Unser Startup im Februar

Der Spickzettel wird digital

Wer denkt noch gern an die Referate zurück, die er in der Schule halten musste? Wochenlang wälzte man Bücher, nervte in der Stadtbücherei und zitterte dann dem ­großen Auftritt entgegen. Heute heißt das Referat „GFS“, die Jugendlichen sind viel cooler geworden und das benötigte ­Material gibt es im Internet.
„Noch nicht einfach genug“, dachten sich Benedict Kurz und Lars Lins. In den letzten zwei Jahren tüftelten die beiden an der Plattform Knowunity, auf der alle Schüler fertige „GFSen“, aber auch Karteikarten oder Inhaltsangaben von Büchern finden sollen.

Deutscher Vizemeister im Tennis wird Gründer

Kennen gelernt haben sich die jungen Männer beim Tennis, den beide als Leistungssportler betrieben. Das kostete Zeit, und die fehlte natürlich für die Schule.  So ­kamen sie auf die Idee zu Knowunity. Wäre es nicht einfacher gewesen, die Zeit, die sie das Startup kostet, in ihr Schulpensum zu investieren? „Vielleicht“, lacht Kurz, der 2018 deutscher Vize-Meister in ­seiner ­Altersklasse war. „Auf jeden Fall lernen wir so viel mehr und kommen schon mit dem echten Geschäftsleben in Kontakt“. Aber Wissen kompakt gibt es doch schon im Netz, und auch Nachhilfe, Lernapps und Ähnliches finden sich dort?  „Schon, aber es gibt noch keine Plattform, die alle diese Angebote zusammenfasst“, ist Lins sicher.
Befüllt werden soll Knowunity  von Schülern.  Diese werden „Knower“ genannt und können nicht nur ihr Wissen hochladen, sondern  auch ihre eigene Story pflegen, „gelikt und gefollowt“ werden – ein bisschen wie bei Instagram. Um die Knower zu motivieren, möglichst viele und gute Beiträge hochzuladen, bekommen sie eine Vergütung. Je mehr Klicks, desto mehr verdienen sie. Das Geld dafür kommt von den Nutzern, die ein Abo für monatlich ­circa drei Euro abschließen müssen.

Vom Abi in die Selbständigkeit

Ihre Zielgruppe kennen die beiden genau: Lins ist 18 und hat letzten Sommer sein Abi gemacht, Kurz ist gerade 18 geworden und geht in die 12. Klasse. Damit nicht alles ­allein auf ihren Schultern lastet, haben sie sich die ­Studenten Niels Heidbrink und ­Julian Prigl als Mitstreiter gesucht. Und zu tun ist wahrlich genug: Um das nötige ­Startkapital zu bekommen, führen sie ­Gespräche mit Business Angels und ­studentischen Venture-Capital-Anbietern. Mit einer Crowdfoundingaktion wollen sie insgesamt 5000 Euro einsammeln. Dabei geht es nicht nur ums Geld, auch „wenn wir jeden Cent gebrauchen können, weil wir schon mehr Geld investiert haben als gedacht“, wie Lins erklärt. Mindestens ebenso wichtig sei der Marketingeffekt.
Knowunity setzt aber auch auf ­Influencer und Instagram, um die Zielgruppe zu erreichen. Am aufwendigsten ist sicher der wöchentliche  Podcast, für den Lins und Kurz szenebekannte Startuper ­interviewen und dabei natürlich auch Werbung für sich machen. So soll schnell eine kritische Masse bei den Nutzerzahlen erreicht ­werden, denn davon ­leben Plattformen nun einmal.
Schüler sind ja nicht dumm

Benedict Kurz über seine Kunden

Aber woher weiß der Nutzer eigentlich, dass ein Inhalt gut und vor allem richtig ist? „Schüler sind ja nicht dumm“, erklärt Kurz, „die wissen, ob etwas zu dem passt, was sie im Unterricht gehört haben“. ­Außerdem würden alle Beiträge vor der Veröffentlichung durch ein Rechtschreibprogramm geprüft. Orientierung geben  sollen auch die Likes und Kommentare ­unter den Beiträgen, die auch Einfluss auf das Ranking eines Posts haben.
Selber auf Richtigkeit und Vollständigkeit prüfen, das kann das kleine Team schon aus Kapazitätsgründen nicht leisten, aber „wir wollen eng mit den Knowern zusammenarbeiten, damit wir wissen, wer vertrauenswürdig ist“, verspricht Kurz.

Besser, man liest die Zusammenfassung als gar nichts

Was sagen eigentlich Lehrer zu Knowunity? Lins und Kurz haben noch keinen danach gefragt, aber „die Schüler hängen heute so wieso den ganzen Tag am Smartphone, da ist es doch klug, wenn sie dort etwas Nützliches tun“, gibt Kurz zu bedenken. Zielgruppe seien auch nicht die ­Einser-Schüler, sondern die, die sonst gar nichts für die Schule tun würden: „Es ist doch besser, ein Buch zusammengefasst zu lesen als gar nicht, oder?“
Die Gründung der Kurz & Lins UG ­erfolgte Ende 2019, im April soll die App online gehen.  „Das ist kein Kindergarten mehr“, sagt Lins und erzählt, dass er das Startup als seinen Beruf betrachtet. Studieren will er frühestens nächstes Wintersemester. Das sei aber nur Plan B, denn „wenn es richtig läuft, haben wir gar keine Zeit mehr für ein Studium“, ist er sich sicher.

Dr. Annja Maga für Magazin Wirtschaft 2.2020, Rubrik Startup