Konjunkturumfrage zeigen: Die Unternehmen sehen Chancen im US-Geschäft, bleiben aber spürbar verunsichert. Genau deshalb ist dieser Weg richtig: Deeskalation ermöglichen, aber klare Bedingungen setzen.“