Brasilien steht derzeit im Fokus der internationalen Wirtschafts- und Handelspolitik. Die Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage, die Fortschritte bei der Umsetzung des EU-Mercosur-Abkommens, der Beginn von Zollerleichterungen sowie hochrangige Besuche europäischer und deutscher Regierungsvertreter haben die bilateralen Beziehungen zusätzlich gestärkt. Gleichzeitig schafft das bevorstehende Wahljahr 2026 neue Dynamiken im politischen und wirtschaftlichen Umfeld des Landes.
Vor dem Hintergrund globaler Diversifizierungs- und Resilienzstrategien treibt Brasilien zudem den Ausbau seiner internationalen Handelsbeziehungen voran und verhandelt über weitere Freihandelsabkommen, unter anderem mit Kanada und Südkorea. Damit positioniert sich das Land zunehmend als wichtiger Partner in globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten.
Wenn Sie im Zuge des EU-Mercosur-Abkommens Geschäftspartner, Handelsvertreter oder Vertriebskanäle in Brasilien suchen, empfehlen wir Ihnen gerne auch die Publikationen der AHK Brasilien. Sprechen Sie uns gerne an!
Bergbau
Wie in mehreren Ländern Südamerikas zählt auch in Brasilien der Rohstoffsektor zu den Gewinnern der steigenden internationalen Nachfrage nach kritischen Mineralien. Dies wurde Anfang 2026 auch bei Veranstaltungen in Deutschland deutlich, bei denen zahlreiche Vertreter brasilianischer Rohstoffregionen präsent waren. Der Rohstoffsektor soll Brasiliens Agrarwirtschaft und Industrie ergänzen und zusätzliche Wachstumsimpulse schaffen. Ziel ist der Ausbau nachgelagerter Wertschöpfungsstufen und der heimischen Verarbeitungsindustrie, um einen größeren Teil der Wertschöpfung im Land zu halten.
Mit Kanada ergeben sich dabei potenzielle Synergien: Beide Länder verfügen über bedeutende Rohstoffvorkommen, verfolgen den Ausbau ihrer Verarbeitungsindustrien und setzen auf eine stärkere Einbindung in internationale Lieferketten. Ein mögliches Freihandelsabkommen zwischen Mercosur und Kanada könnte den Handel mit Rohstoffen, Vorprodukten und Industriegütern zusätzlich erleichtern.
Dass brasilianische Ministerium für Bergbau und Energie hat einen langfristigen Entwicklungsplan für den Rohstoffsektor vorgestellt. Ein zentrales Ziel des Bergbauplans Plano Nacional de Mineração (PNM 2050) ist es, den Anteil Brasiliens an der weltweiten Produktion kritischer Mineralien von derzeit 8,3 auf 12,2 Prozent zu erhöhen, so auch die nachgelagerte Verarbeitungsindustrie.
Für Deutschland sind insbesondere die Wachstumsbranchen (DERA - Homepage - Zukunftstechnologien) des ökologischen und digitalen Wandels sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie eng mit einer sicheren Versorgung mit kritischen Rohstoffen verbunden. Eine breitere Diversifizierung der Bezugsquellen soll Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern reduzieren und die Resilienz der Wertschöpfungsketten stärken. Vor diesem Hintergrund baut die EU ihre Rohstoffpartnerschaften innerhalb und außerhalb Europas aus.
Im März 2025 hat die Europäische Kommission 47 strategische Rohstoffprojekte innerhalb der EU ausgewählt, darunter drei Vorhaben in Deutschland. Ziel ist die Sicherung und Diversifizierung der Versorgung mit kritischen Rohstoffen für europäische Wertschöpfungsketten. Ergänzend wurden im Juni 2025 erstmals 13 strategische Projekte in Drittstaaten benannt. Dazu zählt das São Miguel Paulista Nickel and Cobalt Refinery Restart Project in Brasilien. Projektträger ist die Jervois Brasil Metalurgia Ltda. Das Vorhaben umfasst die Modernisierung und Wiederinbetriebnahme einer Raffinerie für Nickel und Kobalt.
Für Fragen zum Markteintritt oder zur Geschäftserweiterung in Brasilien stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Wir unterstützen Sie mit Marktinformationen, Kontakten und Angeboten zur Geschäftsanbahnung.
Mercosur-Kompakt Markterkundungsreise in der Woche vom 9. bis 13. November 2026
Ein weiterer Bereich mit Potenzial ist die Umwelt- und Kreislaufwirtschaft. Im Zuge der angestrebten Reindustrialisierung und des Ausbaus grüner Energiequellen rücken Themen wie Abfallmanagement, Waste-to-Energy, Recycling und Kreislaufwirtschaft stärker in den Fokus.
Darüber hinaus gewinnt die Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) an Bedeutung. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass auch rohstoffreiche Länder anfällig für Störungen in Lieferketten sind. Dadurch wächst die Nachfrage nach Technologien für Ressourceneffizienz, Recycling und Versorgungssicherheit (auch Verteidigung).
Darüber hinaus gewinnt die Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) an Bedeutung. Petrobras hat bereits seine erste SAF-Charge produziert. Impulse setzt das Gesetz Combustível do Futuro, das ab 2027 eine Beimischung erneuerbarer Kraftstoffe im brasilianischen Luftverkehr vorschreibt. Auch in Europa werden die Anforderungen an nachhaltige Flugkraftstoffe schrittweise verschärft. Im Rahmen der EU-Verordnung ReFuelEU Aviation gilt seit 2025 eine SAF-Mindestquote von 2 Prozent, die bis 2030 auf 6 Prozent ansteigen soll.
Handel Brasilien und Baden-Württemberg
Brasilien war auch 2025 ein wichtiger Handelspartner Baden-Württembergs. Die Exporte nach Brasilien beliefen sich auf rund 1,88 Milliarden Euro und lagen dadurch 1,7 Prozent unter dem Vorjahreswert von 1,92 Milliarden Euro. Brasilien belegte Rang 25 unter den Exportmärkten Baden-Württembergs und hatte einen Anteil von 0,8 Prozent an den Gesamtausfuhren. Vor Brasilien liegt Portugal und nach Brasilien auf Platz 26 liegt Irland. Nun bleibt abzuwarten, wie hoch der Wachstum Ende 2026 ausfallen wird. Die Zahlen liegen gegenwärtig nicht vor.
Allerdings: Nach einem leichten Rückgang der Exporte im Jahr 2025 verlief der Start in das Jahr 2026 positiv. Von Januar bis April 2026 erhöhten sich die Ausfuhren Baden-Württembergs nach Brasilien um 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und erreichten bereits im ersten Quartal rund 669 Millionen Euro. Die vorläufige Anwendung des EU-Mercosur Abkommens wird auch zum Wachstum beitragen.
Die Importe aus Brasilien gingen um 6,8 Prozent auf rund 878 Millionen Euro zurück, nach 942 Millionen Euro im Jahr 2024. Im Ranking der Herkunftsländer für Importe lag Brasilien auf Rang 36. Der Anteil an den gesamten Einfuhren Baden-Württembergs betrug 0,4 Prozent.
Bei Exporten handelt sich vor allem um Maschinen, Fahrzeuge und Kfz-Teile sowie chemische und pharmazeutische Erzeugnisse. Nach Deutschland importiert werden hauptsächlich mineralische und pflanzliche Produkte sowie Lebensmittel, Getränke und Tabak.
Die Handelsbeziehungen zwischen Brasilien und Deutschland reichen viele Jahrzehnte zurück. Bereits in den 50er Jahren haben sich große deutsche Unternehmen angesiedelt und so zum Aufbau der brasilianischen Industrie beigetragen. Rund 1300 deutsche Unternehmen haben heute.