Branchentrends International
Elektromobilität auf internationalen Märkten
Netzwerk Elektromobilität
- Die e-mobil BW GmbH ist die Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive in Baden-Württemberg. Sie setzt sich im Netzwerk mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand für den Wandel der Mobilität ein. Im Bereich Internationalisierung werden internationale Aktivitäten und weltweite Kooperationen aktiv unterstützt.
- Das Cluster Elektromobilität Süd-West wird von der Landesagentur emobil BW geleitet und unterstützt als Verbund branchenübergreifender Partner die Industrialisierung der Elektromobilität. Im Fokus stehen innovative Ansätze für Fahrzeuge, Ladesysteme und Mobilitätsformen.
- Der Verband der Automobilindustrie (VDA) stellt im Themenbereich Elektromobilität umfassende Informationen zu globalen Entwicklungen und verschiedenen Technologiebereichen zur Verfügung.
Internationale Märkte Elektromobilität
Die Entwicklungen im Sektor Elektromobilität sind maßgeblich von internationalen Kooperationen innerhalb Europas, aber auch in Asien und Nordamerika geprägt. Die Vernetzung von Akteuren, Clustern und Netzwerken ermöglicht einen breiten Wissenstransfer und eine diversifizierte Nutzung verschiedener Wertschöpfungsketten. Insgesamt sind die weltweiten Kooperationsmöglichkeiten im Bereich Elektromobilität sehr vielfältig.
Japan
Japans Automobilindustrie bleibt trotz stagnierender Reallöhne und einer schrumpfenden Bevölkerung ein globaler Schwergewichtsfaktor – und genau das macht sie für Deutschland wirtschaftlich relevant. Japanische Hersteller exportieren mehr als die Hälfte ihrer Produktion, wobei die USA der wichtigste Absatzmarkt sind. Veränderungen in der US‑Handelspolitik, etwa mögliche Zölle, könnten die globalen Lieferketten verschieben und damit auch deutsche Hersteller und Zulieferer betreffen, die eng mit japanischen Unternehmen verflochten sind.
Für Deutschland ist besonders wichtig, dass japanische Hersteller weiterhin stark auf Hybridtechnologien setzen, während reine Elektroautos nur langsam an Bedeutung gewinnen. Das beeinflusst den Wettbewerb im europäischen Markt: Deutsche Hersteller, die stärker auf batterieelektrische Fahrzeuge setzen, treffen in Japan und in Drittmärkten auf eine andere technologische Strategie. Gleichzeitig entsteht Kooperationspotenzial – etwa bei Software, Elektronik oder Wasserstofftechnologien, wo japanische Firmen massiv investieren und deutsche Unternehmen wie BMW oder Daimler Truck bereits Partnerschaften pflegen. Auch im Zulieferbereich bestehen enge Verbindungen. Japan importiert jährlich große Mengen an Kfz‑Teilen, darunter auch aus Deutschland. Die Modernisierung der japanischen Industrie – etwa durch Investitionen in Batteriewerke, Brennstoffzellentechnik und softwaredefinierte Fahrzeuge – eröffnet deutschen Technologieanbietern zusätzliche Chancen. Umgekehrt erhöht die starke japanische Präsenz in globalen Märkten den Wettbewerbsdruck für deutsche Hersteller, insbesondere in Asien und Nordamerika.
Insgesamt zeigt sich: Die Entwicklungen in Japans Kfz‑Industrie wirken weit über das Land hinaus. Für Deutschland ergeben sich daraus sowohl Risiken durch geopolitische Unsicherheiten als auch Chancen durch technologische Kooperationen und eine weiterhin hohe Nachfrage nach hochwertigen Zulieferteilen.
USA
Mit der zweiten Amtszeit von Donald Trump steht die Elektromobilität in den USA vor einer ungewissen Zukunft. Förderprogramme wie die Steuergutschriften des Inflation Reduction Act (IRA) geraten unter Druck, ebenso die ambitionierten Emissionsziele der Biden-Ära. Trump hat bereits den Rückbau der E-Auto-Förderung eingeleitet und plant, die CO₂-Grenzwerte deutlich zu lockern. Diese politische Unsicherheit bremst die Dynamik des US-Marktes.
Trotzdem wächst der Markt weiter – wenn auch langsamer als in Europa oder China. 2024 lag der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge in den USA bei gut 8 %, während Deutschland 13,5 % und China rund 25 % erreichten. Prognosen sehen für die USA bis 2030 einen Anteil von etwa 20–23 %. Kalifornien bleibt Vorreiter mit über 20 %, während ländliche Staaten kaum E-Autos zulassen. Hersteller wie GM, Ford und Stellantis setzen auf günstigere Modelle unter 30.000 US-Dollar, um neue Kundengruppen zu erreichen. Tesla verliert Marktanteile, während Hyundai, GM, Ford und auch BMW zulegen.
Für deutsche Hersteller und Zulieferer ergeben sich gemischte Perspektiven. Einerseits erschweren die strengen IRA-Vorgaben den Export: Um die begehrten Steuergutschriften von bis zu 7.500 US-Dollar zu erhalten, müssen Fahrzeuge und Batterien überwiegend in Nordamerika produziert werden. Komponenten aus China sind ausgeschlossen. Das zwingt deutsche OEMs wie BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen, ihre US-Produktion auszubauen und lokale Lieferketten für Batterien und Rohstoffe aufzubauen. Zulieferer wie BASF können profitieren, wenn sie ihre Materialproduktion in den USA verstärken.
Die politische Unsicherheit birgt Risiken für langfristige Investitionen, eröffnet aber auch Chancen:
- Hybride als Brückentechnologie: Da die E-Auto-Adoption langsamer voranschreitet, steigt die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen – ein Segment, in dem deutsche Hersteller stark sind.
- Premium-E-Autos in Kalifornien: Der Bundesstaat bleibt ein wichtiger Markt für deutsche Premiumfahrzeuge und könnte eigene Förderprogramme auflegen.
- Diversifizierung der Lieferketten: Die Abkehr von China bietet deutschen Unternehmen die Möglichkeit, sich als verlässliche Partner für die US-Industrie zu positionieren.
Insgesamt müssen deutsche Unternehmen ihre Strategie anpassen: Mehr lokale Wertschöpfung in den USA, stärkere Fokussierung auf Hybride und Premiumsegmente sowie Investitionen in Batterietechnologie vor Ort. Gleichzeitig bleibt Europa und China als Wachstumstreiber für Elektromobilität wichtiger denn je.
Skandinavien
Skandinavien ist der Vorreiter der Elektromobilität in Europa. Norwegen erreicht nahezu vollständige Elektrifizierung: Über 95 % der Neuzulassungen sind batterieelektrische Fahrzeuge. Auch Dänemark, Schweden und Finnland verzeichnen beeindruckende Wachstumsraten mit Anteilen zwischen 55 % und 66 %. Diese Entwicklung wird durch konsequente staatliche Förderung, Steuervergünstigungen und eine stark ausgebaute Ladeinfrastruktur unterstützt. Allein 2024 wuchs die Zahl öffentlicher Ladepunkte in der Region um rund 30 %.
Für die deutsche Wirtschaft ist diese Dynamik von hoher strategischer Bedeutung. Skandinavien bietet nicht nur einen attraktiven Absatzmarkt für deutsche Premiumhersteller wie BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen, sondern auch vielfältige Chancen für Zulieferer und Technologieanbieter. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur und die hohe Nachfrage nach nachhaltiger Mobilität schaffen ein Umfeld, in dem deutsche Unternehmen ihre Innovationskraft zeigen können.
Um diese Chancen zu nutzen, sollten deutsche Unternehmen fünf zentrale Schritte gehen: Erstens ist der Ausbau einer lokalen Präsenz entscheidend, um Kundennähe zu schaffen und an öffentlichen Ausschreibungen für Ladeinfrastruktur teilzunehmen. Zweitens sind strategische Kooperationen mit Energieversorgern und Ladeinfrastrukturbetreibern notwendig, um Komplettlösungen aus Fahrzeug, Ladehardware und Abrechnung anzubieten. Drittens sollten Hersteller ihr Produktportfolio an die nordischen Bedingungen anpassen, etwa durch optimiertes Thermomanagement und Reichweitenstabilität für den Winterbetrieb. Viertens gilt es, Premium- und Flottensegmente gezielt zu bedienen, da diese Kundengruppen besonders offen für hochwertige Elektrofahrzeuge und flexible Leasingmodelle sind. Fünftens sollten Unternehmen in Pilotprojekte für Vehicle-to-Grid und Smart-Charging-Technologien investieren, um sich als Innovationsführer im Bereich Energiemanagement zu positionieren.
Skandinavien ist ein strategischer Zukunftsmarkt für deutsche Unternehmen. Wer frühzeitig investiert, Kooperationen eingeht und Produkte sowie Services auf die lokalen Anforderungen zuschneidet, sichert sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile in der europäischen Elektromobilität.