Region Stuttgart, Herbst 2025
Arbeitsmarkt: Jobflaute in der Industrie
Die konjunkturellen und strukturellen Probleme verschärfen die Lage am Arbeitsmarkt zunehmend. Kaum eine Branche rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit steigender Beschäftigung, in den meisten sinkt der Bedarf weiter. Knapp ein Drittel der Betriebe in der Region Stuttgart erwartet einen Beschäftigungsrückgang. Der Indikator fällt mit -19 Punkten auf den tiefsten Stand seit der ersten Pandemiewelle im Jahr 2020. Besonders stark trüben sich die Erwartungen in der Industrie ein: Dort sinkt der Indikator um 7 auf -39 Punkte; 46 Prozent der Unternehmen rechnen innerhalb des nächsten Jahres mit einer geringeren Beschäftigtenanzahl. Die schwache Inlandsnachfrage bleibt das größte Risiko für die regionale Wirtschaft. In der Industrie sehen 79 Prozent darin die größte Gefahr, branchenübergreifend sind es 71 Prozent. Auch aus dem Ausland kommen weniger Aufträge: Der Auftragseingangsindikator der Industrie stürzt von -8 auf -26 Punkte ab. Eine Ausweitung der Belegschaft ist kaum vorstellbar. Der vor wenigen Jahren noch stark beklagte Fachkräftemangel spielt nur noch für 21 Prozent der Industriebetriebe eine Rolle.
Die Beschäftigungsentwicklung dürfte sich angesichts der pessimistischen Erwartungen und des geringen Fachkräftebedarfs bald verändern. Zum Stichtag Juni 2024 waren in der Region Stuttgart 1.316.537 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Über ein Viertel (25,37 %) arbeitet im verarbeitenden Gewerbe (334.039 Personen). Zehn Jahre zuvor waren es 1.145.521 Beschäftigte, davon 323.309 in der Industrie (28,22 %). Damit stieg die Zahl der Industriebeschäftigten zwischen 2014 und 2024 zwar leicht um 3,3 %, ihr Anteil am gesamten Arbeitsmarkt sank jedoch. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)
Deutlich dynamischer entwickelte sich der Dienstleistungssektor: Die Beschäftigtenzahl stieg von 754.105 (65,83 %) um 18,62 % auf 894.484 (67,94 %). Noch stärker legte die öffentliche Verwaltung zu: Zwischen 2014 und 2024 stieg die Zahl der Beschäftigten dort von 64.476 auf 85.125 – ein Plus von fast einem Drittel. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)
Die aktuelle Konjunkturumfrage Herbst 2025 zeigt jedoch rückläufige Beschäftigungserwartungen in beiden Bereichen. Der entsprechende Indikator sinkt bei den Dienstleistern um 4 Punkte auf -9 Punkte. In der Industrie liegt er bereits bei -34 Punkten – im Frühsommer waren es noch -28.
Trotz konjunktureller Schwäche und geringerem Arbeitskräftebedarf können 37 % der Unternehmen offene Stellen nicht besetzen, da sie keine passenden Fachkräfte finden – so das Ergebnis der Konjunkturumfrage. Von diesen Betrieben suchen 76 % Arbeitskräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung. Auch Fachkräfte mit Weiterbildungsabschlüssen (42 %) und (Fach-) Hochschulabschlüssen (41 %) werden häufig nicht gefunden. Personen, die eine Ausbildung erst begonnen haben oder über keine Berufsausbildung verfügen, werden nur selten vergeblich gesucht. Derzeit planen 41,5 % der Befragten auf diese Entwicklung mit Automatisierung und Digitalisierung zu reagieren. 36 % setzen künftig verstärkt auf Ausbildung.
Nach Jahren des Wachstums prognostiziert der Fachkräftemonitor des BWIHK für die kommenden zehn Jahre sinkende Beschäftigtenzahlen in der Region Stuttgart. Will man dieser Entwicklung entgegenwirken, müssen die Standortkosten gesenkt werden. Vor allem die gestiegenen Arbeits- und Energiekosten mindern die Wettbewerbsfähigkeit regionaler Unternehmen. Auch der Abbau bürokratischer Hürden könnte die schwachen Investitionen ankurbeln und Kapital im Inland halten. So ließe sich der Beschäftigungsrückgang zumindest abmildern.