Zum Jahresbeginn 2026 tritt die Wirtschaft im Kreis weiterhin auf der Stelle und kommt abgesehen von ein paar wenigen Lichtblicken nicht voran. Zu schwer lasten die Konjunkturrisiken und Probleme auf den Betrieben des Landkreises Böblingen. Die Liste der Sorgen und Nöte scheint dabei fast unendlich lang.
So drückt die Kostenseite, sei es Energie oder auch die Arbeitskosten, auf Stimmung und Jahresergebnisse. Hinzu kommt eine weiterhin schwache Nachfrage im In- und Ausland. Für den exportstarken Landkreis sind zudem die geopolitischen Verwerfungen, die sich hinzu nahezu wöchentlich ändern, zusätzliches Gift. Auch die Wirtschaftspolitik in Deutschland wird weiterhin als belastend empfunden. Von einem „Herbst der Reformen“ hatte man sich von Seiten der Unternehmen sicher mehr erhofft, auch wenn sicher vieles auf den Weg gebracht wurde. Der große Wurf, der allenthalben erwartet wurde, blieb aber aus. So trübt der Mehltau, der seit Jahren auf dem Land liegt, auch weiterhin die Stimmung. Dieses Stimmungstief und die Erwartungshaltung, dass sich nichts bewegt, führt dabei immer häufiger zu unternehmerischen Entscheidungen, die den Standort weiter schwächen. Produktionskapazitäten werden abgebaut oder komplett aufgegeben. Investitionen in die Zukunft verschoben oder gestrichen. Sollten sich die Rahmenbedingungen nicht schnell und nachhaltig ändern, kann sich dieser Prozess in den kommenden Jahren noch weiter beschleunigen. Diese Warnungen sind seit langem bekannt – nur der Adressat Politik scheint die Alarmglocken teilweise noch immer nicht zu hören. Trotz dieser düsteren Aussichten gibt es allerdings zum Jahresbeginn in der IHK-Konjunkturumfrage auch ein paar wenige Lichtblicke. So hat sich die Geschäftslage etwas gefangen und der IHK-Indikator, der sich aus der Differenz zwischen positiven und negativen Meldungen ergibt, ist wieder etwas in den positiven Bereich gerückt. Aktuell liegt er bei knapp vier Punkten. Er ist damit erstmals seit zwei Jahren wieder über der Nulllinie. Getragen wird diese Entwicklung durch eine leichte Verbesserung der Nachfrage. Diese ist zwar weiterhin schwach, jedoch konnten einige IHK-Betriebe eine zaghafte Zunahme beim Auftragseingang verzeichnen. Insbesondere aus dem Ausland kamen dabei mehr Anfragen an als zuletzt. Diese kleinen positiven Entwicklungen wirken sich dabei aber noch nicht auf die Stimmungslage im Kreis aus. Diese ist weiterhin eher pessimistisch. Knapp 16 Prozent, der von der IHK in Böblingen befragten Unternehmen gehen von einer Verbesserung der Lage aus, hingegen sind es immerhin mehr als 25 Prozent, die mit einer weiteren Verschlechterung rechnen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung zeigt sich auch der Arbeitsmarkt im Landkreis Böblingen weiterhin schwach. Viele Unternehmen planen mit weniger Personal. Die Agentur für Arbeit im Kreis verzeichnete zuletzt nochmals einen Anstieg der Arbeitslosenquote, die nun bei 4,6 Prozent liegt.
Blick in die Branchen
Wenige Impulse für den Arbeitsmarkt sind derzeit auch aus den Industriebetrieben des Kreises zu erwarten. Hier hat sich die Lage zwar erfreulicherweise zuletzt etwas stabilisiert, von einer Trendwende kann man allerdings keinesfalls sprechen. Die weltweiten Unsicherheiten und der Kostendruck führen zu einer negativen Grundstimmung in den Unternehmen. Die Geschäftserwartungen sind trotz einer etwas verbesserten Auftragslage im In- und Ausland weiterhin schlecht. Derzeit melden knapp 18 Prozent der Betriebe eine gute wirtschaftliche Situation, 27 Prozent hingegen ein schlechte. Bei den Aufträgen kam es zu einer Aufwärtsentwicklung und der IHK-Indikator zum Auftragseingang kletterte erstmals seit drei Jahren wieder in den positiven Bereich und liegt nun mit knapp drei Punkten im Plus. Dass dies auch im Hinblick auf die zahlreichen Risiken und Herausforderungen noch nicht als besonders nachhaltig empfunden wird, zeigt ein Blick auf die Erwartungshaltung der Unternehmen. Lediglich 12 Prozent der befragten IHK-Mitglieder des produzierenden Gewerbes zeigt sich derzeit optimistisch, hingegen gehen 27 Prozent von einer schlechteren Entwicklung aus.
Mit dieser negativen Erwartungshaltung gehen auch die Lage und Stimmung im Handel einher. Der produktionsnahe Großhandel konnte zuletzt von der gestiegenen Nachfrage in der Industrie etwas profitieren. Es werden aber auch hier die anhaltenden Probleme gesehen. Im Einzelhandel zeigt sich deutlich die Verunsicherung der Verbraucher. Die schlechten Nachrichten scheinen kaum abzureißen und lösen Sorgen und Ängste aus. So verlief auch das wichtige Weihnachtsgeschäft für den stationären Einzelhandel teilweise miserabel. Die Konsumenten kamen zwar vielerorts zahlreich in die Innenstädte und Einkaufscenter – beim Konsum hielten sie sich aber dennoch zur großen Enttäuschung der Händler zurück. Für viele Unternehmen kommt nun in diesem Jahr ein weiteres Problem hinzu. Mit dem gestiegenen Mindestlohn hat sich der ohnehin große Kostendruck nochmals verstärkt. Einfache Tätigkeiten, die es im Handel häufig gibt, werden damit nochmals teurer. Dies kann allerdings kaum an den Kunden weitergegeben werden.
Weiterhin vergleichsweise gut läuft es derzeit bei den Dienstleistern im Kreis. Allen negativen Entwicklungen zum Trotz können hier annähernd 40 Prozent eine gute Geschäftslage melden, lediglich 15 Prozent geben in der IHK-Umfrage eine schlechte Lagebeurteilung ab. Vor allem im Bereich Beratung und in den Finanzdienstleistungen scheint es derzeit gut zu laufen. Wohingegen Hotellerie und Gastronomie negative Signale senden. Mit der schlechten wirtschaftlichen Lage ist die Zahl der Übernachtungen von Geschäftsreisenden rückläufig. Angesicht der negativen Aussichten wurden Weihnachtsfeiern knapper budgetiert oder ganz gestrichen, viele privaten Konsumenten halten sich zudem mit Besuchen in Gaststätten zurück oder sind preisbewusster geworden. Auch in dieser Branche mit traditionell niedrigeren Löhnen schlägt seit Beginn des Jahres die Anhebung des Mindestlohns voll durch. Dabei verpufft der positive Effekt der Mehrwertsteuersenkung vielfach.
Für die Bauwirtschaft zeichnet sich derzeit zumindest eine leichte Stimmungsaufhellung ab. Zwar hat sich die Nachfrage noch nicht wesentlich verbessert. Man sieht dennoch den Bedarf an Wohnraum und auch Sanierungen und hofft auf eine Trendwende in 2026. Ob solch eine Trendwende tatsächlich kommen kann, bleibt abzuwarten. Das Investitionsprogramm der Bundesregierung kann hier sicher helfen, die klammen kommunalen Kassen haben aber zuletzt dazu geführt, dass zahlreiche Projekte vertagt bzw. gestrichen wurden und die privaten Nachfrager werden angesichts unsicherer Zeiten ungern in das Abenteuer Haus- und Wohnungsbau stürzen.
IHK-Konjunkturindikatoren: Sie werden als Saldo von positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können zwischen minus 100 und plus 100 Prozentpunkten liegen. Indikatorwert Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten. Ein positiver Indikatorwert bedeutet, dass es mehr positive als negative Antworten gibt.