Die Rosenbaums

„Feinste koschere Käse“ – das Käsegewerbe

Käsebarone

Käsehersteller und Käsegroßhändler wie Wilhelm und Benno Rosenberg hatten sich auch auf koscheren Käse spezialisiert, der den religiösen Essvorschriften gläubiger Juden entsprach. In jeder Religion gibt es Speisevorschriften. Sie regeln die Auswahl von Nahrungsmitteln, ihre Zubereitung und die Frage des Verzehrs oder Verzichts. Sie gelten im Alltag wie an Festtagen. Im Judentum gibt es zudem besondere Vorschriften für Koch- und Essgeschirr.
Käse gilt als sensibles Produkt im Hinblick auf die jüdischen Speiseregeln, den „Kaschrut“. Das hängt mit dem Herstellungsverfahren zusammen. Zur Gerinnung der Milch benötigt man bei der Käseherstellung Lab, dies wird aus dem Magen junger Wiederkäuer im milchtrinkenden Alter gewonnen, gilt aber im Sinne jüdischer Speiseregeln als nicht koscher, darf also nicht gegessen werden. Die Rosenbaums verwendeten Ersatzprodukte, um koscheren Käse zu produzieren.
Speisevorschriften haben zumeist eine lange Tradition und Zielrichtung. Sie können gemeinschaftsstiftend wirken, Grenzen gegenüber Fremden einzuhalten oder wie beim Fasten die Idee der Reinheit und der Reinigung bewirken. Die in der Küche oder bei der Herstellung tätigen Personen tragen eine besondere Verantwortung, wenn die Zubereitung Teil der Speisevorschriften ist.
Zur Mitarbeit:
Diese Informationen sollen Dir helfen, die Anzeigen der Familie Rosenbaum in der Zeitschrift „Der Israelit“ besser zu verstehen: Wie wurde das Personal für die Käseproduktion ausgewählt, um die Speisevorschriften einzuhalten? Was lässt sich über die religiöse Einstellung Rosenbaums folgern? Erläutere nochmals den Begriff koscher.
Anzeige_Der Israelit_08-1878
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1878
Artikel_Der Israelit_04-1892
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1892
Ein Blick in eine Allgäuer Käserei zeigt die Herstellung und Verpackung von Butter.
Anzeige_Der Israelit_07-1903
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1903: Butter Koscher Käse.

Käsefirma Wilhelm Rosenbaum – der Firmenbriefkopf als Visitenkarte

Firmenbriefköpfe sind eine wichtige geschichtliche Quelle der Unternehmensgeschichte. Um 1900 entwickelten sie sich zu kleinen grafischen Kunstwerken.
Zur Mitarbeit:
Auf dem Firmenbriefkopf gibt es eine lokale Welt zu entdecken. Beschreibe erst einmal genau, was zu sehen ist und was es zu lesen gibt.
Dazu einige Fragen zur Anregung:
  • Selbstdarstellung: Was steht im Zentrum des Bildes, was wird durch „Besucherfenster“ hervorgehoben?
  • Natur: Welche Rolle spielen Natur und Tiere?
  • Das Produkt: Wo wird das Produkt sichtbar gemacht und was soll gezeigt werden?
  • Qualität: In den oberen Ecken finden sich „Schutz-Marke“ und Goldmedaillen. Die Marken kennzeichneten Herkunft und Qualität, Goldmedaillen waren renommierte Auszeichnungen auf Industrie- und Gewerbeausstellungen. Zeige, dass „Schutz-Marke“, Auszeichnungen, „Besucherfenster“ u.a. unternehmerische Mittel der Werbung sind.

Ein Blick auf weitere Fotos

Der Chef und seine Belegschaft

1908 beschäftigte Wilhelm Rosenbaum 13 Arbeiter, Bennos Firma, „Gebr. Rosenbaum“, hatte 12 Arbeiter; beide waren wichtige Unternehmer in Memmingen und Abnehmer von Milch aus dem ganzen Allgäu. Ihren Käse vertrieben sie reichsweit.
Das Foto zeigt Wilhelm Rosenbaum und seine Mitarbeiter: Wie unterscheiden sich Unternehmer, Leitungspersonal, Schreibkräfte, Arbeiter, Lehrlinge rein äußerlich voneinander?

Das Emmentalerlager

Ein anderes historisches Foto erlaubt den Blick in ein Käselager mit Emmentaler. Ein Laib Emmentaler wiegt frisch durchschnittlich 95 kg, abgelagert zwischen 3 und 12 kg. Der Durchmesser liegt zwischen 0,8 und 1,0 Meter. Temperatur und Belüftung bestimmen die Reifung.
Überlege die Lagerungsprobleme von Emmentalerlaiben in früheren Zeiten.

Moderne Käsewerbung

Das Farbfoto zeigt die Internetwerbung Hochland Käse aus dem Allgäu. Moderne Werbung arbeitet mit ganz anderen Mitteln als etwa die Werbung des Briefkopfs der Firma Wilhelm Rosenbaum.
Werbung der Firma Hochland-Käse
Werbung der Firma Hochland-Käse | Copyright: Hochland-Käserei
Beginne wieder mit einer Fotobetrachtung der Hochland-Käse-Werbung. Stelle W-Fragen an die Inszenierung des Fotos: Wer, was, wann, wie, wofür? Vergleiche die Werbung für Sandwichs-Käsescheiben mit der Briefkopfwerbung unter dem Aspekt von Information und Emotion.