Nachhaltigkeit - 04.03.2026
Nachhaltigkeit im Unternehmen: Trend, Strategie oder wirtschaftliche Herausforderung?
Nachhaltigkeit. Früher meist Aushängeschild, heute oftmals unter den Tisch gekehrt. Das Image von Nachhaltigkeit im Unternehmen hat sich verändert. Trotzdem ist Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen längst strategisch verankert, doch der Schwung der Transformation lässt nach. Eine neue Studie untersucht, was Unternehmen aufhält und welche Rahmenbedingungen gefordert werden.
Studie zur Nachhaltigkeitstransformation
Die Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschaft gilt als zentrale Zukunftsaufgabe. Doch ausgerechnet jetzt, wo viele Unternehmen Nachhaltigkeit fest in ihren Strategien verankert haben, verliert der Wandel an Tempo. Warum investieren viele Betriebe noch zögerlich und was müsste passieren, damit Nachhaltigkeit zum echten wirtschaftlichen Treiber wird?
Der Sustainability Transformation Monitor 2026 der Bertelsmann Stiftung, der Stiftung Mercator und der Universität Hamburg liefert darauf aktuelle Antworten. Grundlage der Untersuchung sind Angaben von 822 Organisationen aus Real- und Finanzwirtschaft.
Nachhaltigkeit in Zahlen
Strukturell ist das Thema heute stärker verankert als noch vor wenigen Jahren. Rund 70 Prozent der Unternehmen haben Nachhaltigkeitsverantwortung auf Vorstands- oder Geschäftsführungsebene angesiedelt, und Nachhaltigkeitsmanagement gehört vielerorts zum Standard. Gleichzeitig wächst die Datengrundlage: 86 Prozent der Unternehmen erfassen mittlerweile zumindest teilweise ihre Treibhausgasemissionen, und rund 59 Prozent verfolgen konkrete Klimaziele.
Zwischen Wirtschaftlichkeit und politischen Rahmenbedingungen
Trotz dieser Fortschritte verlangsamt sich der Transformationsprozess. Viele Unternehmen verschieben strategische Vorhaben oder setzen sie nur schrittweise um. Ein wichtiger Grund dafür sind unsichere politische und regulatorische Rahmenbedingungen. Für 59 Prozent der Unternehmen führen aktuelle politische Debatten dazu, dass Nachhaltigkeit intern an Priorität verliert.
Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Zielkonflikt: Zwar sehen 43 Prozent der Unternehmen grundsätzlich einen finanziellen Nutzen von Nachhaltigkeitsmaßnahmen, in vielen Fällen übersteigen jedoch die Kosten noch den unmittelbaren wirtschaftlichen Mehrwert.
Beim Reporting gut vorbereitet
Bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung zeigt sich dagegen ein anderes Bild. 59 Prozent der Unternehmen, die ab 2027 unter die europäische Berichtspflicht fallen, fühlen sich bereits heute gut vorbereitet. Und selbst unter den künftig nicht mehr verpflichteten Unternehmen wollen 75 Prozent weiterhin freiwillig berichten. Besonders im Mittelstand gewinnt dabei der VSME-Standard an Bedeutung, der als praxisnah und verhältnismäßig gilt.
Nachhaltigkeit und Finanzen
Im Dialog zwischen Unternehmen und Banken spielt Nachhaltigkeit bislang nur für einen Teil der Akteure eine größere Rolle: Rund 30 Prozent der Unternehmen und 37 Prozent der Banken bewerten Nachhaltigkeitsaspekte als wichtiges Thema in Finanzierungsgesprächen. Damit ist das Thema zwar bereits relevant, seine Bedeutung hat zuletzt jedoch etwas abgenommen.
Am Kapitalmarkt ist nachhaltiges Investieren dagegen deutlich stärker etabliert: 96 Prozent der Investoren verfolgen Ansätze des verantwortungsvollen Investierens, 93 Prozent nutzen Ausschlusskriterien. Außerdem dienen die EU-Taxonomie und die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen häufig als Orientierung und rund drei Viertel der Investoren vermarkten ihre Produkte gezielt als nachhaltig oder ESG-konform.
Fazit und Quelle
Die Studie zeigt damit ein klares Spannungsfeld: Nachhaltigkeit ist in vielen Unternehmen strategisch verankert, doch die Transformation verliert an Dynamik. Damit sie wieder an Fahrt gewinnt, braucht es vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Anreize und eine stärkere Verbindung von Nachhaltigkeitszielen und Investitionsentscheidungen.
