Fragen und Antworten

Corona und Ausbildung

Berufsschule

Je nach Infektionsgeschehen ist Unterricht an den Berufsschulen auch im Wechsel von Präsenz und Distanz (sog. Hybridunterricht) oder als kompletter Distanzunterricht vorgesehen.
Informationen und Rahmenbedingungen finden Sie auf der Seite des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus.
Schülerinnen und Schüler sind zur aktiven Teilnahme am Distanzunterricht verpflichtet, die von den Lehrkräften gestellten Arbeitsaufträge sind verbindlich. 
Je nach technischen Möglichkeiten kann die Bearbeitung der Aufgaben zu Hause oder auch im Ausbildungsbetrieb erfolgen. Die Inhalte des Unterrichtes sind entsprechend im Ausbildungsnachweis zu dokumentieren.
Alle Fächer der Stundentafel werden grundsätzlich auch im Distanzunterricht unterrichtet. Bei der wechselweisen Rückkehr aus dem digitalen in den Präsenzunterricht sind Leistungserhebungen ohne weitere Übungsphasen zulässig und auch nötig, um die geforderte Mindestanzahl an Leistungen für die Notenbildung zu erbringen.

Entspricht der Onlineunterricht exakt dem Stundenplan eines Präsenzschultages mit mehr als 5 Unterrichtsstunden, gilt die Freistellung und Anrechnung wie bei einem tatsächlichen Präsenztag. D.h. Auszubildende dürfen einmal in der Woche an einem Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden nicht beschäftigt werden. (siehe BBiG § 15 Abs. 1 Nr. 2). Bei Online-Blockunterricht gemäß dem tatsächlichen Stundenplan mit mehr als 25 Schulstunden pro Woche gilt die gleiche Bestimmung. D.h. eine Beschäftigung im Betrieb darüber hinaus ist nicht möglich.
Informieren Sie sich unbedingt auch auf der Homepage der Berufsschule.
Bitte unterstützen Sie Ihre/n Auszubildenden bei der Teilnahme am ‚Distanz-Berufsschulunterricht‘. Halten Sie auch Kontakt zu den Lehrkräften und fragen Sie ggf. bei Problemen oder Unklarheiten nach. Vielen Dank.

Einstellung von Auszubildenden bei Kurzarbeit im Unternehmen

Auch jetzt müssen Unternehmen für ihre zukünftigen Fachkräfte sorgen. Der Abschluss von Ausbildungsverträgen und die Einstellung von Auszubildenden ist trotz Kurzarbeit im Unternehmen möglich.  Wir empfehlen davon betroffenen Betrieben eine kurze Mitteilung an die zuständige Arbeitsagentur.
Nutzen Sie für die Suche nach Auszubildenden auch die Portale IHK-Lehrstellenbörse und die Jobbörse der Arbeitsagentur.

Was passiert mit dem Auszubildenden, wenn der Betrieb vorübergehend schließen muss?

Bei einer vorübergehenden Betriebsschließung bleibt der Ausbildungsvertrag mit allen Rechten und Pflichten bestehen. Auch wenn der Betrieb den/die Auszubildende/-n vorübergehend nicht beschäftigen und ausbilden kann, muss eine Ausbildungsvergütung weiter gezahlt werden. In diesen Fällen sollte auch die Möglichkeit von Verbundausbildung geprüft werden. Die Bildungsberater Ihrer IHK informieren Sie gerne dazu.

Kann für Auszubildende Kurzarbeit angeordnet werden?

Auszubildenden gegenüber kann in der Regel keine Kurzarbeit angeordnet werden. Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten. Hierbei hat er beispielsweise folgende Möglichkeiten:
  • Umstellung des Ausbildungsplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte
  • Einsatz in einer anderen Abteilungen/Unternehmensbereichen
  • Rückversetzung in die Lehrwerkstatt
  • Online-Schulungen
Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen. Wegen des Coronavirus haben viele Betriebe derzeit kaum eine andere Möglichkeit, insbesondere wenn der Betrieb geschlossen werden muss. Daher gilt: In diesen Fällen können auch Auszubildende Kurzarbeitergeld bekommen. Allerdings erst nach einem Arbeitsausfall von sechs Wochen oder 30 Arbeitstagen. Bis dahin bekommen sie die volle Ausbildungsvergütung. Abweichend von der gesetzlichen Mindestdauer können Ausbildungs- und Tarifverträge längere Fristen vorsehen.
Weitere Informationen zur Kurzarbeit erhalten Sie bei der Bundesagentur für Arbeit.
Als eine Alternativlösung kommt in Betracht, das Ausbildungsverhältnis in eine Teilzeitberufsausbildung zu ändern. Dies bedarf jedoch einer gemeinsamen Entscheidung von Ausbildungsbetrieb und Auszubildendem. Bei Fragen hierzu wenden Sie sich bitte an Ihren IHK-Ausbildungsberater.

Kann für Ausbilder/-innen Kurzarbeit angeordnet werden?

Auch bei Ausbildern sollte Kurzarbeit nur in Ausnahmefällen angeordnet werden, da der Betrieb gewährleisten muss, dass der Ausbilder seiner Ausbildungspflicht gegenüber dem Auszubildenden nachkommt. Werden die Auszubildenden mangelhaft oder gar nicht ausgebildet, kann ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Ausbildungsbetrieb entstehen.

Kann der Auszubildende in den Urlaub geschickt werden?

Auszubildende können nicht pauschal in “Zwangsurlaub” geschickt werden. Urlaub muss der Auszubildende beantragen und er kann nicht gegen dessen Willen einfach angeordnet werden. Ähnliches gilt für den Abbau von Überstunden.
Allerdings sind dringende betriebliche Belange hier mit zu berücksichtigen. Dies kann z.B. eine unvorhergesehene Krise sein, in der der Arbeitgeber durch Lieferengpässe, ausbleibende Kunden…, keine Beschäftigungsmöglichkeit hat. Auch in diesen Fällen muss ein Teil des Urlaubes in der Verfügung des Arbeitnehmers bzw. des Auszubildenden bleiben. Hat das Unternehmen einen Betriebsrat, ist die Anordnung eines ‚Zwangsurlaubs‘ entsprechend abzustimmen.

Darf der Auszubildende im Homeoffice arbeiten?

Homeoffice oder mobiles Arbeiten ohne Anwesenheit einer Ausbilderin oder eines Ausbilders ist grundsätzlich keine Dauerlösung. In der aktuellen Situation kann aber vorübergehend davon Gebrauch gemacht werden, wenn bei Fragen oder Problemen eine Fachkraft zur Verfügung steht (auch telefonisch oder via Videokonferenz). Das mobile Arbeiten sollte aber nur für das Vertiefen von bereits erworbenen Ausbildungsinhalten angewendet werden und muss durch Ausbilder/-innen oder Ausbildungsbeauftragte kontrolliert werden. Der Ausbildungsnachweis sollte weiterhin geführt werden.
Eine Information über die Regelung zur Arbeit im Homeoffice, z. B. Dokumentation der Arbeitszeit, Meldung bei der zuständigen Fachkraft oder dem Ausbilder, Ansprechpartner für technische Probleme usw., sollte an die Auszubildenden weitergegeben werden.

Kann der Auszubildende auch in anderen Bereichen/Betrieben eingesetzt werden?

Angedacht werden kann der Einsatz der Auszubildenden in anderen Bereichen oder Betrieben, wenn dies insgesamt für die Ausbildung im weitesten Sinne zweckdienlich und aufgrund der momentanen Situation vertretbar ist. Dies wäre z.B. ein Einsatz im Einzelfall für andere Unternehmensbereiche oder in einem anderen Betrieb für eine begrenzte Zeit.
Folgende Hinweise dazu:
  1. der Ausbildungsvertrag beim Ausbildungsunternehmen bleibt bestehen, die Ausbildungsvergütung wird vom Ausbildungsbetrieb weiter an den Auszubildenden bezahlt.
  2. der Einsatz des/r Auszubildenden in einem anderen Betrieb/Bereich erfolgt in gegenseitigem Einvernehmen.
  3. der/die laut Ausbildungsvertrag zuständige Ausbilder/-in bleibt für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte des Ausbildungsberufes insgesamt verantwortlich.
  4. Zeiten für die Bearbeitung von online zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterialien und Aufgaben der Berufsschule sind im Ausbildungsbetrieb bzw. zu Hause einzuräumen und zu dokumentieren.
  5. Mit dem Einsatzbetrieb wird eine entsprechende Vereinbarung getroffen in der das Einsatzgebiet, Ansprechpartner/Ausbilder im Einsatzbetrieb, geregelt werden. (Diese Aufzählung ist nicht abschließend und durch alle notwendigen Regelung beim Einsatz des Azubis in einem anderen Betrieb zu ergänzen)
  6. Betriebliche Meldevorgaben zu Berufsgenossenschaft, Versicherungen usw. sind zu klären
  7. Die Tätigkeiten im Einsatzbetrieb/-bereich werden im Berichtsheft entsprechend dokumentiert.
Wenn dies bei Ihnen zum tragen kommt, bitte melden Sie uns den Einsatz im anderen Betrieb, die Verrechnung wäre dann separat mit dem Einsatzbetrieb zu klären.
Hinweis: Dies ist eine über das normale Maß hinausgehende Einsatzmöglichkeit und 'Ausschöpfung aller Mittel', die nicht abschließend rechtlich geprüft ist. Ein solcher Einsatz kann auch nur in gegenseitigem Einvernehmen vereinbart werden.
Bitte wenden Sie sich dazu auch an die zuständigen Aubildungsberater/-innen.

Was ist mit dem Auszubildenden, wenn aufgrund Erkrankung oder Quarantäne kein Ausbilder mehr im Betrieb ist?

Vorübergehend ist es ausreichend, wenn eine andere Fachkraft zur Verfügung steht.

Wie kann sich ein Azubi auch ohne Berufsschule auf die Prüfungen vorbereiten?

Aktuelle Informationen zu den Prüfungsterminen (Zwischen-, Teil 1- und Abschlussprüfungen) finden Sie hier. Die beiden Verlage, bei denen die IHK-Organisation die Prüfungen zentral bestellt, bieten die alten Prüfungen zum Erwerb an. Möglicherweise können die Ausbildungsverantwortlichen in den Betrieben hier entgegenkommen. Die IHK kann diese alten Prüfungen leider nicht zur Verfügung stellen. Informationen gibt es für die gewerblich-technischen Ausbildungsberufe bei christiani.de sowie für die kaufmännischen und gastronomischen Ausbildungsberufe bei u-form-shop.de. Darüber hinaus gibt sehr viele Angebote im Netz, ob von Weiterbildungshäusern oder -instituten, die derartige Formate auch online durchführen. Die jeweiligen Fachlehrer der Berufsschulen können hierzu Auskunft geben.
Die IHK Schwaben unterstützt daher Auszubildende in besonders betroffenen Berufsbildern auf dem Weg zur Abschlussprüfung. In Zusammenarbeit mit der IHK Akademie Schwaben werden kostenfreie Vorbereitungskurse für Azubis angeboten. Melden Sie sich hier an.

Muss die Ausbildungszeit verlängert werden, wenn der Auszubildende vorübergehend nicht ausgebildet werden konnte und verschiebt sich dadurch die Abschlussprüfung?

Das ist abhängig davon, wie lange die Unterbrechung der Ausbildung gedauert hat und ob dennoch alle Ausbildungsinhalte vermittelt werden konnten. Grundsätzlich bestätigen Betrieb und der Auszubildende durch ihre Unterschrift auf der Prüfungsanmeldung, ob alle Inhalte vermittelt wurden und die erforderliche berufliche Handlungsfähigkeit besteht. Unterbrechungen von mehreren Wochen führen also nicht automatisch zu einer Verlängerung der Ausbildungszeit. Nehmen Sie in diesen Fällen bitte zu gegebener Zeit Kontakt mit Ihrem Bildungsberater auf.

Verlängert sich die Ausbildungszeit, wenn die Prüfung verschoben wird?

Nein, die Ausbildungszeit verlängert sich nicht automatisch. Dies ergibt sich aus § 21 Absatz 1 Satz 1 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Danach endet das Berufsausbildungsverhältnis mit Erreichen des vertraglich vereinbarten Ausbildungsendes, auch wenn die Abschlussprüfung noch nicht abgelegt ist. Auf Verlangen des von der Verschiebung betroffenen Auszubildenden ist das Ausbildungsverhältnis jedoch zu verlängern.

Darf ein Auszubildender von der Ausbildung fernbleiben?

Grundsätzlich darf ein Auszubildender die Arbeit nicht verweigern, weil die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte. Im Einzelfall kann der Arbeitgeber bei einer konkreten Gefährdung aufgrund seiner Fürsorgepflicht verpflichtet sein, den Auszubildenden von der Arbeit freizustellen oder Teile der Ausbildung. (zum Beispiel das Führen des Ausbildungsnachweises oder die Bearbeitung von Aufgaben der Berufsschule,… zu Hause zu erlauben)

Worauf müssen Ausbildungsbetrieb und Auszubildende achten, wenn das Unternehmen Insolvenz anmeldet?

Grundsätzlich gilt: Weder eine drohende Insolvenz noch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben direkte Auswirkungen auf den Ausbildungsvertrag. Die aus dem Ausbildungsverhältnis resultierenden Rechte und Pflichten bleiben weiter bestehen. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens tritt allerdings der Insolvenzverwalter an die Stelle des Ausbildungsbetriebes. Alle aus dem Ausbildungsvertrag bestehenden Ansprüche sind an ihn zu richten. Der Ausbildungsbetrieb bzw. der Insolvenzverwalter sind dazu verpflichtet, die aus dem Ausbildungsverhältnis resultierenden Pflichten weiter zu erfüllen. Hierzu zählt insbesondere die Zahlung der vereinbarten Ausbildungsvergütung. Grundsätzlich können sich Ausbildungsbetrieb und Auszubildender auf eine Kürzung der Ausbildungsvergütung einigen. Die Ausbildungsvergütung muss jedoch weiterhin angemessen und höher als die gezahlte Vergütung des vorhergehenden Jahres sein, § 17 Absatz 1 BBiG. Die Ausbildenden und Ausbilder sind aber dazu verpflichtet, sich mit der zuständigen Agentur für Arbeit rechtzeitig um einen anderen Ausbildungsbetrieb für den Auszubildenden zu bemühen. Zusätzlich unterstützt Sie Ihre IHK Schwaben durch das Bewerbungsmanagement.

Wer darf Quarantäne anordnen?

Die Anordnung einer Quarantäne obliegt den zuständigen Behörden (nicht dem Betrieb und nicht der Schule). Der Auszubildende erfährt davon regelmäßig durch ein Schreiben oder durch eine öffentlich bekannt gemachte Allgemeinverfügung. Wenn bei einem Auszubildenden eine Quarantäne verhängt wird, bedeuten die getroffenen Maßnahmen regelmäßig einen Eingriff in die Grundrechte, häufig in die Bewegungsfreiheit. Der Auszubildende kann dann nicht zu Ausbildungszwecken die Wohnung oder den Ort seiner Unterbringung verlassen.
Hinweis:
Nicht alle  Antworten und Empfehlungen sind rechtlich abschließend geprüft. Dies ist der aktuellen Krisen-Situation geschuldet. Wir sind bemüht schnellstmöglich praktikable Lösungen für die Unternehmen zu finden. Schnell verfügbare Informationen und pragmatisches Vorgehen ist in dieser Situation unsere Devise.
Diese Infos sind ein Service der IHK. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Obwohl die Informationen mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurden, kann eine Haftung für die inhaltliche Richtigkeit nicht übernommen werden