Pressemitteilung 19. Juni 2026
Zehn Jahre Brexit: Mehr Bürokratie, weniger Freiheit für Unternehmen
Handel zwischen Baden-Württemberg und Großbritannien erholt sich nach deutlichen Einbrüchen
Wer wissen will, was zusätzliche Handelsbarrieren für Unternehmen bedeuten, muss nur nach Großbritannien schauen. Zehn Jahre nach dem Brexit kämpfen viele Betriebe auf beiden Seiten des Ärmelkanals noch immer mit mehr Bürokratie, höheren Kosten und komplexeren Abläufen. Dabei war genau das Gegenteil versprochen worden. Als die Britinnen und Briten am 23. Juni 2016 für den Austritt aus der Europäischen Union stimmten, lautete das Versprechen: weniger Regulierung, mehr wirtschaftliche Freiheit.
„Der Brexit zeigt sehr konkret, was passiert, wenn neue Grenzen im Handel entstehen“, sagt Claus Paal, Präsident der IHK Region Stuttgart. Für viele Unternehmen sei das Geschäft mit Großbritannien nicht einfacher, sondern deutlich komplizierter geworden – etwa durch Zollformalitäten, zusätzliche Nachweispflichten oder unterschiedliche Produktvorschriften. „Die Wirtschaft braucht keine neuen Grenzen, sondern bessere Rahmenbedingungen. Während andere Weltregionen ihre Märkte stärken, darf Europa sich nicht mit zusätzlichen Hürden beschäftigen. Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen entscheidet sich nicht an nationalen Grenzen, sondern daran, wie gut Europa gemeinsam handelt."
Zu Beginn: Deutliches Minus im Handel mit dem Vereinigten Königreich
Das zeigt sich auch in den Handelszahlen. Die baden-württembergischen Ausfuhren nach Großbritannien gingen von 12,1 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 8,8 Milliarden Euro im Jahr 2021 zurück – ein Minus von rund 28 Prozent. Auch die Einfuhren aus Großbritannien sanken deutlich – von 4,6 auf 3,2 Milliarden Euro und damit um rund 30 Prozent.
Wirtschaftsbeziehungen erholen sich schrittweise
Seit 2022 erholen sich die Wirtschaftsbeziehungen schrittweise. Baden-Württemberg exportierte 2025 wieder Waren im Wert von 11,2 Milliarden Euro nach Großbritannien. Damit liegen die Ausfuhren zwar noch unter dem Niveau von 2016, haben sich aber deutlich vom Tiefpunkt erholt. Auch im Ranking der wichtigsten Exportmärkte zeigt sich die neue Dynamik: Das Vereinigte Königreich ist für Baden-Württemberg 2026 bislang von Platz acht auf Platz fünf vorgerückt. Hintergrund ist vor allem die Zunahme an Metallexporten für die britische Industrie.
Vor diesem Hintergrund kommt dem zweiten EU-UK-Gipfel, der für Sommer 2026 geplant ist, besondere Bedeutung zu. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten, neuer Handelskonflikte und globaler Transformationsprozesse wächst auf beiden Seiten das Interesse an einer engeren Zusammenarbeit. „Wer jeden Tag exportiert, weiß: Der größte Vorteil Europas ist nicht Brüssel, sondern der unkomplizierte Zugang zu 450 Millionen Kundinnen und Kunden“, betont Paal. „Der Brexit hat gezeigt, wie teuer neue Grenzen werden können. Gerade für ein exportstarkes Land wie Baden-Württemberg ist Europa deshalb kein Bürokratieprojekt, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.“