Zeitsprung

Abba hebt ab

In der Serie Zeitsprung lassen wir in jeder Ausgabe von Magazin Wirtschaft einen Unternehmer zu Wort kommen, der die Geschichte seiner Firma erzählt. Heute berichtet Thomas Godau über die Geschichte der ProAir-Charter-Transport GmbH, Stuttgart.
Ich bin in der Einflugschneise des Stuttgarter Flughafens groß geworden und habe schon in meiner Schulzeit dort gejobbt. Kein Wunder, dass mich nach ­meiner Ausbildung zum Speditionskaufmann gerade die Sparte Luftfracht am meisten gereizt hat.
Dort habe ich bei drei verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Eines ­Tages brauchte ich mal wieder einen Spezialtransport. Aber wie ich da behandelt ­wurde! Ich war so unzufrieden und ­dachte, das muss besser gehen. Fast zeitgleich hatten meine heutigen Mitgesellschafter Elmar Monreal und Kim ­Witschas denselben Gedanken. Wir beschlossen, selber Flugzeugmakler zu werden.

Eineinhalb Jahre Lerneffekt vor dem Erfolg

Das war 1996. Wir sind ziemlich hemdsärmelig gestartet – mit nichts und ohne Wissen! Eineinhalb Jahre hat der Lern­effekt gedauert, dann wussten wir, wie das Geschäft funktioniert und haben unseren ersten Frachtauftrag an Land ge­zogen. Es gibt ja über 300 Luftfahrt­unternehmen in Deutschland. Unser Job war es zu ermitteln, welches Flugzeug von welchem Standort für die Fracht am besten geeignet ist.
Ein paar Jahre später wurden wir gefragt, ob wir nicht auch Passagiere befördern können. Kriegten wir auch hin. Kurz darauf fragte der erste Kunde an, ob wir nicht einen Flieger hätten, den er exklusiv nutzen könne. Da beschlossen wir, ein eigenes Luftfahrtunternehmen anzu­melden. Um die Lizenz zu bekommen, kauften wir ein eigenes Flugzeug. Eine Rieseninvestition, denn neu kostet so ­etwas vier bis sechs Millionen Euro und auch gebraucht sind es zwei bis drei Millionen.

Sogar ein Schimpanse war mal an Bord

Diese Maschine haben wir längst wieder verkauft, denn inzwischen betreiben wir 26 Kundenflugzeuge: Wir kümmern uns um die Wartung und um alles, was nötig ist, damit so eine Maschine abheben darf. Im Gegenzug vermieten wir die ­Flieger, wenn die Besitzer sie nicht brauchen.
Es ist schon faszinierend, wen wir alles fliegen. Königin Silvia war schon bei uns an Bord, genauso wie Björn und Benni von Abba, aber auch viele prominente Fuß­baller und sogar mal ein Schimpanse, der mit seinem Tierpfleger zur Wilhelma flog.
Altes Foto: ProAir King Air 200 auf dem Flugfeld
Ende der 90er vermarktete Proair zwei King Air 200 Turboprops exklusiv für Frachtcharterflüge. © ProAir
Oft sind es auch ganze Gruppen. Unser Rekord waren 1600 VfB-Fans, die wir in sieben Fliegern zum Champions-League-Spiel nach Barcelona geflogen haben.
Für die Kunden  erledigen wir vom Taxi oder der Limousine zum Flughafen bis zur Kofferlieferung aufs Hotelzimmer ­alles, damit sie die Reise sorglos genießen können.
Wir transportieren aber genauso gern Fracht. Alles, was wirklich eilig ist. Einmal waren es sogar Fußballschuhe, meist aber sind es Komponenten, auf die ein Betrieb dringend wartet, um weiter­arbeiten zu können. Wir bieten aber auch Flugzeugwartung, Kaufberatung und den Handel mit Flugzeugen und natürlich die Beratung. Da kann es auch mal sein, dass wir vorrechnen, Linie ist günstiger.
Unser Rekord waren 1600 VfB-Fans, die wir zum Champions-League-Spiel nach Barcelona geflogen haben
Apropos Linie, wir vermitteln auch On-Board-Kuriere, die Fracht in normalen Passagierflugzeugen begleiten. Gott sei Dank sind wir so breit aufgestellt, denn das hat sich in Krisenzeiten bewährt.
1996 fing unser Geschäft recht ­schleppend an. „Wenn wir mal einen Umsatz von zwei Millionen Mark haben, dann haben wir es geschafft“, dachten wir damals. Heute sind es 30 Millionen Euro! 110 Piloten ­gehören in unseren Verantwortungs­bereich. Darauf sind wir stolz!
Wie es weitergeht? Planen ist ja ­schwierig geworden in Zeiten, wo eine Krise der nächsten folgt. Schnell und flexibel ­müssen wir uns darauf einstellen. Bisher ist uns das zum Glück immer gelungen. Dabei bleibt unser Ziel, stabil und zuverlässig für unsere Kunden unterwegs zu sein. Und toll wäre es, wenn wir bald die Schallmauer von 50 Flugzeugen durchbrechen würden.

  Aufgezeichnet von Dr. Annja Maga für die Rubrik „Zeitsprung”