IHK-Frequenzanalyse

Was ist in der Innenstadt wirklich los?

Seit Ende 2024 erfasst die IHK-Bezirkskammer Göppingen die Passantenzahlen in Göppingen und Geislingen. Während in Göppingen Messpunkte in der Haupt- sowie der Marktstraße und am Marktplatz eingerichtet wurden, gibt es in Geislingen aufgrund der Zergliederung der Einzelhandelslandschaft lediglich einen Messpunkt in der Fußgängerzone am Alten Zoll.
Gemessen wird und wurde mittels Cell-Broadcast. Da moderne Smartphones ständig nach WLAN-Netzen suchen, mit denen sie sich verbinden können, kann man dies nutzen, um zu messen, wie viele Smartphones einen Messpunkt passieren. Passiert eine Person mit Smartphone öfter am Tag einen Messpunkt, zum Beispiel auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit und wieder zurück, ergibt dies zwei gezählte Messungen. Die Messungen erfolgen durchgehend von 0 – 24 Uhr.

Auswertung der Frequenzmessung

Insgesamt wurden an den drei Messpunkten in Göppingen im Jahr 2025 rund 9,5 Millionen Passanten gezählt! Um Entwicklungen darzustellen, sind jedoch Vergleiche notwendig. Vergleicht man die Zeiträume Januar bis Juli 2025 und 2026 miteinander, gibt es aktuell wenig Grund für Optimismus. Hier wurden im laufenden Jahr 333 Tausend Passanten weniger gezählt als im Vorjahr. Dies spiegelt sich am Ende auch bei den Einzelhandelskennzahlen wider. Hier steigt von Jahr zu Jahr der Anteil am Onlinehandel, wohingegen der stationäre Handel an Attraktivität verliert.
In der Fußgängerzone in Geislingen tummelten sich 2025 immerhin 1 Million 75 Tausend Passanten. Im Vergleich 2025 zu 2026 im Zeitraum Januar bis Juli kann sich die Stadt Geislingen im Gegensatz zu den Göppingern über einen Zuwachs von rund 68 Tausend Passanten freuen.

Frequenzstärkste Tage und Orte

In Göppingen ist der Samstag mit durchschnittlich 30.200 Messungen nach wie vor der frequenzstärkste Tag. Knapp dahinter liegen der Freitag mit durchschnittlich rund 30.040 sowie der Donnerstag mit durchschnittlich rund 28.800 Messungen.
In der Geislinger „FuZo“ hingegen sind der Mittwoch mit durchschnittlich 4.800 sowie der Freitag mit durchschnittlich 4.600 Messungen die Top-Tage. Am Samstag tummeln sich lediglich rund 3.600 Passanten dort.
Der Marktplatz in Göppingen schafft es an den Freitagen und Samstagen im Durchschnitt auf über 13.000 Messungen. Am wenigsten Messungen gibt es hingegen in der Hauptstraße. Hier sind es lediglich 5.500 am Donnerstag und Freitag und interessanterweise nur rund 5.000 an den Samstagen.
Interessant ist auch der Blick auf den Sonntag und dann der Marktplatz Göppingen sowie die Fußgängerzone Geislingen im Vergleich. Am Göppinger Marktplatz tummeln sich immerhin durchschnittlich noch rund 6.000 Menschen am Sonntag, während es in Geislingen nur 2.200 sind. Hier wirkt sich die vorhandene bzw. fehlende Gastronomie aus. Und es zeigt sich auch deutlich, welchen Einfluss vorhandene und funktionierende Gastronomie auf die Frequenzzahlen einer Innenstadt hat. Insofern tut jede Kommune gut daran, das gastronomische Leben und im Sommer vor allem die Außengastronomie zu fördern.

Welche Rolle spielt das Wetter?

Teil der Frequenzmessung ist auch die Möglichkeit der Auswertung in Verbindung mit den Wetterdaten. Hier zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen sehr hohen Temperaturen und sinkenden Frequenzen. Je heißer es ist, beziehungsweise je nasser, desto weniger Menschen, kommen in die Stadt.
In Bezug auf die heißen Tage hat die Stadt Göppingen mit den Wasserspielen und den Bäumen in der Marktstraße bereits erste Maßnahmen zur Abkühlung ergriffen. Durch den Klimawandel wird es jedoch immer mehr Tage über 30 Grad geben. Hier könnte insbesondere in der Marktstraße eine Beschattung im Sommer durch zwischen den Häusern gespannte Tücher helfen, die Aufenthaltsqualität zu steigern. Gleiches gilt für die Fußgängerzone in Geislingen.
Mit einem Augenzwinkern könnte man jedoch auch feststellen, dass es die Besucher der Innenstadt an heißen Tagen eher in die klimatisierten Geschäfte zieht, weil sie sich dort abkühlen können und vielleicht wird dadurch auch der eine oder andere Spontankauf getätigt.

Veranstaltungen als Frequenzbringer

Wie zu erwarten war, sind Veranstaltungen jeglicher Art die besten Frequenzbringer für eine Innenstadt. Allerdings bedeuten mehr oder längere Veranstaltungen auch nicht automatisch mehr Passanten beziehungsweise Besucher und für den Einzelhandel mehr Umsatz.
In Göppingen füllt das jährliche Weinfest mit rund 165.000 Zählungen die Innenstadt am besten. Mit rund 50.000 Zählungen war der 03. Oktober 2025 auch der frequenzstärkste Tag aller gemessenen Tage. Auch das Stadtfest 2025 brachte mit rund 129.000 Zählungen Frequenz in die Innenstadt. Nach dem Weinfest war der Gleichstellungstag am 10. Mai 2025 mit verschiedenen Aktionen auf dem Marktplatz mit rund 45.000 Zählungen der frequenzstärkste Tag. Während der Märklintage 2025 wurden immerhin 88.000 Zählungen erfasst. Vergleicht man diese Werte mit einem durchschnittlichen Samstag mit 29.600 Zählungen zeigt dies deutlich, wie wichtig Veranstaltungen für eine Innenstadt sind. Umso besser ist es da, wenn Handels- und Gewerbeverein sowie die Kommune an einem Strang ziehen.
Für die meiste Belebung der Geislinger Fußgängerzone sorgt das Geislinger Stadtfest. Der Samstag des Stadtfests 2026 (Geislinger Hock) war mit rund 29.200 Zählungen der frequenzstärkste Tag aller Messungen. Insgesamt wurden an den drei Stadtfesttagen 2026 rund 60.700 Messungen erfasst. Im Jahr davor waren es lediglich rund 46.600 Zählungen. Hier hat sich das gute bzw. schlechte Wetter unmittelbar auf die Besucherzahlen ausgewirkt. Waren es 2025 an den drei Tagen von Freitag bis Sonntag im Schnitt lediglich laue 20 Grad Maximaltemperatur, wurden 2026 zwischen 24 und 29 Grad gemessen.
Während an heißen Tagen normalerweise die Innenstadt gemieden wird, wirkt sich schönes Wetter auf Veranstaltungen wiederum positiv aus.
Ein echter Frequenzbringer in Geislingen ist auch der traditionelle Sparkassenlauf. 2025 wurde hier rund 13.700 und in diesem Jahr rund 17.000 Messungen gezählt. Hier könnte die Stadt Göppingen vom kleineren Nachbarn aus dem oberen Filstal lernen. Während in Göppingen Laufveranstaltungen immer außerhalb der Stadt stattfinden, laufen die Sparkassenläufer mitten durch die Stadt.
Um neben oft aufwändig organisierten Veranstaltungen Frequenz in die Innenstadt zu bringen, fordern Händler immer wieder, die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage zu erhöhen. Allerdings ist das kein Patentrezept. Während der verkaufsoffene Sonntag in Göppingen im April 2025 38.000 Zählungen verbuchen konnte, also etwa 5.000 mehr als an einem durchschnittlichen Samstag, waren es im Oktober 2025 lediglich 23.000 und im März 2026 immerhin 26.000 Zählungen. Das sind zwar deutlich mehr als an einem durchschnittlichen Sonntag mit insgesamt rund 13.500 Zählungen. Allerdings ist auf Basis dieser drei Werte ein Abwärtstrend erkennbar. Insofern müssen mehr verkaufsoffenen Sonntage nicht zwangsläufig mehr Frequenz bedeuten. Und auch als Händler muss ich mich fragen, ob eine Öffnung an mehreren Sonntagen tatsächlich wirtschaftlich wäre. Das Wetter hat in diesem Fall im Übrigen keine große Rolle gespielt. Es waren an allen drei Tagen perfekte Einkaufsbedingungen. Nicht zu heiß, nicht zu kalt und trocken.
In Geislingen war der verkaufsoffene Sonntag am letzten Märzwochenende 2026 mit rund 9.100 Zählungen der frequenzstärkste Sonntag. Hier fand parallel das „crazy-weekend“ im City Outlet mit viel Programm statt. An diesem Tag hat die Verknüpfung von Innenstadt und City Outlet funktioniert. Der frequenzstärkste verkaufsoffene Sonntag 2025 war der am letzten Juniwochenende. Hier wurde zeitgleich „175 Jahre Geislinger Steige“ gefeiert und es fand das traditionelle Oldtimertreffen statt. Insgesamt wurde an diesem Tag rund 7.100 Zählungen registriert. Enttäuschend verlief dagegen der verkaufsoffene Sonntag Ende Juni 2026. Hier wurden nur rund 3.300 Passanten gezählt. Allerdings wurden diese bei 34 Grad ordentlich ins Schwitzen gebracht. Hier hat sich die Hitze also eher negativ auf die Besucherzahlen ausgewirkt.
Viel wichtiger, als verkaufsoffene Sonntage sind für die Händler die Adventssamstage. Hier erwirtschaften viele einen großen Teil ihres Jahresumsatzes. 2024 wurden an den vier Samstagen vor Weihnachten im Durchschnitt rund 30.100 Messungen gezählt. Der stärkste Tag war der 14. Dezember mit rund 33.700 Zählungen, der schwächste der Samstag davor mit rund 24.300 Messungen. 2025 wiederum kamen im Durchschnitt lediglich rund 23.500 Messungen zustande und damit noch weniger als am schlechtesten Samstag im Jahr davor! Der 29. November 2025 war mit rund 29.800 Messungen noch der frequenzstärkste Tag. Mit nur 19.700 Zählungen war der 13. Dezember 2025 der schwächste der Adventssamstage 2025.
Für den Weihnachtsmarkt in Geislingen, der traditionell am zweiten Wochenende im Dezember stattfindet, gibt es leider keine Vergleichswerte. Die Messung in der Geislinger Fußgängerzone hat erst Anfang 2025 begonnen. Vom 12. bis 14. Dezember 2025 wurde dort insgesamt rund 19.600 Messungen gezählt. Dies sind im Schnitt rund 6.500 pro Tag. Da der Weihnachtsmarkt nur im hinteren Teil der Fußgängerzone stattfindet, handelt es sich bei diesen Messungen um Passanten auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt und zurück.
Um gerade in der Adventszeit die Frequenz in der Innenstadt zu erhöhen, spielt für die Göppinger City die Göppinger Waldweihnacht eine wichtige Rolle. Diese wurde im Jahr 2025 auf ganze 40 Tage ausgedehnt, aber leider mit mäßigem Erfolg. Wurden 2024 an 34 Tagen rund 920.000 Messungen registriert, waren es 2025 an 40 Tagen lediglich rund 785.000. Pro Tag konnten damit 2024 rund 27.000 Messungen gezählt werden, während es 2025 lediglich 19.600 pro Tag waren. Diese Zahlen sind ernüchternd für die Göppinger Innenstadt.

Fazit: Veranstaltungen beleben die Innenstädte

Die Auswertung der Frequenzmessungen widerspricht dem oft gezeichneten Bild einer dauerhaft schrumpfenden Innenstadt. Vielmehr zeigen die Daten, dass attraktive Veranstaltungen, Märkte und Feste erhebliche zusätzliche Besucherströme erzeugen können.
Besonders die Innenstadtlagen in Göppingen profitieren von Großveranstaltungen wie dem Stadtfest oder dem Weinfest. In Geislingen sorgt vor allem das traditionelle Stadtfest mit Kinderfest und Geislinger Hock für außergewöhnliche Besucherzahlen.
Die Ergebnisse legen nahe, dass gezielte Eventformate auch künftig ein wichtiger Baustein zur Stärkung der Innenstädte und des lokalen Einzelhandels bleiben werden.
Allerdings bedeuten Feste und Aktivitäten in der Innenstadt nicht gleichzeitig auch mehr Umsatz für die stationären Händler. Wichtig ist, bei Veranstaltungen Formate zu schaffen, die die Passanten in die Geschäfte locken. Dies können Gutscheine sein, die es an Glücksrädern zu gewinnen gibt, oder eine Innenstadt-Rallye durch die City-Geschäfte, bei der in den Geschäften bestimmte Gegenstände gesucht werden müssen. Am Ende winken dann wieder Gutscheine als Preis.