Informationen zum Nahen Osten

Aktuelle Lage im Nahen Osten und wirtschaftliche Auswirkungen

Die deutsche Wirtschaft verfolgt die Ereignisse im Nahen Osten seit dem 28. Februar 2026 mit großer Aufmerksamkeit und Sorge. Militärische Auseinandersetzungen, gesperrte Lufträume und unterbrochene Transportwege erhöhen die Unsicherheit für internationale Geschäftsbeziehungen. Für deutsche Unternehmen stellen sich damit Fragen zu Mitarbeitersicherheit, Lieferkettenstabilität und Energieversorgung.

Strategische Bedeutung des Nahen Ostens für Energie und Handel

Der Nahe Osten gehört zu den wichtigsten Energielieferanten weltweit: Rund 25 Prozent der globalen Ölproduktion und 25  Prozent der weltweiten LNG (Verflüssigtes Erdgas)-Mengen stammen aus der Region. Besonders hervorzuheben ist Saudi-Arabien mit einem Anteil von 9 Prozent an der globalen Ölförderung sowie Katar, das allein 19 Prozent des weltweiten LNG produziert. Die Region ist außerdem ein bedeutender Exporteur von raffinierten Erdölprodukten und Düngemitteln. Die strategisch zentralen Meerengen mit der Straße von Hormus und dem Bab al-Mandab/Suezkanal sichern wesentliche Ströme des Welthandels ab. Durch Hormus passieren 20 Prozent des globalen Ölverbrauchs, 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels und täglich rund 144 Schiffe.

Auswirkungen auf Deutschland: Energie, Logistik und Preise

Deutschland ist nur gering direkt abhängig von Energieimporten aus dem Nahen Osten (2025: 6,1 Prozent des Rohöls, 0 Prozent LNG). Die Risiken entstehen daher vor allem über steigende globale Energiepreise und Lieferketteneffekte. Öl und Gas decken 40 Prozent des industriellen Energieverbrauchs, weshalb Preissteigerungen die Produktionskosten unmittelbar erhöhen. Logistisch sind mögliche Blockaden oder Umwege besonders relevant: Etwa 10 Prozent des deutschen Außenhandels läuft über den Suezkanal, und Umfahrungen um Afrika führen zu längeren Transportzeiten, höheren Frachtraten, Kriegsrisikozuschlägen und geringeren Frachtkapazitäten. Für Transporte in die Golfstaaten liegen aktuelle War Risk Surcharges bei 1.500–4.000 US Dollar pro Container – ein Aufschlag von bis zu 300 Prozent.

Bedeutung für deutsche Unternehmen und Wirtschaftsbeziehungen

Die Golfregion ist trotz geringer Energieabhängigkeit ein wirtschaftlich relevanter Markt. Das Handelsvolumen lag 2025 bei rund 30 Milliarden Euro, vergleichbar mit Indien oder Südkorea. Deutsche Unternehmen exportierten Waren im Wert von 24,8 Milliarden Euro, sind mit rund 1.800 Firmen vor Ort vertreten und beschäftigen über 66.000 Mitarbeitende in der Region. Die Region fungiert zudem als globaler Luftfrachtknoten: 65 Prozent der Luftfracht im Nahen Osten laufen über Doha und Dubai, die vor allem Transitströme zwischen Europa und Asien bündeln. Für Unternehmen ergeben sich daher kurzfristig operative Herausforderungen - etwa bei Mitarbeitendensicherheit, Energiepreisen und Transport - sowie mittelfristig Risiken durch mögliche Engpässe bei Vorprodukten, High-Tech-Komponenten und Industriegütern.

Weitere Informationen & Unterstützung für Unternehmen

Aufgrund der aktuellen Situation hat die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) ein Factsheet mit relevanten Informationen und Unterstützungsangeboten für Unternehmen veröffentlicht. Dieses finden Sie unter dem folgenden Link. Relevante Informationen und Updates finden Sie außerdem auf der folgenden DIHK-Sonderseite zur Lage in Nahost und den wirtschaftlichen Auswirkungen.