TECHNOLOGIE

"Robotaxis" gehen in München in den Testbetrieb

Es sind Szenen, wie man sie aus etwa 15 US-Großstädten und aus rund 30 Metropolen in China kennt – und es ist zugleich ein Szenario, das die Taxi-Branche fürchtet: Spätestens Ende 2027 sollen autonom fahrende „Robotaxis“ in München Fahrgäste durch die Stadt chauffieren. Dies hat die US-Firma Waymo, die zum Google-Mutterkonzern Alphabet gehört, am 25. August 2026 angekündigt. Die ersten Testfahrzeuge, noch ohne Passagiere, sollen bereits in diesem Herbst durch die Stadt fahren. Die Genehmigung des Kraftfahrtbundesamtes liege vor.
„Servus München“: Die ersten beiden Worte der Pressemitteilung, mit der Waymo den Testbetrieb und das Ziel des kommerziellen Betriebs ankündigt, sind auf Deutsch zu lesen. München sei ein „Weltklasse-Hub“ für Mobilität und Ingenieurswesen, und „ein Teil dieser Stadt zu werden markiert einen wichtigen Meilenstein in unserer globalen Expansion“, wird Waymo Co-CEO Tekedra Mawakana in der Mitteilung zitiert.
Tekedra Mawakana, Waymo Co-CEO:
“Autonomes Fahren ist der Schlüssel zur Mobilität der Zukunft. Wir zielen darauf ab, Deutschland zu einem global führenden Land für Innovationen und Herstellung von autonomen Fahrzeugtechnologien zu machen.”
Waymo habe das Marktpotenzial wie auch die rechtliche Zuverlässigkeit Deutschlands erkannt, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, Christian Hirte, der Waymo-Mitteilung zufolge.
Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister:
„Unser Ziel muss es sein sicherzustellen dass wir in Europa diese Technologien nicht nur nutzen, sondern auch entwickeln und anwenden.”
Die Tatsache dass Waymo München für den Markteintritt in Deutschland ausgewählt habe unterstreiche Bayerns Ruf als High-Tech-Location, sagte Staatskanzlei-Minister Florian Herrmann. Im Freistaat gebe es die besten Voraussetzungen, starke Automobil-Hersteller und -Zulieferer, Spitzenforschung, innovative Start-ups und ein starkes AI-Ökosystem, die besonders durch die bayerische High-Tech-Agenda gefördert würden.
Florian Herrmann, bayerischer Staatskanzlei-Minister:
„Nun müssen wir schnell vom Testbetrieb zur Echt-Anwendung kommen. Um dies zu erreichen werden wir weiterhin die Rahmenbedingungen verbessern, das rote Absperrband durchschneiden und regulatorische Barrieren wegräumen.”
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger begrüßte die Ankündigung des US-Unternehmens und sprach in einer Erklärung von einem „Meilenstein für das autonome Fahren in Bayern.“ Aiwanger hatte sich bereits im Juli mit Unternehmensvertretern von Waymo über die Perspektiven des autonomen Fahrens ausgetauscht. „Als Wirtschaftsminister unterstütze ich ausdrücklich Unternehmen, die das autonome Fahren in Bayern voranbringen.“
Hubert Aiwanger, Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie:
„Das ist ein starkes Signal für den technologischen Fortschritt und zeigt: Die autonome Mobilität kommt in Bayern voran. Wir streben an, Robotaxis zur IAA Mobility 2027 auch praktisch in Bayern einzusetzen."
Die Waymo-Fahrzeuge werden in den ersten Wochen noch mit geschultem Fahrpersonal am Steuer unterwegs sein um das Münchner Straßennetz zu erfassen und das System auf örtliche Besonderheiten einzurichten. Die Fahrzeuge tasten dazu mit einem rotierenden Laser-Sensor (Lidar) auf dem Dach die Umgebung ab udn erstellen ein digitales Abbild der Umgebung.
Der Passagierbetrieb werde „gegen Ende 2027“ folgen. Waymo könne aus Daten von mehr als 350 Millionen vollautonom gefahrenen Kilometern zurückgreifen, die „belegen, dass wir ein deutlich höheres Sicherheitsniveau als menschliche Fahrerinnen und Fahrer erreichen: Im Vergleich zu diesen verzeichnen wir 16-mal weniger Unfälle mit Schwerverletzten, 14-mal weniger Fußgängerunfälle mit Personenschaden und 6-mal weniger Fahrradunfälle mit Personenschaden.“ Waymo bezeichnet sich selbst als den „erfahrensten Fahrer der Welt.“

Waymo bemüht sich um Vertrauen, Taxi-Branche ist skeptisch

Waymos Top-Priorität sei es, „bei allen Schritten zur Vorbereitung unseres Fahrservices stets das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger“ zu gewinnen, heißt es weiter in der Mitteilung des Konzerns. Zumindest in der Taxi-Branche war ein Markteintritt seitens der Tech-Giganten seit Längerem erwartet und auch befürchtet worden. Eine offizielle Stellungnahme lag zunächst nicht vor. Offen blieb auch, mit wievielen Fahrzeugen Waymo in München im kommerziellen Betrieb an den Start gehen möchte. In San Francisco sind bereits weit mehr als 1000 Waymo-Fahrzeuge unterwegs.
Taxis zählen zum öffentlichen Personenverkehr und unterliegen dem Personenbeförderungsgesetz. Autonome Fahrzeuge könnten nicht nur die Taxi-Branche, sondern auch den ÖPNV grundlegend verändern. Denkbar wäre, sie in Zukunft als „Zubringer“ auf der sogenannten „letzten Meile“ von oder zu einem Bahnhof einzusetzen oder auch im Bedarfsverkehr („on demand“) im ländlichen Raum. Wie schnell es solche Angebote außerhalb der Metropolen geben wird und vor allem wann sie wirtschaftlich tragfähig sein werden ist bislang nicht klar absehbar.