IHK-Signaturkarte für Sachverständige

Seit Januar 2018 dürfen Sachverständige ihre Gutachten bei Gericht elektronisch einreichen, sofern diese mit einer qualifizierten elektronischen Signatur versehen sind. Die Signaturkarte für öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige ersetzt die Unterschrift und den Rundstempel im elektronischen Rechtsverkehr. Im Rahmen der Digitalisierung werden auch Privatgutachten zunehmend in Dateiform übermittelt und sind dann verpflichtend mit einer qualifizierten elektronischen Signatur zu versehen.
Auf der IHK-Signaturkarte für Sachverständige sind folgende Daten hinterlegt:
  • Name und Vorname des Sachverständigen,
  • Bestellungstenor (Sachgebiet) und die zuständige Bestellungskörperschaft,
  • die Information, dass die Signaturkarte nur im Rahmen der Sachverständigentätigkeit eingesetzt werden darf.

1. Voraussetzungen für die Einrichtung 

  • PC/Laptop o.ä. mit Internetzugang und USB-Port für das Kartenlesegerät
  • Kartenlesegerät der Klasse 3 mit Tastenfeld
  • Signatursoftware
Von D-TRUST empfohlene Kartenlese-Geräte finden sie hier. Selbstverständlich steht es Ihnen frei, andere geeignete Kartenlese-Geräte über alternative Vertriebswege zu beziehen.
Die folgenden Softwareprodukte eignen sich, um Dateien zu signieren (zum Beispiel Gutachten-Dateienvorrangig im PDF-Format, in Ausnahmefällen im TIFF-Format):
  • Die Software “digiSeal office” von secrypt zeigt im Prüfprotokoll sowie im Prüffenster die Sachverständigen-Signatur inkl. der Sachverständigen-Bestätigung an. Preis (einmalig) 99,00 Euro zzgl. MwSt.
  • Governikus Signer, Preis (1-Jahres-Lizenz) 65,00 Euro zzgl. MwSt.
  • SignLive, Preis (einmalig) 144,00 Euro zzgl. MwSt.
  • OfficeSigner, Preis (einmalig) 170,00 Euro zzgl. MwSt.
  • Bei geringem Signaturvolumen (circa ein bis zwei Signaturen im Jahr bzw. zum Testen) kann die Software SecSigner kostenlos als Online-Anwendung genutzt werden. Bei höherem Signaturaufkommen empfiehlt sich ein Software-Download des SecSigners. Dafür berechnet der Hersteller Seccommerce Wartungskosten abhängig vom Nutzer- und Signaturvolumen.
Auch hier steht es Ihnen selbstverständlich frei, andere geeignete Softwareprodukte über alternative Vertriebswege zu erwerben und zu nutzen.
Zur Überprüfung der elektronischen Signatur benötigen die Empfänger elektronisch signierter Gutachten eine kostenlose Verifikationssoftware. Empfohlenes Produkt zum kostenlosen Download: www.secrypt.de.

2. Voraussetzungen für die Kommunikation mit der Justiz

  • Signaturkarte für öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige
  • EGVP-Postfach oder
  • De-Mail Postfach

Signaturkarte für öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige

Die Signaturkarte können Sie formlos bei Ihrer zuständigen Bestellungskörperschaft beantragen. Hierfür vereinbaren Sie bitte einen Termin und bringen zur Identifizierung Ihren mindestens noch 6 Wochen gültigen Personalausweis oder Reisepass mit.
Die Bestellungskörperschaft nimmt Ihren Antrag auf und bestätigt anhand eines speziellen Vordrucks, dass Sie als Sachverständiger mit einem bestimmten Bestellungstenor öffentlich bestellt und vereidigt sind. Ihre Antragsdaten werden anschließend an die D-Trust GmbH in Berlin übermittelt.
Alternativ besteht die Möglichkeit, die Signaturkarte über das PostIdent-Verfahren zu beantragen. Der Antrag wird online direkt bei der D-Trust GmbH gestellt. Die durch die zuvor von der Bestellungskörperschaft ausgefüllte Bestätigung ist dem Antrag beizufügen.
Die D-Trust GmbH ist ein gesetzeskonformer Vertrauensdiensteanbieter gemäß dem Vertrauensdienstegesetz. Dort wird Ihre Signaturkarte produziert und ungefähr zwei bis drei Wochen nach Antragstellung an Sie versandt. Zudem erhalten Sie mit separater Post eine PIN für Ihre Signaturkarte.
Die Kosten für die Signaturkarte mit zweijähriger Gültigkeit betragen 175 Euro inklusive Umsatzsteuer. Die Rechnungslegung erfolgt durch die Bundesdruckerei GmbH an den Antragsteller.
Nach Ablauf der Gültigkeit kann eine Folge-Signaturkarte zum Preis von 135,66 Euro inklusive Umsatzsteuer erworben werden. Hierzu genügt ein schriftlicher Antrag. Diesem muss wiederum die durch die Bestellungskörperschaft ausgefüllte Bestätigung als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger beigefügt werden. Ihr Ausweisdokument muss noch mindestens 30 Tage lang gültig sein. Die Rechnungslegung erfolgt durch die Bundesdruckerei GmbH an den Antragsteller.

Elektronisches Gerichts- und Verwaltungspostfach

Zum elektronischen Versand von Gutachten und zur Kommunikation mit der Justiz über das EGVP wird der kostenfreie Governikus Communicator Justiz empfohlen. Daneben gibt es weitere Drittprodukte, die Sie hier finden.
Weitere Hinweise finden Sie auf den Seiten https://justiz.de/index.php bzw. https://egvp.justiz.de.

De-Mail Postfach

Es gibt verschiedene Anbieter für ein De-Mail Postfach (etwa GMX, web.de oder Telekom). Nachdem man sich für einen Anbieter entschieden hat, erfolgt zunächst eine Registrierung für ein De-Mail-Konto. Hierfür wird die Identität anhand des Personalausweises oder Reisepasses überprüft. Eine Identifizierung anhand einer qualifizierten elektronischen Signatur ist ebenfalls möglich. Nach erfolgreicher Identifizierung und Registrierung wird das De-Mail-Konto freigeschaltet und die Zugangsdaten übermittelt.
Es sind zwei Anmeldeverfahren möglich:
  1. normales Sicherheitsniveau:
    Anmeldung erfolgt über Benutzername und Passwort
  2. hohes Sicherheitsniveau
    Anmeldung erfolgt über Benutzername, Passwort und einen “Token” [Gegenstand, der sich in Ihrem Besitz befindet, z.B. Chipkarte mit eID-Funktion (Personalausweis oder Signaturkarte)].
De-Mail-Nachrichten können ausschließlich an Personen, Unternehmen oder Behörden versandt werden, die ebenfalls eine De-Mail-Adresse besitzen.
Wichtig:
Um wirksam Nachrichten an die Gerichte zu schicken, muss man sich mit hohem Sicherheitsniveau angemeldet haben.

3. Wie kommt die elektronische Signatur auf das Gutachten?

  1. Speichern Sie Ihr Gutachten als pdf-Datei ab.
  2. Rufen Sie die Gutachten-Datei in Ihrer Signatursoftware auf und klicken Sie auf “signieren“.
  3. Stecken Sie Ihre Signaturkarte in das Lesegerät, geben Sie auf dem Lesegerät Ihren PIN-Code ein und bestätigen Sie diesen. Die signierte Datei wird am ursprünglichen Speicherort abgelegt und ist an der Dateiendung (_sig.) zu erkennen.
Jetzt ist die elektronische Signatur dauerhaft mit der elektronischen Gutachten-Datei verbunden und kann als Anhang versendet werden
  • an das Gericht per Governikus Communicator Justiz oder De-Mail oder
  • an sonstige Empfänger (zum Beispiel Versicherungen, Unternehmen, Privatpersonen) per E-Mai
Der Empfänger kann sich auf die Echtheit des Absenders und des unverfälschten Gutachteninhalts verlassen. Zur Überprüfung der elektronischen Signatur benötigen die Empfänger eine kostenlose Verifikationssoftware. Zur Beweisführung kann es sinnvoll sein, ein Prüfprotokoll zu erstellen und zu speichern.
Ein Erklärungsvideo der DE-CODA zur Signierung und Versand eines elektronischen Gutachtens finden Sie hier.