IHK-Konjunkturbericht Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026

Der Nahostkonflikt bremst den Aufschwung aus

Der langerwartete Aufschwung in der Region ist fernab der hiesigen Verkehrswege in der Straße von Hormus unter die Räder gekommen. Auch in diesem Jahr hat die erste Krise nicht lange auf sich warten lassen und die zaghaften Prognosen einer wirtschaftlichen Kehrtwende zur Makulatur gemacht. Die Erwartungen für die Konjunktur für das laufende Jahr sind mittlerweile von fast allen Wirtschaftsinstituten deutlich nach unten revidiert worden, noch bevor sich überhaupt klar abzeichnet, welche Folgen der Nahostkonflikt mittel- und langfristig für die weltweite Wirtschaft mit sich bringt.
Die Auswirkungen sind in der regionalen Wirtschaft zwar bislang nur zum Teil angekommen und tatsächliche Ausfälle von Energie- und Rohstofflieferungen sind bislang weitgehend ausgeblieben. Dennoch ist der Lageindikator in der aktuellen Konjunkturumfrage mit minus 11 Punkten wieder tiefer in den negativen Bereich gerutscht (Jahresbeginn minus 5 Punkte) und bleibt auch im Vergleich zur Region insgesamt deutlich schlechter.
Die Erwartungen der Unternehmen zeigen, wohin die weitere Reise gehen dürfte. Der Indikator liegt in Esslingen bei minus 11 Punkten, ausgehend von gut einem Punkt zum Jahresbeginn. Da im Landkreis die Lage seit Anfang 2025 durchweg schlechter eingeschätzt wurde als in der Region war zuletzt auch die Hoffnung auf Besserung entsprechend größer. Doch während der Erwartungsindikator im Januar rund 5 Punkte über dem Regionsschnitt lag ist er nun mit minus 11 Punkten wieder darunter. Die Sorgen über die Folgen des Nahostkonflikts ziehen sich entlang der Liefer- und Produktionsketten sowie der Konsumnachfrage durch alle Branchen. Am Anfang stehen bereits seit Wochen die Benzin- und Dieselpreise und das Verkehrsgewerbe, die Industrie folgt mit einer hohen Kostenbelastung und Lieferrisiken auf breiter Front von Energie bis zu Halbleitern und Stickstoff, im Handel und Dienstleistungsbereich schlagen Inflation und Unsicherheit der Verbraucher durch.
Lage und Erwartung der Esslinger Unternehmen
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
IHK-Indikatoren aktuelle Geschäftslage und Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate
Saldo der positiven und negativen Nennungen. JB = Jahresbeginn, FS = Frühsommer, H = Herbst
Die Unsicherheit verstärkt auch die anhaltende Investitionsschwäche im Kreis. Neben den strukturellen Hemmnissen fehlen auch weiterhin konjunkturelle Impulse. Die Investitionen, die derzeit getätigt werden, sind überwiegend Ersatzinvestitionen und ansonsten Rationalisierungs- und Digitalisierungsinvestitionen, jedoch keine Erweiterungen der Kapazitäten. Der Investitionsindikator für die Gesamtwirtschaft liegt mit rund minus 5 Punkten nicht mehr so weit im negativen Bereich wie zu Jahresbeginn. Dennoch wollen 30 Prozent der Unternehmen in den kommenden 12 Monaten ihre Investitionen (weiter) zurückfahren.
Investitionspläne der Esslinger Unternehmen
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
IHK-Indikator geplante Ausgaben für Inlandsinvestitionen in den nächsten 12 Monaten. Saldo der Nennungen "steigende Ausgaben" und "zurückgehende Ausgaben“. JB = Jahresbeginn, FS = Frühsommer, H = Herbst
Für den Arbeitsmarkt ist ebenfalls kein Lichtblick zu erkennen. Der Beschäftigungsindikator für Esslingen liegt weiterhin auf dem niedrigen Niveau vom Jahresbeginn und bleibt mit minus 18 Punkten wie seit fast zwei Jahren im zweistelligen negativen Bereich. Lediglich 8 Prozent der Unternehmen planen in den kommenden 12 Monaten einen Beschäftigungsaufbau, über ein Viertel hingegen einen Abbau, im Handel sind es sogar rund 44 Prozent.
Beschäftigungspläne der Esslinger Unternehmen
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
IHK-Indikator Beschäftigungspläne für die kommenden 12 Monate, Saldo der Nennungen "steigende Beschäftigung" und "zurückgehende Beschäftigung. JB = Jahresbeginn, FS = Frühsommer, H = Herbst
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
Die von den Unternehmen im Kreis Esslingen genannten Risiken spiegeln die Auswirkungen des Nahostkrieges deutlich wider. Gegenüber dem Jahresbeginn hat es eine deutliche Verlagerung in der Struktur der Nennungen gegeben, so dass nun die massiven Störungen des Welthandels und die gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe weit nach vorne gerückt sind.
Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung. Nennungen der Unternehmen in Prozent, Mehrfachnennungen möglich
  • An vorderster Stelle steht mit 75 Prozent der Nennungen mit der Inlandsnachfrage ein Risiko, in das indirekt ebenfalls die Energiepreise hineinspielen und das noch einmal gestiegen ist. Vor allem im Handel und den personenbezogenen Dienstleistungen macht sich die große Unsicherheit der Verbraucher und die Sorge vor hohen Inflationsraten und Reallohnverlusten bemerkbar. Die erhöhte, mit Rekordschulden finanzierte Staatsnachfrage kann diesen Bremseffekt bei weitem nicht kompensieren.
  • Die geopolitischen Spannungen folgen gleichauf mit den daraus resultierenden Energiekosten mit rund 60 Prozent der Nennungen. Die Rohstoffkosten liegen rund 10 Punkte dahinter und werden damit von der Hälfte der Unternehmen als Risiko genannt. Allerdings sind sie im Gegensatz zu den Energiekosten ein branchen- beziehungsweise tendenziell industriespezifisches Risiko. Die Veränderungen gegenüber Jahresbeginn mit einem Anstieg um jeweils rund die Hälfte liegen für beide Risiken in einer ähnlichen Größenordnung.
  • Angesichts der hohen Gesamtkostenbelastung der Unternehmen scheint sich das Risiko der Lohnkosten nur auf den ersten Blick dem Trend zu entziehen. Absolut betrachtet liegt es mit 60 Prozent noch immer über dem Niveau des gesamten letzten Jahres. Weder Produktivitätssteigerung noch Lohnzurückhaltung sind angesichts von Investitionsschwäche und allgemeiner Teuerung realistische Szenarien, dass sich dies auf absehbare Zeit ändert. Der Fachkräftemangel bleibt zwar weiterhin ein Risiko, verliert aber vor dem Hintergrund der schwachen Entwicklung seit Jahresbeginn weitere 3 Prozentpunkte.
  • Die Wirtschaftspolitik wird weiterhin den Anforderungen nicht gerecht. Die trotz großer Ankündigungen bislang nur zaghaften Reformen im ersten Jahr der Berliner Koalition sprechen dafür, dass die Bundesregierung von den Unternehmen tatsächlich als wenig wirtschaftsfreundlich empfunden wird und keineswegs bloß als Überbringerin schlechter Botschaften in die Verantwortung genommen wird.

Blick in die Branchen

Der Blick in die Branchen zeigt zur Jahresmitte eine Angleichung der Lageindikatoren von Industrie und Dienstleistern.
Aktuelle Geschäftslage nach Branchen
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
IHK-Indikator Aktuelle Geschäftslage., Saldo der positiven und negativen Nennungen.
Während die Industrie sich seit Jahresbeginn aus der Talsohle herausgearbeitet hat, sinken umgekehrt die Bewertungen der Dienstleister ein weiteres Mal und weisen nun einen zweijährigen negativen Trend in Richtung Nullniveau auf. Der Handel ist wieder weit in den Minusbereich gerutscht, nachdem sich zu Jahresbeginn eine leichte Trendwende andeutete.
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
IHK-Indikator Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate, Saldo der positiven und negativen Nennungen.

Industrie

Die Industrie meldete im Kreis Esslingen das gesamte letzte Jahr hindurch eine deutlich schlechtere Lage als in der Gesamtregion. Im Herbst 2025 betrug der Abstand rund 15 Prozentpunkte, in der aktuellen Umfrage ist er hingegen auf 4 Punkte geschrumpft. Die Esslinger Sonderkonjunktur – beziehungsweise Sonderflaute - scheint damit ein Ende gefunden zu haben.
  • Allerdings sind die in beiden Fällen noch immer deutlich negativen Lageindikatoren von minus 14 Punkten (Region) und minus 18 (Esslingen) alles andere als eine Kehrtwende. Vielmehr sieht sich die Branche regionsweit weiterhin mit großen Schwierigkeiten konfrontiert. Die geopolitischen Spannungen werden von 70 Prozent der Esslinger Industrieunternehmen als Risiko eingeschätzt, während sie in der Gesamtwirtschaft mit 54 Prozent lediglich an vierter Stelle rangieren.
  • Bei den Investitionsmotiven dominiert weiter der Ersatzbedarf, der von rund zwei Dritteln der Unternehmen gemeldet wird, Kapazitätserweiterungen spielen nur bei 11 Prozent der Investitionen eine Rolle. Erfreulich ist die Entwicklung bei den Investitionen für Produkt- und Verfahrensinnovationen, die seit gut zwei Jahren von rund der Hälfte der Industrieunternehmen als Motiv angegeben wird. Damit fließen zumindest die Budgets der Unternehmen – im Gegensatz zum Staatshaushalt - in den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit.
Lage und Erwartung der Esslinger Industrie
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
IHK-Indikatoren aktuelle Geschäftslage und Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate
Saldo der positiven und negativen Nennungen. JB = Jahresbeginn, FS = Frühsommer, H = Herbst
  • Die Exporterwartungen haben sich dennoch aufgehellt. Ausgehend von einem niedrigen Niveau liegt der Indikator für die Industrie in Esslingen im Frühsommer bei 28 Punkten und damit deutlich über dem Regionsdurchschnitt.
Exporterwartungen der Esslinger Wirtschaft
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
IHK-Indikator Exporterwartungen für die kommenden 12 Monate (im Vergleich zu den vergangenen zwölf Monaten)
Saldo der Nennungen „steigende Exporte“ und „sinkende Exporte“. JB = Jahresbeginn, FS = Frühsommer, H = Herbst
Angesichts eines Beschäftigungsindikators von minus 24 Punkten ist weiterhin keine Entlastung auf dem Arbeitsmarkt zu erwarten. Er liegt zum Frühsommer deutlich unter dem Niveau für die Gesamtwirtschaft. Nur 8 Prozent der Unternehmen planen in den kommenden 12 Monaten einen Beschäftigungsaufbau. Dieser Wert pendelt seit nun zwei Jahren nur noch im einstelligen positiven Bereich und spiegelt die Verfestigung der Arbeitsmarktprobleme wider.

Handel

Die Verbesserung des Erwartungsindikators im Esslinger Handel währte nur kurz. Die trüben Aussichten für die Konjunktur, die Verunsicherung der Verbraucher aber auch die auf breiter Front gestiegenen Kosten schlagen wieder voll auf die Stimmung der Händler durch. Auch der Lageindikator ist wieder deutlich gefallen, die Branche kommt nicht aus dem Tief.
  • Während zum Jahresbeginn rund 10 Prozent der Händler eine gute Lage meldeten sind es nun nur noch 5 Prozent. Eine schlechte Lage melden hingegen 43 Prozent der Händler und damit 16 Prozentpunkte mehr als beider letzten Umfrage. Der Trend ist auch für die Region festzustellen, wenngleich der Indikator dort mit minus 28 Punkten nicht ganz so weit im negativen Bereich liegt und immerhin 12 Prozent der Händler eine gute Lage melden.
Lage und Erwartung im Esslinger Handel
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
IHK-Indikatoren aktuelle Geschäftslage und Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate
Saldo der positiven und negativen Nennungen. JB = Jahresbeginn, FS = Frühsommer, H = Herbst
  • Bei den Erwartungen steht der Kreis hingegen in etwa gleichauf mit der Region bei minus 33 Prozent und damit in etwa wieder auf dem Niveau vom Jahresbeginn 2025. Zwischenzeitlich hatte es bei den Händlern einen leichten Hoffnungsschimmer gegeben. Der Anteil der Optimisten stieg auf knapp 20 Prozent. Zum Frühsommer sind es jedoch nur noch 12 Prozent, die für die kommenden 12 Monate eine Verbesserung der Geschäftslage erwarten.
  • Ungeachtet der negativen Stimmung dreht der Investitionsindikator wieder leicht ins Plus auf nun 3 Punkte. Er steigt damit gegenüber Jahresbeginn um fast 20 Prozentpunkte und liegt wieder auf dem Niveau vom Herbst 2025. Die Esslinger Händler planen derzeit zu einem im Vergleich zur Region weit geringeren Anteil, die Investitionen weiter zurückzufahren (Kreis 23 Prozent, Region 40 Prozent). Auch handelt es sich überdurchschnittlich häufig um Erweiterungsinvestitionen. Dennoch muss sich in den kommenden Monaten erst noch zeigen, ob die Investitionen der Händler in den Standort Esslingen von einem dauerhaften Vertrauen getrieben sind oder aus der Not eines verschärften Wettbewerbs und hoher Kostenbelastungen resultieren.
  • Am Arbeitsmarkt kommen die Investitionen allerdings nicht an. Der Beschäftigungsindikator liegt bei minus 40 Punkten und damit 15 Punkte unter dem Wert zu Jahresbeginn, zurückzuführen auf einen deutlich gestiegenen Anteil von Unternehmen, die ihre Beschäftigung vor Ort reduzieren wollen.

Dienstleistungen

Für die Dienstleister in Esslingen zeigt der Trend sowohl bei Lage als auch bei den Erwartungen weiter nach unten. Beide Indikatoren erreichen einen mehrjährigen Tiefpunkt. Weder die personenbezogenen noch die Unternehmensdienstleister melden gute Aussichten. Die einen sehen sich verunsicherten Verbrauchern gegenüber, die anderen den rückläufigen Auftragseingängen aus der Industrie. Letzteres zeigt sich deutlich mit Blick auf die Region, wo insbesondere die Beratungsdienstleistungen einen starken Rückgang bei den Erwartungen aufweisen.
  • Der Lageindikator schafft es zum Frühsommer nur noch knapp ins Plus. Der Anteil der Dienstleister mit einer guten Geschäftslage ist von 37 auf 25 Prozent zurückgegangen, während der Anteil der Meldungen einer schlechten Lage bei 21 Prozent und damit auf dem Niveau der Gesamtregion liegt.
  • Die Erwartungen liegen mit minus 25 Punkten um 16 Punkte tiefer als zu Jahresbeginn, auch hier hervorgerufen durch einen Rückgang der Unternehmen mit positiver Einschätzung der kommenden 12 Monate. Mittlerweile weisen die Erwartungen der in der Regel überdurchschnittlich positiv eingestellten Branche seit drei Jahren einen negativen Wert auf.
  • Unter der zurückhaltenden Investitionstätigkeit der anderen Branchen leidend investieren auch die Dienstleister selbst nur noch eingeschränkt. Seit Herbst 2025 beträgt der Anteil der Unternehmen mit negativen Plänen für Inlandsinvestitionen rund 30 Prozent. Der Indikator für Erweiterungsinvestitionen liegt im Frühsommer nur noch bei der Hälfte des langjährigen Mittelwertes. Das Investitionsmotiv Digitalisierung steht hingegen in der Rangfolge zusammen mit den Ersatzinvestitionen weit vorn.
  • Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft weisen die Dienstleister zwar nach wie vor überdurchschnittliche Werte beim Beschäftigungsindikator auf. Doch überwiegen auch hier die Unternehmen deutlich, die einen Beschäftigungsabbau planen (20 Prozent gegenüber 10 Prozent mit positiven Plänen). Esslingen liegt damit ziemlich genau auf dem Niveau der Gesamtregion.
Lage und Erwartung der Esslinger Dienstleister
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
IHK-Indikatoren aktuelle Geschäftslage und Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate
Saldo der positiven und negativen Nennungen. JB = Jahresbeginn, FS = Frühsommer, H = Herbst
  • Das Risiko des Inlandsabsatzes rückt als Risiko zunehmend nach oben und wird mittlerweile von 75 Prozent der Unternehmen angegeben. Die Unternehmensdienstleister haben mit einer Nennung von 86 Prozent der Unternehmen mittlerweile sogar den Handel überholt. Die Nachfrageschwäche der Verbraucher scheint gesamtwirtschaftlich weniger schwer zu wiegen als die verhaltene Nachfrage nach Dienstleitungen aus der Wirtschaft.
In der Region Stuttgart hat sich die Lage in der Gesamtwirtschaft gegenüber dem Jahresbeginn um über 7 Punkte verschlechtert. Lediglich die Landeshauptstadt und der Kreis Böblingen liegen noch in positiven Bereich. Esslingen ist nun nicht mehr wie zuvor der einzige Landkreis mit einem negativen Indikator. Ludwigsburg meldet zum Frühsommer ebenso schlechte Lagewerte von rund minus 11 Prozent.
Die Industrie liegt in allen Kreisen der Region bei der Lageeinschätzung im negativen Bereich während sich umgekehrt die Dienstleister durchweg noch im positiven Bereich bewegen. Allerdings reicht es in Esslingen mit knapp vier Punkten nur knapp über das Nullniveau, wohingegen in Stuttgart und Böblingen der Lageindikator der Dienstleister zweistelligen Werte erreicht und damit in diesen beiden Kreisen für das überdurchschnittlich positive Gesamtbild verantwortlich zeichnet.
Lage der Unternehmen in der Region
IHK-Indikator aktuelle Geschäftslage, Saldo der positiven und negativen Nennungen.
Der Indikator für die Erwartungen für die kommenden 12 Monate ist in der Gesamtregion um ebenfalls über 7 Punkte gefallen. Lediglich Böblingen hält sich noch im positiven Bereich. Und wie bei den Lageeinschätzungen machen auch hier die Dienstleister den Unterschied. Esslingen liegt mit minus 11 Punkten ungefähr auf dem Niveau der Gesamtregion, allerdings mit deutlichen Unterschieden in den einzelnen Branchen.
Erwartungen der Unternehmen in der Region
Konjunkturbericht Landkreis Esslingen-Nürtingen Frühsommer 2026
IHK-Indikator Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate, Saldo der positiven und negativen Nennungen
Während die Industrie deutlich überdurchschnittliche Erwartungen hat, sind die Dienstleister überdurchschnittlich pessimistisch mit einem Indikator von minus 25, das sind 10 Punkte weniger als der Regionsdurchschnitt. Nur die Dienstleister in Göppingen und Ludwigsburg sind noch pessimistischer (beide Branchenindikatoren liegen bei rund minus 30).

Fazit

  • Das aktuelle weltpolitische Geschehen hat die Konjunktur in der Region voll im Griff. Sowohl Lage- als auch Erwartungsindikator haben eine deutliche Kehrtwende hingelegt. Nicht nur die Industrie fürchtet die Kostenbelastung durch höhere Energie und Rohstoffpreise sowie Störungen in den Lieferketten. Auch Handel und Dienstleister schauen mit Sorge auf die Entwicklung.
  • Mit zunehmender Dauer der konjunkturellen Schwächephase verfestigen sich auch die strukturellen Probleme weiter. Die entweder gar nicht oder an anderen Standorten getätigten Investitionen verringern das Potenzial für künftiges Wachstum und lassen die hiesige Wirtschaft bei technischem Fortschritt und Produktivitätswachstum weiter ins Hintertreffen geraten.
  • Die Politik wird in dieser Situation ihren eigenen Reformansprüchen nicht gerecht und verliert sich im Klein-klein der Wählerbeglückung. Die wenigen wachstums- und investitionsfreundlichen Vorhaben der vergangenen Monate verpuffen angesichts der zusätzlichen Herausforderungen für die Unternehmen. Nachhaltige Impulse sucht man weiterhin vergebens, Lediglich die durch Schulden finanzierte Konsumausgaben finden bislang den Weg in die Wirtschaft, jedoch ohne wirklich Wachstumsperspektiven zu bieten.
  • Das Ausland scheidet als Rettungsanker in der bisherigen Zuverlässigkeit ebenfalls aus. Die USA und China haben sich aus dem regelorientierten Welthandel verabschiedet, und auch gegenüber anderen Handelspartnern ist die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands kein Garant mehr für eine hohe Exportnachfrage
  • Eine Blaupause für eine mögliche Kehrtwende liefert zumindest der Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung. Bürokratieabbau, Förderung von Technologietransfer und Unternehmensgründungen, Bildung, Forschung setzen auf den Stärken der hiesigen Wirtschaft an. Ob das Papier des Vertrages dann doch ebenso geduldig ist, wie die Koalitionspartner beim wochenlangen Sondieren bleibt abzuwarten, aber nicht zu hoffen.