Wasserstoffkernnetz
Wasserstoffkernnetz-Planungen schreiten voran
Die Pläne für den Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland werden kontinuierlich aktualisiert und an die bestehenden Marktbedingungen und Bedarfsszenarien angepasst, so auch im ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans Gas und Wasserstoff vom 3. März 2026. Was im bestehenden Gasnetz bewährte Praxis ist, wird beim Auf- und Umbau der Infrastruktur für Wasserstoff nun schrittweise etabliert. Das Wasserstoff-Kernnetz führt auch durch Bayerisch-Schwaben und wird nach den derzeitigen Plänen im Jahr 2032 und den darauf folgenden Jahren Wasserstoff in die Region liefern.
Was verbirgt sich hinter den aktuellen Netzentwicklungsplänen?
Der erste Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) Gas und Wasserstoff 2025 befindet sich derzeit in der Konsultation bis 27. März 2026. Er wurde am 3. März von der Koordinierungsstelle für die integrierte Netzentwicklungsplanung Gas Wasserstoff (KO.NEP) vorgelegt (KO.NEP-Webseite mit Pressemitteilung und weiteren Dokumenten). Er ist der erste integrierte Plan dieser Art nach der EnWG-Novelle 2024 und verbindet die Planung für Methan- und Wasserstoffinfrastruktur in einem gemeinsamen Verfahren. Außerdem erfolgt eine inhaltliche Verzahnung mit dem Netzentwicklungsplan Strom.
Im nun konsultierten ersten Entwurf werden bis 2037 im Methanbereich 364 km Netzausbau mit 2,9 Mrd. Euro Investitionen und im Wasserstoffbereich 7.007 km mit rund 20,1 Mrd. Euro vorgeschlagen. Hinzu kommen 2.199 km des bereits genehmigten Wasserstoff-Kernnetzes, die schon umgesetzt sind oder sich in Umsetzung befinden; deshalb erscheinen sie nicht mehr als neuer Ausbaubedarf. Bislang etabliert wurden bis Ende 2025 mehr als 500 Leitungskilometer des Wasserstoffkernnetzes.
Die Besonderheit im aktuellen Entwurf ist, das dieser in zwei Stufen veröffentlicht wird. Begründet wird dies mit einem deutlich höheren Analysebedarf bei der gemeinsamen Betrachtung von Gas und Wasserstoff in drei Szenarien. Deswegen werden die Modellierungsergebnisse für Wasserstoff im Betrachtungsjahr 2045 sowie weitere Details erst in einem überarbeiteten (zweiten) Entwurf Mitte 2026 veröffentlich.
Welche Planänderungen gibt es und warum?
Das 2024 genehmigte Kernnetz bleibt nahezu im bisherigen Umfang erhalten, wird aber zeitlich gestreckt und technisch angepasst.
Das von der Bundesnetzagentur im Oktober 2024 genehmigte Wasserstoff-Kernnetz umfasste 9.040 km, die sukzessive bis 2032 in Betrieb gehen sollten; rund 60 % sollten durch Umstellung bestehender Erdgasleitungen entstehen, rund 40 % durch Neubau. Im jetzigen ersten NEP-Entwurf werden für den Wasserstoffbereich 7.007 km Netzausbauvorschlag ausgewiesen. Dieser Wert ist aber nicht direkt als Kürzung gegenüber 9.040 km zu lesen, weil laut Executive Summary 2.199 km des Kernnetzes bereits als umgesetzt bzw. in Umsetzung befindlich gelten und deshalb nicht mehr Teil des neuen Ausbaubedarfs sind. Addiert man beides, liegt der Entwurf weiterhin ungefähr auf Kernnetz-Niveau.
Außerdem können sich im jetzigen Entwurf Trassenführung, Ausbauform, Druck-/Verdichterkonzept, Leitungsdimensionierung, Umstellungs- versus Neubauanteile oder konkrete Inbetriebnahmejahre ändern.
Als Gründe nennen die Netzbetreiber vor allem die Modellierungsergebnisse für 2037, detailliertere Machbarkeitsstudien, den bislang zögerlichen Markthochlauf sowie mögliche Planungs- und Genehmigungsverzögerungen. Es geht also nicht primär um einen grundlegenden Rückbau des Kernnetzes, sondern um eine spätere Realisierung einzelner Maßnahmen. Die wichtigste neue Botschaft des ersten Entwurfs ist dabei nicht ein kompletter planerischer Neubeginn, sondern eine realistischere, zeitlich gestreckte und technisch präzisierte Umsetzung des Wasserstoffhochlaufs.
Was bedeutet das für die Industrie?
Für Industrieunternehmen ist wichtig: Dieser erste Entwurf ist noch nicht der endgültige NEP. Die Netzbetreiber veröffentlichen den Plan ausdrücklich in zwei Schritten. Der jetzt konsultierte Entwurf enthält noch nicht die vollständigen Modellierungsergebnisse für Wasserstoff im Betrachtungsjahr 2045 und auch noch nicht die Modellierung der marktbasierten Instrumente (MBI). Diese Punkte sollen erst in einem überarbeiteten Entwurf ergänzt werden, der anschließend der Bundesnetzagentur vorgelegt wird. Für Investitionsentscheidungen bedeutet das: Der jetzt vorliegende Stand ist eine belastbare Richtungsentscheidung, aber noch keine endgültige Feinplanung bis 2045.
Wie wird die Anbindung an das Kernnetz in Bayerisch-Schwaben umgesetzt?
Für Bayerisch-Schwaben ist vor allem das Projekt H2Nordlech relevant. Nach Angaben von bayernets, schwaben netz und swa Netze soll eine rund 29 km lange Hochdruckleitung von der Verdichterstation Wertingen-Prettelshofen über Meitingen nach Augsburg führen. Nach 2030 könnte darüber Wasserstoff aus dem deutschlandweiten Kernnetz in den Großraum Augsburg und weiter in die Verteilnetze in Bayerisch-Schwaben transportiert werden. Die Projektpartner bezeichnen dies ausdrücklich als Startschuss für die vollständige Anbindung von Bayerisch-Schwaben an das künftige Wasserstoffversorgungsnetz.
Ein weiterer Meilenstein für die Energieversorgungssicherheit war die Fertigstellung der AUGUSTA Pipeline von Wertingen im Landkreis Dillingen nach Kötz im Landkreis Günzburg durch die bayernets gmbh. Mit einer Länge von 40,5 km steht die Leitung seit Mitte Dezember 2025 für den Gastransport zur Verfügung. Die Leitung wurde H2-ready gebaut, um zukünftig auch Wasserstoff transportieren zu können.
