IT- und Cybersicherheit

IT-Sicherheit für Gründer: So bauen Sie Ihre digitale Basis richtig auf

IT-sicher gründen bedeutet, vom ersten Tag an einfache, aber wirksame Sicherheitsroutinen in den Alltag einzubauen – so selbstverständlich wie Buchhaltung oder Steuern. Die folgenden 10 Schritte kombinieren „Was“ mit ganz konkretem „Wie“, das Gründerinnen und Gründer sofort umsetzen können.

1. Ein Gerät, ein Account, klare Trennung

  • Nutzen Sie für das Unternehmen eigene Geräte und Konten (z.B. separates Geschäfts-Smartphone, Geschäfts-Laptop, Geschäfts-E-Mail) und trennen Sie diese strikt vom Privaten.
  • Legen Sie sich direkt eine zentrale Geschäftsadresse an (z.B. it-sicherheit@firma.de) für Sicherheitsmails, Admin-Logins und Registrierungen bei Diensten.

2. Sofort sichere Basis einstellen (Updates & Schutz)

  • Aktivieren Sie auf allen Geräten automatische Updates für Betriebssystem, Browser, Office und Sicherheitssoftware; prüfen Sie einmal pro Woche, ob Updates anstehen.
  • Installieren Sie ein aktuelles Virenschutzprogramm bzw. nutzen Sie die integrierten Schutzfunktionen moderner Betriebssysteme und aktivieren Sie die lokale Firewall (z.B. Windows Defender Firewall).
  • Konfigurieren Sie Ihren Router als zentrale Firewall: Ändern Sie das Standard-Admin-Passwort, aktivieren Sie die integrierte Firewall-Funktion, deaktivieren Sie UPnP/WPS, aktualisieren Sie die Firmware monatlich und blockieren Sie standardmäßig alle eingehenden Verbindungen von außen.

3. Passwortmanager und 2FA überall nutzen

  • Installieren Sie einen Passwortmanager (z.B. als App + Browser-Plugin) und lassen Sie für jeden Dienst ein eigenes, zufällig generiertes Passwort erstellen (oder eine Passwortrichtlinie festlegen): Mindestlänge 16 Zeichen, mit Groß-/Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen (z.B. „X7#kP9mQ2$vL8nR4“ statt „passwort123“).
  • Für besonders kritische Konten wie Admin-Zugänge (z.B. Root-Accounts, Server-Logins, Domain-Registrierungen) wählen Sie noch längere Passwörter (20+ Zeichen) oder Hardware-Keys und vermeiden Sie Wiederverwendung – nie dasselbe Passwort für zwei Dienste.
  • Aktivieren Sie Mehrfaktor-Authentifizierung konsequent für: E-Mail, Cloud-Speicher, Buchhaltung/Banking, Shop-Systeme, Domain- und Hosting-Accounts, App-Stores/Marktplätze.
  • ​Finden Sie heraus, ob Ihre persönlichen Daten und Passwörter im Internet offengelegt wurden.

4. Einfaches Backup-Regel einführen („3-2-1 light“)

  • Folgen Sie der bewährten 3-2-1-Regel: Erstellen Sie 3 Kopien Ihrer geschäftskritischen Daten (Original + 2 Backups), speichern Sie diese auf 2 verschiedenen Medientypen (z.B. Cloud-Speicher + externe Festplatte) und lagern Sie 1 Kopie offline oder geografisch getrennt (z.B. verschlüsselte Festplatte im Safe oder bei vertrauenswürdiger Familie), damit Ransomware oder Ausfälle nicht alle Kopien gleichzeitig treffen.
  • Verschlüsseln Sie Backups idealerweise immer (z.B. mit integrierten Tools wie BitLocker, FileVault oder Passwortschutz in Cloud-Diensten), um Daten bei Verlust oder Diebstahl zu schützen.
  • Richten Sie einen festen Termin ein (z.B. Freitag 15 Uhr), an dem ein automatisches oder manuelles Backup läuft, und protokollieren Sie kurz in einer Excel-Tabelle oder Notiz-App (Datum, was gesichert, Erfolg/Ja-Nein), ob es funktioniert hat – testen Sie zudem vierteljährlich eine Wiederherstellung.

5. Cloud und Tools bewusst auswählen

  • Prüfen Sie bei jedem neuen Tool (CRM, Projekt-Tool, Kollaborationsplattform), ob der Anbieter Standort, Verschlüsselung und seriöse Referenzen klar benennt.
  • Starten Sie mit wenigen, gut ausgewählten Tools statt mit einem „Zoo“ an Apps; überprüfen Sie mindestens einmal im Quartal, welche Dienste Sie wirklich nutzen und löschen Sie alte Accounts.

6. Website, Shop oder Plattform-Auftritt absichern

  • Nutzen Sie für Website und Shop nur Anbieter mit automatischem HTTPS-Zertifikat und regelmäßigen Sicherheitsupdates (z.B. Managed-Hosting, Baukasten- oder SaaS-Shop).
  • Legen Sie für Agentur oder Freelancer eigene Benutzerkonten mit begrenzten Rechten an, statt Ihr Admin-Passwort weiterzugeben, und löschen Sie Zugänge, sobald das Projekt endet.
  • Wie Sie Ihre Online-Konten vor Angriffen schützen können oder was Sie im Fall eines erfolgreichen Angriffs tun sollten, erfahren Sie auf der Website der Verbraucherzentrale.

7. E-Mail und Kommunikation „phishingfest“ machen

  • Aktivieren Sie bei Ihrem Mail-Anbieter Spam- und Phishing-Filter und konfigurieren Sie E-Mail-Server sowie Clients (z.B. Outlook, Thunderbird), sodass immer die tatsächlichen Absenderinformationen sichtbar sind – vollständige E-Mail-Adresse (z.B. „support@gefälschte-domain.ru“ statt nur „support@bank.de“) und Header-Details einblendbar.
  • Markieren Sie verdächtige Mails konsequent, statt sie zu öffnen, und prüfen Sie Absenderadressen immer zweimal auf Tippfehler oder ungewöhnliche Domains.
  • Etablieren Sie eine einfache Regel: Keine Änderung von Bankverbindungen, Passwörtern oder Verträgen nur per E-Mail – immer Rückruf unter bekannter Nummer oder Rückfrage über einen zweiten Kanal (z.B. Telefon aus Adressbuch oder Website).

8. Klare Zuständigkeit und Mini-Regeln im Team

  • Benennen Sie eine Person als „IT-Sicherheitsbeauftragten light“, auch wenn sie nebenbei andere Aufgaben hat; diese Person checkt z.B. monatlich Updates, Backups und Zugriffe.
  • Schreiben Sie auf einer A4-Seite 5–7 Hausregeln fest (z.B. „Keine Privat-Apps auf Firmenhandys“, „Keine USB-Sticks unbekannter Herkunft“, „Passwörter nie per Mail oder Chat teilen“) und besprechen Sie diese einmal mit allen.

9. Datenschutz & Datenminimierung von Anfang an

  • Speichern Sie nur Daten, die Sie wirklich benötigen, und löschen Sie Test-, Alt- und Dublettendaten regelmäßig – gerade in Tools, die Sie in der Testphase ausprobiert haben.
  • Nutzen Sie Standardvorlagen von IHK oder BSI für Verarbeitungsverzeichnisse und technische/organisatorische Maßnahmen, statt alles selbst zu erfinden.

10. Mini-Notfallplan für den Ernstfall

  • Schreiben Sie auf einer Seite: Wen rufen Sie an (IT-Dienstleister, Hoster, Bank, IHK/BSI-Hotline), welche ersten Schritte Sie tun (Netzwerk trennen, Passwörter ändern, Backup prüfen) und wer intern informiert wird.
  • Füllen Sie die BSI-IT-Notfallkarte aus, drucken Sie sie aus und bewahren Sie sie griffbereit auf – so wissen Sie im Ernstfall sofort, welche ersten Schritte zu tun sind.​
  • Üben Sie diesen Ablauf einmal im Jahr kurz im Team („Tabletop“: durchspielen eines fiktiven Vorfalls), damit im echten Notfall niemand überlegen muss, was zu tun ist.
Bei einem Cyberangriff zählt jede Minute: Wenden Sie sich sofort an die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) des Landeskriminalamts Baden-Württemberg unter 0711 / 5401-2444 und holen Sie sich professionelle Hilfe, bevor der Schaden noch größer wird.
Diese 10 Schritte machen Sie nicht zu 100% sicher – keine Maßnahme kann das in einer dynamischen Bedrohungslage garantieren –, legen aber einen soliden Grundstein, der die häufigsten Risiken abdeckt und Ihr Unternehmen resilient macht. Regelmäßige Überprüfungen (z.B. monatlich) und Weiterbildung halten den Schutz aktuell; IHKs, BSI und CyberSicherheitszentren bieten kostenfreie Checklisten und Beratung als nächsten Schritt. Wer jetzt startet, schafft sich einen entscheidenden Vorteil – sichere Gründungen wachsen schneller und sicherer.