Chile gilt seit Jahrzehnten als eine der wirtschaftlich stabilsten und offensten Volkswirtschaften Lateinamerikas. Zudem gehörte es zu den ersten südamerikanischen Staaten, mit denen die EU ein umfassendes Handelsabkommen schloss. Das Assoziierungsabkommen trat bereits 2003 in Kraft und wurde zuletzt modernisiert. Diese enge wirtschaftliche Verflechtung stärkt die Beziehungen in den Bereichen Handel, Investitionen und Rohstoffe.
Vor allem der Bergbau macht den Andenstaat zu einem strategisch wichtigen Partner: Als weltweit größter Kupferproduzent und Inhaber der größten Lithiumreserven spielt Chile eine zentrale Rolle für die Energiewende und die Transformation hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft.
Investitionen und Handel
Chile spielt bei deutschen Auslandsinvestitionen eine kleinere Rolle im Handel sticht Chile allerdings als stabil wachsender Markt hervor.
Investitionen
Zu den wichtigsten ausländischen Investoren in Chile zählen Kanada, die USA sowie mehrere europäische Länder wie die Niederlande, Spanien und das Vereinigte Königreich. Ein erheblicher Teil der ausländischen Investitionen entfällt auf den Bergbau, insbesondere auf Projekte im Kupfer- und Lithiumsektor.
Deutschland spielt als Investor in Chile eine vergleichsweise kleinere Rolle, da deutsche Direktinvestitionen in Südamerika traditionell stärker auf größere Märkte wie Brasilien ausgerichtet sind. Als Handelspartner ist Deutschland jedoch von hoher Bedeutung, insbesondere in den Bereichen Rohstoffe, Bergbau, Energie und Industrie.
Handel
Der Handel zwischen Baden-Württemberg und Chile hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten insgesamt positiv entwickelt, wobei Baden-Württemberg durchgehend einen deutlichen Handelsüberschuss erzielt. Die Exporte nach Chile stiegen preisbereinigst von rund 110 Mio. Euro im Jahr 2002 auf etwa 360 Mio. Euro im Jahr 2025 und erreichten damit den höchsten Wert im betrachteten Zeitraum.
Die Einfuhren aus Chile entwickelten sich deutlich volatiler. Nach einem Anstieg bis zum Höchststand von rund 215 Mio. Euro im Jahr 2018 gingen die Importe in den Folgejahren spürbar zurück und lagen 2025 bei etwa 111 Mio. Euro. Trotz dieser Schwankungen haben sich die Einfuhren langfristig gegenüber dem Ausgangsniveau der frühen 2000er Jahre erhöht.
Insgesamt zeigt die Entwicklung eine wachsende wirtschaftliche Verflechtung zwischen Baden-Württemberg und Chile. Besonders dynamisch entwickelten sich die Exporte Baden-Württembergs, während die Importe stärker von Schwankungen geprägt waren, die unter anderem auf Veränderungen der Rohstoffpreise und der Nachfrage nach chilenischen Rohstoffen zurückzuführen sein dürften. 2025 erreichte der Handelsüberschuss Baden-Württembergs mit rund 249 Mio. Euro einen der höchsten Werte im Beobachtungszeitraum.
Branchen
Seit Anfang 2026 hat Chile eine neue Regierung. Der Bergbau und die Rohstoffwirtschaft gehören in Chile, wie in vielen Ländern Südamerikas, zu den wichtigsten wirtschaftlichen Schwerpunktsektoren. Die neue Regierung setzt auf die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, die Förderung von Investitionen sowie die Beschleunigung von Genehmigungsprozessen, insbesondere in den Bereichen Bergbau, Energie und Infrastruktur. Vor dem Hintergrund der global steigenden Nachfrage nach Kupfer, Lithium und weiteren kritischen Rohstoffen bleiben die Modernisierung des Bergbausektors, die Erschließung neuer Projekte sowie Investitionen in Digitalisierung und Nachhaltigkeit zentrale Prioritäten der wirtschaftlichen Entwicklung.
Chile setzt auf Wertschöpfung, Infrastruktur und Energiewende
Klar ist: Künftig wird nicht mehr allein die Rohstoffförderung, sondern die gesamte Wertschöpfungskette die Industrielandschaft rohstoffreicher Länder prägen. Chile treibt vor diesem Hintergrund seine Position als strategischer Partner für die Energiewende und nachhaltige Wertschöpfung weiter voran. Mit der deutsch-chilenischen Netzwerkplattform PaNaBat haben Forschungseinrichtungen und Unternehmen beider Länder eine neue Zusammenarbeit entlang der Lithium- und Batteriewertschöpfungskette gestartet. Ziel ist der Ausbau von Forschung, Innovation und Technologietransfer rund um Batterierohstoffe und nachhaltige Produktionsverfahren.
Gleichzeitig investiert Chile massiv in seine Infrastruktur. Die Erweiterung des Hafens San Antonio, des wichtigsten Seehafens des Landes, soll die Umschlagkapazitäten deutlich erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit des Exportstandorts stärken. Für Unternehmen aus Baden-Württemberg ergeben sich dadurch potenzielle Zulieferchancen unter anderem in den Bereichen Logistik, Automatisierung, Hafentechnik sowie Umwelt- und Sicherheitstechnik.
Auch im Energiesektor entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten. Die Andenländer planen den Ausbau grenzüberschreitender Stromverbindungen, um die Versorgungssicherheit angesichts zunehmender Dürrerisiken zu erhöhen und den Einsatz erneuerbarer Energien zu erleichtern. Die von der EU unterstützten Projekte schaffen Nachfrage nach Netztechnik, digitalen Steuerungssystemen, Speichertechnologien und Ingenieurdienstleistungen.
Chile baut Position als KI-Standort in Lateinamerika aus
Verschiedene Staaten in der Region investieren in den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur und die Stärkung ihrer KI-Kompetenzen. Besonders Chile positioniert sich zunehmend als Standort für Künstliche Intelligenz und digitale Innovation. Das Land setzt auf den Ausbau entsprechender Infrastruktur sowie auf internationale Kooperationen im Bereich KI und kritischer Rohstoffe. Damit unterstreicht Chile seinen Anspruch, eine wichtige Rolle im entstehenden KI-Ökosystem Lateinamerikas einzunehmen. Gespräche für Partnerschaften werden international geführt.
Agrarwirtschaft
Die Landwirtschaft zählt zu den bedeutenden Exportsektoren Chiles. Besonders stark ist das Land bei Obst, Wein, Fischereiprodukten und Haselnüssen. Chile steigt zu den wichtigsten Produzenten von Haselnüssen auf. Zudem belegt Chile in der Lachszucht weltweit den zweiten Platz. Wasserknappheit und die Folgen des Klimawandels erhöhen den Druck auf die Branche, wodurch effiziente Wasser- und Agrartechnologien zunehmend an Bedeutung gewinnen.