Nachhaltigkeit - 12.03.2026

Europäische Wertschöpfung im Fokus

Made in Europe. Dieses wirtschaftspolitische Schlagwort hat in den vergangenen Tagen für Aufmerksamkeit gesorgt. Hinter dem Begriff steht ein Vorschlag der Europäischen Kommission, europäische Produktion in strategischen Branchen stärker zu fördern, etwa bei öffentlichen Aufträgen oder staatlichen Förderprogrammen. Ziel ist es, Europas Industrie im globalen Wettbewerb zu stärken und gleichzeitig nachhaltige Wertschöpfung in Europa zu sichern.

Stärkere Nachfrage nach europäischer Produktion

Die Idee ist, bei öffentlichen Investitionen und Förderprogrammen künftig stärker auf Produkte zu setzen, die in Europa hergestellt wurden. Betroffen wären vor allem Industrien, die für Infrastruktur, industrielle Wertschöpfungsketten und die Energiewende zentral sind, z.B. energieintensive Grundstoffindustrien sowie Branchen rund um Mobilität und klimafreundliche Technologien. Die europäische Industrie soll dadurch stabilisiert und modernisiert werden. Ziel ist es, den Anteil der industriellen Wertschöpfung in Europa durch Investitionen in nachhaltige Produktion und innovative Technologien langfristig zu erhöhen.

Hintergrund: Wettbewerb und Abhängigkeiten

Die Diskussion um „Made in Europe“ steht im Kontext globaler Veränderungen. Viele industrielle Wertschöpfungsketten sind in den vergangenen Jahrzehnten stark internationalisiert worden. Gleichzeitig wächst die Sorge über strategische Abhängigkeiten bei Rohstoffen oder Schlüsseltechnologien.
Mit einer stärkeren europäischen Industriepolitik will die EU daher mehrere Ziele verbinden:
  • wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärken
  • Lieferketten widerstandsfähiger machen
  • klimafreundliche Produktion fördern

Was bedeutet das für Unternehmen?

Für Unternehmen kann die Initiative sowohl Chancen als auch neue Rahmenbedingungen mit sich bringen. Wird europäische Produktion stärker berücksichtigt, kann dies zusätzliche Nachfrage nach regionaler Wertschöpfung auslösen. Gleichzeitig stellen sich aber auch praktische Fragen: Wie genau wird künftig definiert, wann ein Produkt als „Made in Europe“ gilt? Welche Nachweise müssen Unternehmen erbringen? Und wie lassen sich internationale Lieferketten weiterhin effizient organisieren?
Daher bleibt entscheidend, dass mögliche neue Vorgaben praktikabel bleiben und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht beeinträchtigen. Derzeit sind aber noch keine konkrete Maßnahmen in politischer Diskussion. Vorschläge der Europäischen Kommission müssen zunächst von EU-Mitgliedstaaten und Europäischem Parlament beraten und beschlossen werden. Kurzfristig ändert sich für Unternehmen daher noch nichts.