Die wenigen Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Belebung, die es zum Jahresbeginn bei den Unternehmen im Kreis Böblingen gab, wurden in der „Straße von Hormus“ jäh ausgebremst. Die Themen Energiekosten und Inflation rückten mit der Blockade der Meerenge wieder in den Fokus von Unternehmen und Konsumenten und drücken seitdem auf die Stimmung im Landkreis. Wie stark die Auswirkungen auf die Betriebe sein werden, wird sich zeigen. Folgenlos bleiben sie indes kaum. Wie stark der Abschwung letztendlich ausfallen wird, hängt nun davon ab, ob und wie schnell nun eine Einigung im Konflikt herbeigeführt werden kann. Insgesamt traf der Ausbruch des Krieges die Wirtschaft des Landkreises Böblingen zu einer Zeit, in der es erste Lichtblicke am Konjunkturhimmel gab.
In der Befragung der IHK-Bezirkskammer Böblingen zum Frühsommer 2026 verzeichneten zahlreiche Unternehmen wieder eine stärkere Nachfrage. Immerhin gaben mehr als 26 Prozent der Unternehmen einen gestiegenen Absatz an. Der IHK-Nachfrageindikator liegt derzeit mit knapp zwei Zählern nur noch leicht im Minus. Dies ist der beste Wert seit 2022. Dementsprechend zeigte sich auch die Geschäftslage wieder etwas stabiler, und die Hoffnungen auf einen weiteren Aufschwung machten sich verstärkt breit. Mit dem Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten muss hinter dieser erfreulichen Entwicklung ein großes Fragezeichen gesetzt werden. Es bleibt abzuwarten, wie stabil die Nachfrageentwicklung angesichts der großen Verunsicherung der Märkt sein kann. Treibende Kraft der jüngsten Nachfragesteigerung war zuletzt vor allem der Bedarf aus dem Ausland.
Blick in die Branchen
Dieser Anstieg brachte für die Industrie im Kreis eine spürbar verbesserte Situation. Der IHK-Indikator zur Geschäftslage der Produzenten verbesserte sich in der aktuellen IHK-Umfrage erneut und lag noch bei einem negativen Wert von knapp sieben Punkten. Im Frühsommer letzten Jahres lag dieser noch bei minus 34 Zählern. Mit die sehr positiven Nachfrageentwicklung hellte sich auch das Stimmungsbild der Industrieunternehmen deutlich auf. In der Konjunkturumfrage der IHK Böblingen gibt es in dieser Branche nun erstmal seit langem wieder mehr Optimisten als Pessimisten. Aber auch hier wird die aktuelle Lage bis in den Herbst hinein deutliche Spuren hinterlassen.
Spuren, von denen auch die Handelsunternehmen im Kreis nicht verschont bleiben. Während der Großhandel zuletzt mit der Industrie wieder etwas Hoffnung schöpfte, kommt der Einzelhandel nicht aus dem Tal heraus. Die Konsumenten sind verunsichert und spüren den Preisdruck nicht nur an der Tankstelle. Größere Anschaffungen müssen warten und der Blick richtet sich aktuell sorgenvoll auf den nächsten Urlaub und inwieweit der Kerosinpreis diesen verhageln könnte. In dieser Gemengelage scheint ein kaufreudiger Gang hin zum nächsten Händler in der Innenstadt kaum vorstellbar.
Spitzenreiter bei der Geschäftslage sind einmal mehr die Dienstleister im Kreis. Knapp 44 Prozent der von der IHK befragten Unternehmen verzeichnen eine gute Geschäftslage. Die Nachfrage ist weiterhin auf einem stabilen Niveau, und auch der Blick in die Zukunft ist weitestgehend optimistisch. Gut 26 Prozent der Dienstleister rechnen aktuell mit einer weiteren Verbesserung der Lage. Auch bei diesen guten Aussichten bleibt ein großes Risiko, dass die Stimmung in den kommenden Monaten kippt und die Branche wieder etwas herunterschalten muss.
Für das Baugewerbe lief es zuletzt wieder etwas besser und zum Jahresbeginn hellte sich die Stimmung wieder etwas auf. Mit dem Energiepreisdruck trübten sich die Aussichten nun wieder merklich ein. Die private Nachfrage stockt, und auch die öffentliche Hand hat ebenfalls auf die Bremse gedrückt. Alles andere als rosige Aussichten - obwohl die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum unvermindert hoch ist.
IHK-Konjunkturindikatoren: Sie werden als Saldo von positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können zwischen minus 100 und plus 100 Prozentpunkten liegen. Indikatorwert Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten. Ein positiver Indikatorwert bedeutet, dass es mehr positive als negative Antworten gibt.